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ALL THAT[d3æz]

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ALL THAT[d3æz]

geschrieben am 12.12.2017 11:22

<M>Eine Jazztopie

Es war einmal ... einer (von vielen – bei weitem nicht alle, aber doch so einige, jedenfalls mehr als genug, denn von solchen ist schon einer einer zu viel), der die Welt und den Rest seiner selbst verabscheute. Das aufpolierte Grausen beherrschte fast alles, was er dachte (zu denken) und tat und unterließ ... darum war auch grausig, was er bewirkte. 


Eines Tages kam ein anderer, und träufelte ihm ein Elixier aus lichtgetränkten Noten, nach Gewichtslosigkeit schmeckenden Tonfolgen und sinnlichen Metren in den Gehörgang. Der <über>lebensgroße Klang färbte ihn in allen Koloriten und stürzte Kopf über Hals und andere Körperteile hinab in die <Ge>Beine. Er nötigte diese zu seismografischen, rhythmischen Erschütterungen außerhalb der Norm und Etikette und Plakette. Er, der Jazz, kroch weiter über die Flanken in die Magengrube und wärmte diese, ließ das Gesäß einen Anker in die Erde werfen, dessen Tau so lang ist, dass man damit alle Welten bereisen kann. Als nächstes war der wohl- und auffrisierte Schädel dran. Auch er musste zucken ... und plötzlich wollte er es außerdem.
Der mit Appellen und Parolen zugenagelte Geist wurde durchgeschüttelt und regte sich ... immer toller, er räkelte sich förmlich und unförmlich und es entwuchsen ihm Flügel ... und Pianos anstelle von Panzern, Trompeten statt Tretminen, Saxofone statt geleckter Stiefel, Cellos und Bässe anstelle von Mitgliedsausweisen, Klarinetten statt Kerkern und KZs, Schlagwerke statt Schlagstöcken. Die Finger pochten. Was man Seele nennt, brauchte keine Zeit zum Erwachen – sie kann schlichtweg nicht nicht musizieren und stand immer schon auf Abruf und Zuspiel parat. Nun, die Meisterklasse: Das Herz ging ihm auf. Seine Stimme erhob sich. Klar. Rein. Frei. Seine Stimmbänder wogten in tiefen, warmen Tonumfängen und empfindsamen Tenorlagen. Ein Solo, sein Alleingang, der ihn erst zum Miteinander entwaffnete.

Stell dir vor, es ist Jazz ... und alle <er>hören ihn. 

Gabbi Hochsteiner

 

 

 

Experiment und Ironie 

 

„War das jetzt experimentell oder ironisch?“, wurde ich neulich in New York nach meinem Solo-Konzert Trommeln ist ein Dehnbarer Begriff von einem Konzertbesucher gefragt.
Wenn der Musiker mit zwei Spielkonsolen-Controller in dirigentenhafter Manier auf einer imaginären Perkussion trommelt, wenn der Daumennagel knatternd über eine gerillte Plexiglasscheibe fährt und je nach Geschwindigkeit und Intensität alle Farben des Walking-Bass groovt, wenn der Schneebesen eher an einen Jazzbesen denn an ein Küchengerät erinnert, wenn die Glastrommel trotz offensichtlicher Zerbrechlichkeit ein Fortissimo zulässt ohne zu zerbersten, wenn der Klang einer großen, mondähnlich leuchtenden Trommel plötzlich einfriert und erstarrt, wenn das Gummifell einer Konzerttrommel geknetet und gezogen wird, bis sie atmet und spricht, wenn auch noch das analoge Schlagzeug gespielt wird, so richtig mit Vierteln, Achteln, Sechzehntel und diversen Triolen (phrasiert und synkopiert, damit die Jazzpolizei was zum mit- und auszählen hat), wenn der Joystick ein Schlagzeugsolo durch den quadrophonischen Raum schleudert, wenn sich am Ende der Protagonist eine große Kuhglocke über den Kopf stülpt und der Arme darunter verharren muss, bis das Almrauschen im Saal verklungen ist, wenn noch dazu das gesamte Konzert durch das Digitale Bad1 gezogen und in das Auditorium emittiert wird, ist das dann experimentell oder ironisch? Beides, denn das eine schließt das andere nicht aus, und Jazzmusik war auch dabei!
Denn Jazz ist auch Synonym und Metapher für Experiment und Ironie.
Das Experiment steht am Anfang eines jeden kreativen Prozesses. Ohne das Entdecken, Versuchen, Erfinden und Probieren hätten wir überhaupt keine Musik, und ohne Ironie, ohne Selbstironie, ohne Rezeption der Ironie des Lebens, der Geschichte und des Schicksals würden wir die Kunst in der Musik auch nicht finden.

Den Duktus und die Phrasierung habe ich vom Jazz geliehen, oder sie sind mir erhalten geblieben, auch das Konzertante und Performative mögen noch daran erinnern, jedoch setzen digitale Apparate, Telekommunikation, Social Media, Smart Home oder Smart Stage neue Vorzeichen in unsere
(Alltags)-Partituren. Diese Transposition erfordert von uns wiederum Experiment und Ironie sowie die Arbeit an der klanglichen Erweiterung unseres Instrumentariums und die Erforschung und Transformation medienimmanenter Musikpotenziale. Ist das dann Elektronische oder Neue Musik?
Beides, denn das eine schließt das andere nicht aus, und Jazzmusik ist auch dabei!

Josef Klammer
* 1958 in Lienz, freischaffender Musiker und Medienmusiker, klammer.mur.at 

(1) Josef Klammer, ADA – Analog Drumming, Ausstellungskatalog, 1995 Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Hg.) 

 

Ein Augenblick Brücke 

Fotoserie nach einer Idee von Stefanie Grüssl. 

„Überbrückung“ 2017 

Nina Rike Springer
* 1976 in Klagenfurt, lebt und arbeitet in Wien. Künstlerische Ausbildung u.a. an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Stipendiatin 2018 der ZF Kunststiftung in Friedrichshafen am Bodensee. Am 6. Dezember zeigt Nina Springer im Rahmen der „Blickle Archive Series“ verschiedene performative Animationen im 21er Haus in Wien. www.ninaspringer.com 

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