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Kärntens künstlerisches Minimundus

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Kärntens künstlerisches Minimundus

geschrieben am 28.03.2018 13:27

Die Welt zu Gast im Stadttheater. Eine mehrstimmige Bestandsaufnahme vor und hinter den Kulissen. 


Die feinste Aufgabe des Theaters ist es, Denkräume zu schaffen. Räume in denen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konflikten abseits von Zwängen des Alltags, Abhängigkeiten und politischen Machtverhältnissen möglich und erwünscht ist. Multikulturalität als Überbegriff für Migration, Flucht, Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt wird in Österreich meist nicht als Bereicherung, sondern als Problem diskutiert. Und hier tritt das Theater in Kärnten in seiner Vielfalt auf den Plan.

Während der Umgang mit geflüchteten Menschen und deren erschütternden Lebensgeschichten von der Off-Theater- Szene bearbeitet wird, lädt das Klagenfurter Stadttheater in seinen jährlichen Großproduktionen Regisseur*innen und Künstler*innen aus aller Welt ins Haus und sorgt damit für internationalen Flair in der oft proklamierten Provinz. Während in Produktionen der Off-Szene, wie zum Beispiel in jenen des Theaters Wolkenflug und den Stücken des Klagenfurter Ensembles, auch Flüchtlinge neben Profis auf die Bühne treten, um dem Publikum das Kennenlernen ihrer Lebensperspektive auf hohem künstlerischen Niveau zu ermöglichen, werden ins Stadttheater Klagenfurt internationale Stars, wie zum Beispiel die amerikanische Regisseurin Baayork Lee, eingeladen. Die Vertreterin der asiatischen Community in den USA kämpft dafür, dass junge Künstlerinnen und Tänzer mit asiatischem Background am amerikanischen Showbusiness teilnehmen können. Die kulturell diverse Besetzung des Ensembles in der Klagenfurter Produktion „A Chorus Line“ spiegelte diese Haltung von Baayork Lee wieder. 

Diese gelebte Multikulturalität könne das Stadttheater generell vorweisen, so der Primus des Hauses, Florian Scholz. Kulturelle Vielfalt sei im Haus längst Normalität. Nicht nur die Opernproduktionen brächten die Besten ihrer Zunft aus aller Welt im Klagenfurter Stadttheater zusammen. Aber es sei vor allem der Zauber des Musiktheaters, der in jeder Produktion – meist auf Italienisch – für das Publikum immer neue Welten schaffen würde. Dabei spiele die Herkunft der Protagonistinnen und Helden keine Rolle. In diesem künstlerischen Minimundus Kärntens arbeiten Menschen aus ganz Europa, Russland, Asien, Israel und sogar aus Südamerika. Die Mitarbeiter sind selbstverständlich mehrsprachig und ihr gemeinsamer Nenner sind die Musik und der Gesang. In diesem Sinne landete das Stadttheater auch mit dem Gastspiel des SNG Opera in balet Ljubljana, das zum Jahreswechsel mit Schwanensee gastierte, einen Publikumserfolg. 

Schwieriger werde es im Schauspiel, so der Intendant. Hier könne Sprache ausgrenzend wirken, die Produktionen in deutscher Sprache werden in Kärnten vom Gros des Publikums verstanden und sind daher die Regel. Neue Wege beschritt das Landestheater mit einer Produktion, die auch in die Alpen-Adria-Region wirken soll. Mit dem Luther-Stück „Hier stehe ich – ich kann nicht anders“ nahm Cesare Lievi das Regiezepter in die Hand. Gespielt wurde auf Deutsch und Italienisch. Diese Zweisprachigkeit macht es möglich, dass die Produktion auch in Rom, Bologna, Modena und Cesena aufgeführt werden kann. 

Die historisch gewachsene Zweisprachigkeit und Bikulturalität Kärntens sorgt bis heute für Aufregung. Obwohl die slowenische Minderheit in Kärnten, als Urbevölkerung des Landes, eigentlich ganz selbstverständlich in allen öffentlichen Institutionen sprachlich verankert sein sollte, wird auch im Stadttheater in der Regel nur einmal im Jahr in slowenischer Sprache gespielt. Alljährlich lädt der Christliche Kulturverband/Krščanska kulturna zveza (KKZ) am 8. Dezember zu einer slowenischen Produktion ins Stadttheater nach Klagenfurt/ Celovec ein. Das Haus ist voll, es kommen vor allem Kärntner Sloweninnen und Kärntner Slowenen, um in ihrem Landestheater ein Stück in ihrer Muttersprache zu genießen. Es bleibt dabei, zwei Landessprachen existieren meist nur nebeneinander. Die eine, die zur Kleinen gemachte, ist nun vom Verschwinden bedroht. Peter Turrini, Schriftsteller mit italienischem Migrationshintergrund, zeichnet verantwortlich dafür, dass im großen Saal eine Produktion des Theatermagiers Marjan Sticker gezeigt wurde. Turrini erkannte im Theatersaal des Pfarrhofes in St. Jakob/Šentjakob, dass der Kärntner Slowene Marjan Sticker mit seinem Teatr Trotamora (Theater Albtraum) Produktionen auf höchstem europäischem Niveau abliefert. Turrini ließ nicht locker, bis er die Verantwortlichen im Stadttheater dafür gewann, die Produktion einzuladen. Was folgte war einer jener raren Momente, in denen hochqualitativer Kunst in der slowenischen Volksgruppe genüge getan wurde. Stickers Opus Magnus „Zala“, geschrieben von der Schriftstellerin mit jenischen Wurzeln, Simone Schönnett, und dem Autor Harald Schwinger, behandelt in eindrucksvoller Bildgewalt und mit großer Sensibilität die Wurzeln des Niederganges der Sprache und Kultur der slowenischen Minderheit in Kärnten. Turrini wiederum kehrte kürzlich ins Stadttheater zurück, um den Kulturpreis des Landes Kärnten in Empfang zu nehmen und er nutzte die Bühne, um sich wieder einmal in Solidarität zu üben. Diesmal mit den Schwächsten, jenen, die ihre Heimat verlassen müssen und zu uns kommen, um ihr Leben zu retten. Er widmete ihnen den Preis mit dem Wunsch, man möge diesen Menschen mit Respekt begegnen und ihnen ihre Würde lassen.

Das Stadttheater Klagenfurt bietet die Bühne für Auftritte wie diesen und kommt somit einer weiteren feinen Aufgabe nach: Theater soll Unterdrückung, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Neid die Stirn bieten und soll Gerechtigkeit und Gleichberechtigung befördern. Vorhang auf! 

Sabina Zwitter Grilc 
* 1967 in Villach, seit 29 Jahren Journalistin beim
interkulturellen Magazin des ORF, Heimat-Fremde-
Heimat und Filmemacherin. Ihr Film „Schatten der
Scham“ behandelt die Weitergabe von NS-Traumata
in Opferfamilien. 

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