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Vom Kopf zur Hand

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Vom Kopf zur Hand

geschrieben am 01.02.2018 11:07

Der Zeichner unerlöst als lyrisch verzopfter Idiot, wie wunderbar? Reimo Wukounig.


„Das Zeichnen ist für mich die unmittelbarste, wesentlichste und persönlichste Ausdrucksform – Sprache“. So charakterisiert der Künstler Reimo Wukounig selber eine markante Querverbindung zwischen den Zeichnungen aus seinem Zyklus „Vom Kopf zur Hand“, den er im Jahr 2005 im Robert-Musil-Literatur-Museum in Klagenfurt vorgestellt hat, und dem Feld der Literatur: „Der Zeichner unerlöst als lyrisch verzopfter Idiot, wie wunderbar?“, notierte Wukounig damals. „Was den Spiritisten das Medium“, so der renommierte Schriftsteller Julian Schutting, der Gert-Jonke-Preisträger des Jahres 2015, „das ist ihm die Hand – dem Nachtseitigen in uns allen sucht er sich wie in dem von ihm als eine Quelle der Inspiration gepriesenen DÜNNEN SCHLAF aufzutun“. Der Anlass für die erwähnte Ausstellung war damals der 90. Geburtstag der Schriftstellerin Christine Lavant, die Ausstellung eine Hommage an die Dichterin. Lavants lyrische Äußerungen stellen für Wukounig, gleichsam als ANGRIFF DER STILLE AUF DEN LÄRM, „tägliche, überlebenswichtige Nahrung“ dar.

Die enge Beziehung Reimo Wukounigs zur Literatur steht aber wohl auch in Zusammenhang mit dem Einfluss des Frühwerks von Oskar Kokoschka auf die Arbeiten des Künstlers. Und es kommt nicht von ungefähr, dass er jener Ausstellung, die im Herbst des vergangenen Jahres an der Universität für angewandte Kunst in Wien – im Heiligenkreuzerhof – stattgefunden hat, den folgenden Titel gegeben hat: „Le code noir – oder Das Gedächtnis der Löschwiege“. Der Titel bezieht sich auf das geeignete Trocknen von Tinte und unterstreicht das eingangs Gesagte. Der Angewandten, so die Kurzbezeichnung der Universität, ist Wukounig bereits seit der Mitte der siebziger Jahre verbunden. Doch der Reihe nach.

Zögling Nr. 33. Aufgewachsen ist Reimo Wukounig in St. Kanzian am Klopeiner See. Der frühe Tod des Vaters und eine daraus resultierende Krankheit der Mutter führten dazu, dass Wukounig ab dem Alter von acht Jahren zuerst, als „Zögling Nr. 33“ in der Erziehungsanstalt Harbach- Limmersach bei Klagenfurt und später im Landesjugendheim „Rosental“ in Görtschach bei Ferlach aufwuchs. Der Künstler Reimo Wukounig hat sich später immer wieder künstlerisch mit jener Zeit, die in den genannten Anstalten von Missbrauch und Prügel bestimmt war, auseinandergesetzt. 1976 wurde er als Künstler zur 37. Kunstbiennale in Venedig eingeladen und schaffte dort mit einem sechzehnteiligen Zöglingszyklus unter dem Titel „Einatmen – Ausatmen“ den internationalen Durchbruch. 2006 zeigte er, im Rahmen der Ausstellung „Das Harbachprojekt“, die als Teil des kärntenweiten Kunstprojekts SOLYSOMBRA stattfand, eine Installation im Gebäudekomplex des ehemaligen Heimes. „Gerettet hat mich immer die Kunst“, sagte Wukounig im Jahr 2012 in einem Interview mit der Kleinen Zeitung.

Furor. In Görtschach war Wukounigs künstlerisches Talent bereits erkannt worden. Von 1962 bis 1967 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Sergius Pauser. Wukounig wirkte von 1974 bis 1979 als Assistenzprofessor an der Angewandten, später an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt. Bereits im Jahr 1969 waren Arbeiten von Wukounig in der Wiener Secession am Karlsplatz zu sehen. Die Secession widmete Wukounig im Jahr 1983 auch eine große Personale, desgleichen im Jahr 1991 die Albertina in Wien. In Kärnten sind Arbeiten des Künstlers immer wieder im Museum Moderner Kunst Kärnten, im Künstlerhaus Klagenfurt und in der Galerie Walker, von der er auch vertreten wird, zu sehen. 2015 teilte sich Wukounig den Raum der Galerie Grünspan in Feffernitz mit dem Künstler Alois Köchl für eine Ausstellung mit dem Titel „Furor. Der leidenschaftliche Zorn und die Kunst“. Eines steht fest: die leidenschaftlichen Geistesblitze Wukounigs, der am 5. März 2018 seinen 75. Geburtstag feiert, bringen die Kunstwelt hell zum Leuchten!

Heimo Strempfl
Germanist, Leiter des Robert-Musil-Literatur-Museums
der Landeshauptstadt Klagenfurt.

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