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Who ... is Lili?

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Who ... is Lili?

geschrieben am 28.03.2018 13:27

Model | Modell | Modelliermasse


Neulich bekam ich den Auftrag, die aus Kärnten stammende und heute in Wien lebende Künstlerin Judith Lava zu portraitieren ... und außerdem folgende Information: Am Anfang schuf Gott Adam, und gab ihm ein Weib, dessen Name war Lilith. Weil es Lilith mit Adam langweilig wurde, vögelte sie einen Dämon und gebar 100 Kinder. Deshalb wurde Gott zornig, und so tötete er diese Kinder. Außerdem schenkte er, um Adams Eheleben zu harmonisieren, diesem die Eva, denn die war häuslicher als Lilith. Bei Lilith knallten daraufhin die Sicherungen durch, und sie begann, wahllos, die Kinder anderer Leute aufzuessen. Ganz frei nach dem Motto: „Je grösser das Arschloch, das einem auf den Kopf scheißt, umso radikaler die Gegenkultur, die es sich damit einhandelt.“ Aufgrund all dieser Ereignisse ging Lilith dann als die allererste Schlampe in die religiöse Mythologie ein. 

Die ursprünglich eher negative Besetzung des Schlampenbegriffes hielt sich vor allem in konservativeren Kreisen ohne viel Wackelei, und es bedurfte einiger feministischer Arbeit, um den Begriff von seiner negativen Konnotation zu befreien.Während innerhalb der Populärkultur der 80er Jahre Künstlerinnen wie Madonna mit kapitalistischer Methodik für Karrierefreiheit und strukturelle Selbstermächtigung durch ein entsprechendes Frauenbild sorgen, reagieren ab Anfang der 90er Anhängerinnen der Riot Grrrls mit einer subkulturell angesetzten radikal- musikalischen Kommunikationskur auf männliches Dominanzgehabe. Autorinnen wie Dossie Easton und Janet Hardy, die mit ihrem Buch, "The Ethical Slut" vor allem innerhalb der polyamoren Bewegung wirken, nehmen der Abschätzigkeit den Wind aus den Segeln und ersetzen diese, unter Zuhilfenahme sozial- und psychotherapeutischer Techniken, durch moralische Integrität und ein positives stabiles Selbstbild, Selbstwertschätzung und Widerstandsfähigkeit gegen Shaming von außen. 

Nun, was hat Judith Lava damit zu tun? Viel.

Wenn diese nicht gerade für die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist durch Europa fliegt, arbeitet sie an Lili, ihrer kleinen Figur aus Modelliermasse, die sie – mal animiert, mal als statische Momentaufnahme – in Szene setzt.

Und was macht Lili?

Beispielsweise in die Ukraine reisen, um dort „crowned with braveness“ ein feministisches Separatistinnenkollektiv zu unterstützen ...
... oder Kinder gebären, obwohl sie Kinder hasst.
... oder einen Faschisten sexuell verführen und ihn dadurch kopflos machen. Lili ist Lili, in ihrer Welt frei von jeglichen moralischen, sexistischen, politisch- korrekten oder gesellschaftlichen Restriktionen. Sie macht was sie will und wonach sie sich fühlt. Lili steht zu ihrer Weiblichkeit und Sexualität, ist selbstbewusst, temperamentvoll und begibt sich ohne Angst in alle Facetten ihres Seins. 

David Hebenstreit 
* 1978 in Wien, aufgewachsen in Kärnten. Komponist und Produzent von Musik u.a. für Kinofilme sowie Fernsehproduktionen; darstellender Künstler; Musikinterpret in verschiedenen Bandformationen; zahlreiche Veröffentlichungen; schreibt gerne und arbeitet am liebsten mit Sir Tralala. 

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