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100 Jahre Stadttheater

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100 Jahre Stadttheater

geschrieben am 02.09.2010 15:45

Geschichten und emotionale Reibungspunkte dürfen zum großen Jubiläum ebenso wenig fehlen wie eine Vorschau auf die kommende Saison, Einblicke in die Weltpremiere und Seitenblicke zu anderen Theaterwelten wie jenen von VADA oder AKS. Lesen Sie dazu mehr in der September-Ausgabe.

Im September 2010 feiert das Stadttheater Klagenfurt – die wichtigste und bedeutendste Kärntner Kultureinrichtung – seinen 100. Geburtstag. Mit einem Theaterfest für die Bevölkerung und mit der Uraufführung der Oper Koukourgi von Luigi Cherubini in einer Galavorstellung wird dieses Ereignis gebührend gewürdigt werden. Die Zentenarfeier gibt aber auch Anlass, einen Blick zurück auf die wechselvolle Geschichte dieser traditionsreichen Stätte der Kultur zu werfen.

Das neue, repräsentative Theatergebäude, das am 22. September 1910 in Klagenfurt nach zweijähriger Bauzeit mit Beethovens Weihe des Hauses und Schillers Drama Wilhelm Tell feierlich eröffnet wurde, hatte einige – weitaus bescheidenere – Vorläuferbauten. Schon am Beginn des 17. Jahrhunderts diente ein Ballhaus den gesellschaftlichen Vergnügungen der adeligen Landstände mit Reigen- und Ballspiel. Später fanden dort auch Gastspiele italienischer Wandertruppen und deutscher Komödianten statt, das Ballhaus wurde zur Belustigungsstätte für weitere Kreise der Bevölkerung. Es wurde im frühen 18. Jahrhundert in ein Comoedien-Haus mit kleinem Parterre und drei Galerien umgebaut und im Laufe der Zeit mehrmals renoviert. Seit dem Jahr 1780 wurden Neubauprojekte erwogen, deren Realisierung jedoch stets am Geldmangel scheiterte. So behalf man sich mit den nötigsten Renovierungen des großteils aus Holz errichteten Hauses. Erst 1810/11 konnten die Kärntner Landstände einen Neubau, das ständische Theater, errichten. Wie seine Vorgänger war es nördlich der Theatergasse etwa an der Ecke zur Ursulinengasse gelegen, umfasste ein dreistöckiges Oval von Logen sowie ein Parkett mit Stehparterre und bot 500 bis 600 Personen Platz. Pläne von 1858/59 für einen attraktiveren Theaterneubau nahe dem heutigen Benediktinerplatz wurden durch die Kriege von 1859 und 1866 zunichte gemacht. Bis zum Jahr 1868 waren die Kärntner Landstände die Betreiber des Theaters, mit ihnen wurden die Verträge geschlossen, sie wachten über das künstlerische Niveau der Aufführungen und das moralische Wohlverhalten der Schauspieler.

Adelsfamilien.
Besondere Freunde und Gönner des Theaters und der italienischen Oper waren die Kärntner Adelsfamilien Goëss und Orsini-Rosenberg. 1868 ging das landständische Theater in das Eigentum der Stadtgemeinde Klagenfurt über und wurde so zum „Klagenfurter Stadttheater“. Das Äußere dieses Theaters war allerdings nicht sehr ansprechend, es ähnelte eher einem ländlichen Wirtschaftsgebäude. Der östliche Logentrakt war auch tatsächlich auf den Stallungen und Heukammern des angrenzenden Gasthofes Zum Schwaben aufgebaut. Zudem wurde der bauliche Zustand im Laufe der Jahre so bedenklich, dass die Schließung des Gebäudes drohte. Erst unter dem Eindruck des Wiener Ringtheaterbrandes Ende 1881 kam es zu durchgreifenden Verbesserungen und Sicherheitsmaßnahmen. Der Plan zu einem längst fälligen Theaterneubau aber konnte erst anlässlich des 60-Jahr-Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef I. im Jahr 1908 realisiert werden, als im Sinne des Monarchen vor allem soziale und kulturelle Einrichtungen zur Erinnerung an seinen Ehrentag initiiert wurden. Nach Plänen der bekannten und in der ganzen Monarchie tätigen Wiener Theaterbaufirma Fellner und Helmer wurde in den Jahren 1908 bis 1910 das Kaiser Franz Josef I. Jubiläumstheater erbaut. Es war der 49. Theaterbau dieses renommierten Architekturbüros; der dem Klagenfurter Theaterkomitee vorgelegte Entwurf war ursprünglich für die Stadt Esseg (Osijek, Kroatien) bestimmt und bereits in Gießen ausgeführt worden. Als Baumeister wurde von der Stadtgemeinde der Klagenfurter Architekt Georg Horčička bestellt.

Deutsche Klassiker.
Am 23. März 1910 fand im alten Theater die letzte Aufführung mit Goethes Schauspiel Iphigenie auf Tauris statt, bald darauf wurde das traditionserfüllte Haus samt der SchwabenwirtRealität abgerissen. Nicht weit davon entfernt ging der Theaterneubau bereits seiner Vollendung entgegen. Er wurde im Stil des späten Historismus mit deutlicher Annäherung an den Jugend- und Sezessionsstil ausgeführt und bot rund 1000 Besuchern Platz. Für die weitere Entwicklung waren die Erwartungen groß und es oblag den jeweiligen Direktoren des Hauses, sie bestmöglich zu erfüllen. Von Carl Richter, dem ersten Direktor des neuen Hauses, bis zur gegenwärtigen Intendanz von Josef Köpplinger zählt man insgesamt 15 Direktionen (zwischen 1785 und 1910 waren es 50!). Jede davon, ob sie nun kurz oder über viele Jahre währte, drückte dem Stadttheater Klagenfurt, das seit jeher ein Mehrspartentheater ist, in Erfüllung der kulturellen Verpflichtung ihren ganz persönlichen Stempel auf. Nur zu oft aber trübten und erschwerten finanzielle Probleme den Spielbetrieb, drohten wegen ausbleibender Subventionen Erhöhung der Eintrittspreise und Verminderung des künstlerischen Personals, damit verbunden der Niedergang des Niveaus der Aufführungen. Trotz aller Schwierigkeiten erkämpften sich die jeweiligen verantwortlichen Direktoren mit viel Geschick fast immer allgemeine Anerkennung für ihr künstlerisches Bemühen. So wurde z. B. in der Spielzeit 1911/12 der gesamte Ringzyklus von Richard Wagner in das Programm aufgenommen, was seither nur einmal während der Intendanz von Otto Hans Böhm in den 60er Jahren gelungen ist. Immer wieder erfolgten Uraufführungen und Erstaufführungen von Opern-, Operetten- (später Musical-) oder Schauspielneuheiten, wurden berühmte Gäste vom Burgtheater oder den Opernhäusern in Wien oder auch ganze Ensembles zu Gastspielen verpflichtet.

„Totentanz“ und Lichtspiele.
Seit 1914 (bis 1962) gab es auch Kinovorstellungen im Theater, deren Erträge den Theaterbetrieb auf eine gesicherte finanzielle Grundlage stellen sollten. Während des Ersten Weltkrieges waren die Theatersaisonen eingeschränkt, das Programm vielfach auf die Zeitverhältnisse zugeschnitten. In den Jahren der Weltwirtschaftskrise konnte der Theaterbetrieb nur noch mit Mühe aufrecht erhalten werden, zwischen 1931 und 1938 wurde er ganz eingestellt. Als letzte Vorstellung der Spielzeit 1930/31 stand übrigens Strindbergs Totentanz auf dem Programm! In der Folgezeit wurde aus dem Theater ein gewinnbringender Kinobetrieb, ab und zu gab es qualitätvolle Gastspiele. Nach dem März 1938 hieß das Stadttheater Kärntner Grenzlandtheater, bekam 1939/40 die zweitgrößte Drehbühne Deutschlands eingebaut und verlor den Mittelgang und das beliebte Stehparterre. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Theater zum einzigen Kulturfaktor, der noch verblieben war – bis es wegen der Luftangriffe auf Klagenfurt am 1. September 1944 geschlossen werden musste. Von 1945 bis 1947 war das Stadttheater als ENSA Theatre Klagenfurt in englischer Hand. Klagenfurt hatte kein Theater mehr, das zurückgekehrte Ensemble war heimatlos geworden.

„Not- und Arbeitsgemeinschaft“.
Es war der bewundernswerten Initiative von Oberspielleiter Theo Knapp und Kapellmeister Theo Haslinger zu verdanken, dass bald wieder musikalische Aufführungen im Theater stattfinden konnten, und zwar vorerst für die britischen Besatzer, später auch für das Klagenfurter Publikum. Für das Schauspiel konnte im „Vereinsheim“ in der Sponheimerstraße (heute ORF-Gebäude) von November 1946 bis zum Sommer 1948 eine behelfsmäßige Bühne eingerichtet werden, als Basis für die Aufrechterhaltung des Betriebes wurde von Theo Knapp die Not- und Arbeitsgemeinschaft der darstellenden und musizierenden Künstler gegründet. 1947 konnte die Stadt Klagenfurt das Stadttheater samt Schauspielhaus wieder in Eigenregie als „Städtische Bühnen Klagenfurt“ übernehmen, mit 1. August 1948 erfolgte die rechtliche Rückgabe des Stadttheaters durch die britischen Besatzer. Um den Fortbestand des Theaters zu gewährleisten, wurde es ab 1950 durch die Stadt Klagenfurt und das Land Kärnten mit einem Gemeinsamen Theaterausschuss geführt und finanziert – damit begann eine neue Ära für das Stadttheater, das sich während der Direktionen von Theo Knapp, Fritz Klingenbeck und Philipp Zeska in den 50er Jahren verheißungsvoll entwickelte. Ein ständiger Theaterreferent wirkte als Vertreter des Ausschusses nach außen. Seit 1953 war diese Stelle mit Hofrat Dr. Othmar Rudan (1900–1985) besetzt. Er war nicht nur eine herausragende Persönlichkeit des geistigen und kulturellen Kärnten, sondern hat sich auch als Autor mehrerer Werke zur Geschichte des Stadttheaters Klagenfurt einen Namen gemacht. Wer immer sich mit dessen Historie beschäftigen will, wird auf Rudans verdienstvolle Publikationen1) oder seinen wissenschaftlichen Nachlass im Kärntner Landesarchiv zurückgreifen.

„Die Theatermacher“.
Der folgende Zeitabschnitt war geprägt durch drei große, ja großartige Theatermacher und durch zwei notwendig gewordene Umbauphasen (1961–1963 und 1996–1998), die das Stadttheater zu einer renommierten Bühne und zu dem architektonischen Schmuckstück gemacht haben, das sich dem Theaterfreund heute präsentiert. Die in vieler Hinsicht herausragenden Intendanzen von Otto Hans Böhm (1959/60–1967/68), Herbert Wochinz (1968/69–1991/92) und Dietmar Pflegerl (1992/93–2006/2007) sind im Gedächtnis der meisten Klagenfurter Theaterliebhaber noch präsent. Jede einzelne dieser Direktionen war für Klagenfurt in künstlerischer und kultureller Hinsicht ein Gewinn und hat ihre glühenden Anhänger, manchmal auch herben Kritiker gefunden, wie es beim Theater so üblich ist. Vor allem aber hat sich das Klagenfurter Stadttheater unter ihrer Ägide von einer österreichischen Provinzbühne zu einer auch international anerkannten Institution entwickelt.
Evelyne Webernig

1) Die wichtigsten seien hier angeführt: Helmar und Othmar Rudan, Das Stadttheater in Klagenfurt. Vorgeschichte und Entwicklung (Buchreihe des Landesmuseums für Kärnten Band 6), Klagenfurt 1960. – Othmar Rudan, Das alte Stadtheater in Klagenfurt 1868– 1910 (Aus Forschung und Kunst Band 1), Klagenfurt 1968. – Othmar Rudan, Das ständische Theater in Klagenfurt 1810–1868 (Aus Forschung und Kunst Band 18), Klagenfurt 1972. – Othmar Rudan, Die Klagenfurter Theaterära unter Intendant Prof. Otto Hans Böhm 1959–1968, in: Carinthia I 1979, 261–309.

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