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Architektur.Gestern

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Architektur.Gestern

geschrieben am 01.10.2008 10:26

Die Biennale in Venedig zwischen Kunst und Wohnraum. Weiters in der Bruecke: Ein Blick zur Baukunst der Antike und die architektonischen Probleme aus der Vergangenheit, die am Wörthersee gelöst werden sollen.

Out There – Architecture Beyond Building lautet das Thema der 11. Internationalen Architekturbiennale, die noch bis 23. November in Venedig stattfindet. Die diesjährige Schau zeigt neben Stararchitekten und deren altbekannte Prestigeprojekte auch zahlreiche Konzepte und Ansätze für eine Architektur von morgen, die sich ihrer sozialen, ökologischen und energetischen Verantwortung bewusst ist. So geht es entgegen dem Generalthema Architektur jenseits des Bauen des diesjährigen Biennale-Chefs aus den USA Aaron Betsky doch auch um Gebäude.

Bettina Götz, die Kuratorin des österreichischen Beitrags, greift unter dem Titel Vor der Architektur drei Positionen heraus, denen eine konzeptionelle Herangehensweise gemein ist: Josef Lackner zufolge bestimmen Ideen unser Handeln (und die Architektur) – sollten diese fehlen, sei es die beste Idee nicht zu bauen. PAUHOF architekten entwickeln über das Gebaute hinaus Stadtszenarien und –modelle. Die dritte Position thematisiert das Wohnen: Der Architekturtheoretiker Werner Sewing hat mit sieben österreichischen Architekten über zeitgemäße Lebensformen gesprochen. So behauptet Gerhard Steixner, dass sich die Ansprüche ans Wohnen in den vergangenen Jahren kaum geändert hätten und wer es sich leisten kann, großzügig und im Grünen wohne. Roger Riewe hingegen bemerkt eine Zunahme der Urbanisierung und einen „rural exodus“. In diesem Zusammenhang fordert sein Partner Florian Riegler von Wohnbauunternehmen, die das Ideal der Gartenstadt vor Augen hätten, mehr Vielfalt im Angebot. Auch Dieter Henke und Marta Schreieck sehen den Bedarf nach mehr Flexibilität und planen Räume großzügiger, da Wohnungen zusehends kleiner werden. Für Christian Jabornegg bestimmen Helligkeit und flexible Nutzung durch mehrere Möglichkeiten der Erschließung die Wohnqualität. Wie einst in den Gründerzeitvillen nach Loosschem Raumplan würden nunmehr auch Wohnungen mit Räumen unterschiedlicher Höhe und Qualität gebaut. Zur Vertiefung des Themas findet am 3. und 4. Oktober eine international besetzte Konferenz im Österreich Pavillon statt, bei der u. a. Christian Kerez, Pierre Hebbelinck und Ellis Woodman über Wohnbau als Anlass diskutieren.

Auch im italienischen Pavillon beschäftigt die elementare Frage in der Architektur: Die Ausstellung Italia cerca casa/Housing Italy spannt einen zeitlichen Bogen vom sozialen Wohnbau der 1930er Jahre bis zur Forderung nach leistbarem Wohnen für jede(n) Einzelne( n) im 21. Jahrhundert und präsentiert Projekte junger italienischer Architekturbüros. Mit menschlichen Bedürfnissen setzt sich die Installation im tschechisch- slowakischen Pavillon durchaus appetitanregend auseinander: Kühlschränke gefüllt mit unterschiedlichen Lebensmitteln repräsentieren die persönlichen Gewohnheiten und Vorlieben der jeweiligen Nutzer – eine Metapher für individuelle Wohnwünsche, die in standardisierten Lebensräumen nicht erfüllt werden. Der deutsche Pavillon zeigt anhand überdimensionaler Mobiles das Ungleichgewicht von Industrie- und Entwicklungsländern, zwischen der Vorstellung vom Paradies und Naturkatastrophen. Ein, im wahrsten Wortsinn, Highlight: Im Foyer rückt eine Installation von Strahlern mit einer Leistung von 64 kW die Energieverschwendung unserer Gesellschaft ins Licht.
Ökologisches Bewusstsein beweisen zwei Wiener Architekturstudenten, die vor den Toren der Giardini ein Niedrigenergiehaus aus Euro-Paletten errichtet haben. Mit diesem als Badehaus konzipierten Gebäude haben Andreas Claus Schnetzer und Gregor Pils den europaweiten Studentenwettbewerb GAU:DI gewonnen. Für den Zeitraum der Biennale sind darin die neun Siegerprojekte ausgestellt, danach könnte es als Flüchtlingscamp im Sudan oder als low-cost building in den Slums von Kairo wieder aufgebaut werden.
Projekte wie diese zeigen, dass es für Architekturschaffende wichtige Problemstellungen jenseits des Gebauten zu lösen gilt. Astrid Meyer

„Out There: Architecture Beyond Building“
Architekturbiennale Venedig, Hauptschauplatz sind
die Giardini. Geöffnet bis 23. November
täglich 10–18 Uhr. www.labiennale.org
3. und 4. Oktober: Internationale Konferenz im
Österreich Pavillon über Wohnbau

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