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Aufbruch in die Provinz

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Aufbruch in die Provinz

geschrieben am 02.12.2008 10:22

Was passierte in den 68er Jahren in Kärnten? Der Fokus richtete sich zu jener Zeit auf andere Kontinente und man blickte neidvoll zu jenen Metropolen, die für das 68er Gefühl standen. Doch auch Hippies und Gammler hatten den Weg in die Provinz gefunden.

Die (wilden) 68er – wem sollte das kein Begriff sein? Hippies, Drogen, Sex, Rock ’n’ Roll, Studentenrevolten, Flower Power, London, San Francisco, Paris, Indien, Räucherstäbchen, Dylan, Beatles, Stones.
Allerdings: kaum jemand würde die 68er mit Kärnten in Verbindung bringen. Das war genau die Frage, die immer irgendwie im Raum stand. Ist 68 in Kärnten überhaupt etwas passiert?, stellt Werner Koroschitz zur Diskussion. Der Villacher Historiker (Verein Industriekultur und Alltagsgeschichte) hat sich im Rahmen des heurigen Villacher Jugendjahres „JugendLebtStadt“ genau dieser Thematik angenommen und Unmengen an Material zur Großaus - stellung „My Generation 1968 – 2008: Aufbruch in der Provinz?“ zusammengetragen. Ich habe alle Kärntner Medien, die zwischen 1965 und 1972 erschienen sind, auf spezielle Berichterstattung zum Thema 68 abgeklopft, sagt Koroschitz. Das Ergebnis: Schlagzeilen und Berichte allerorts – teils wohlwollend, teils schroff ablehnend. Wobei Letzteres tendenziell überwiegt. Von Roten Gammlern an Hochschulen ist da die Rede beziehungs - weise Schreibe, von „Hasch und Pop“, „drohender Anarchie“, von „Todesursache: Rock ’n’ Roll“. Häufig dokumentieren Kärntens Presseerzeugnisse dieser Zeit die beklemmende geistige Enge des Lebens in der Provinz, sagt Koroschitz. Bestes Beispiel dafür ist ein „applaudierender“ Bericht in der KTZ (erschienen 1968), über vier Burschen, die am Klagenfurter Bahnhof einem Langhaarigen gewaltsam die Haare abgeschnitten haben.
Natürlich hat Koroschitz auch „Betroffene“ selbst mit einem Gegenstand dieser Zeit vor die Maurer-Kamera bzw. vor das Mikrofon gebeten, die über ihre Erlebnisse in der Provinz berichten: Ich maturierte 1967 im Perau-Gymnasium in Villach. Einmal habe ich in die Schule einen Kugelschreiber mit einer Abbildung der Beatles mitgenommen. Als der Professor den Schreibstift auf meiner Bank liegen sah, ist er total ausgeflippt. Ich trug auch etwas längere Haare, damals wurden die Langhaarigen in der Schule noch pauschal als Gammler abgestempelt, erzählt Helmut Friessner.
Koroschitz hat sich für die Ausstellung ein ungewöhnliches Areal ausgesucht. Die leer stehenden Räumlichkeiten des ersten Stock des „Interspars“ in der Ringmauergasse. Ausstellungsfläche: 1500 Quadratmeter. Wobei der historische Teil von „My Generation“ von Koroschitz selbst aufbereitet wurde. Zu sehen: Bild-Text-Elemente, historische Film- und Musikbeiträge, Zeitschriften, Filmplakate, Plattencover – viele davon zur damaligen Zeit der Zensur zum Opfer gefallen. Wie in vorangegangenen Projekten hat Koroschitz auch hier das Historische mit Aktuellem vermixt. Diesmal gibt es über 20 Beiträge – Malerei, Fotografie, Film, Objekte – von Jugendlichen, die teils sehr kritische Arbeiten zu gesellschaftlichen Entwicklungen zeigen. Es war keine Vorgabe, speziell etwas zu den 68ern zu machen. Dennoch sind sehr viele Parallelen zu erkennen, sagt Koroschitz. Guter Grund also, die beiden Ausstellungsteile nicht getrennt zu präsentieren, sondern ineinander ver - woben und vernetzt. Das ergibt eine schöne Komposition. Und natürlich gibt es auch viele „Schmankerln“, etwa wenn Freddy Quinn etwas zu den Langhaarigen zu sagen hat.
Harald Schwinger

"My Generation 1968 – 2008: Aufbruch in der Provinz?"
bis 13. Dezember

Villach, Ringmauergasse 9, Interspar
Mo bis Fr 10 - 19 Uhr; Sa 10 - 16 Uhr; Eintritt frei!


"19682008"

Künstlerhaus Klagenfurt
bis 15. Jänner 2009

Der Kunstverein Kärnten zeigt zum Jahr `68 unter dem Titel 19682008 viele Facetten dieses Jubiläums. Künstler, wie Günther Brus, Caroline, Valie Export, Timo Huber, das King-Kong-Kunstkabinett, Cornelius Kolig, Metka Kra#sovec, Peter Krawagna, Franz Ringel, Meina Schellander und Daniel Spoerri stellen Arbeiten aus beiden Zeitbereichen aus, wodurch sich eine besondere Form der Gegenüberstellung und interessanter Spannungsbogen ergibt. Weitere künstlerische und gesellschaftspolitische Aspekte werden in eigenen Veranstaltungen behandelt. Wie schon bei K08 betreut das Team BINGO auch diese Ausstellung kunstpädagogisch. Es wird auch wieder Bildungsarbeit mit Schulklassen durchgeführt.

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