Herzlich
Willkommen auf der
Kulturhomepage der Kärntner Landesregierung


Ihr Kulturreferent Landesrat DI Christian Benger
Veranstaltungstipps, Nachlese und Kulturnews aus ganz Kärnten.

Aufbruch nach 1945

« zurück

Beitrag teilen

Aufbruch nach 1945

geschrieben am 02.06.2008 15:10

Die Großausstellung „K08 :: Emanzipation und Konfrontation“, die an neun verschiedenen Standorten Kunst aus Kärnten nach 1945 präsentiert, ist Rückschau und Aufbruch zugleich. Mit der Juni-Ausgabe kann man jetzt schon gedanklich von Ort zu Ort reisen und sich einen ersten Eindruck über das ambitionierte Projekt verschaffen – hier ein erster Einblick.

Im Rahmen der Großausstellung K08 zeichnet das Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK) anhand zentraler Positionen aus Malerei, Grafik und Skulptur Kärntens Beitrag zur Moderne von 1945 bis zur Gegenwart nach. Den ersten Schwerpunkt der Schau bilden die Aufbruchsjahre.

Der II. Weltkrieg bedeutete nicht nur weit reichende soziale und wirtschaftliche Not, sondern hinterließ auch unter kulturhistorischem Blickpunkt – wie oft festgestellt – eine tiefe Zäsur. Die Jahre der Isolation hatten ein künstlerisches Vakuum bewirkt. Der Neuaufbruch der Kunst unmittelbar nach ’45 war daher von einer Orientierungssuche gekennzeichnet. Erste Anknüpfungspunkte fand man in der Malerei und Plastik der Zwischenkriegszeit, speziell Herbert Boeckl hatte in seiner Funktion als Rektor und Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien eine prägende Rolle inne, gleichzeitig wirkte auch der auf sein Betreiben aus dem Exil zurückgekehrte Fritz Wotruba maßgeblich. Bereits Anfang der 50er Jahre setzte sich jedoch eine Beschäftigung mit der Internationalen Moderne durch, die zu einer Redefinition von Moderne bzw. Konstruktion von Avantgarde führte und bis weit in die 60er Jahre andauerte. Ein wichtiges Moment der aufkeimenden Aufbruchsbestrebungen ist die Beschäftigung mit dem Menschenbild. Die meisten später abstrakt arbeitenden Künstler begannen anknüpfend an die klassische Thematik der menschlichen Figur. Interessant erscheint dabei, dass besonders im Medium Grafik experimentelle Analysen der menschlichen Gestalt vollzogen wurden, wobei das Gesehene in eine geometrisierende Gestaltungsform übersetzt wurde. Mit zeichnerischen Frühwerken von Kiki Kogelnik, Johann Fruhmann, Bruno Gironcoli und Blättern der Bildhauer Otto Eder wie Anton Marcolin wird der Beginn der Abstraktionstendenzen im Kontext des Figurativen dokumentiert. Wichtige Beispiele aus dem Bereich der Skulptur von Kiki Kogelnik, Otto Eder, Anton Marcolin und Othmar Jaindl stehen dazu im Dialog.

Unmittelbar an die Phase des Figurativen setzte – in Auseinandersetzung mit malerischen Errungenschaften aus Paris – dann auch in Österreich jene Strömung ein, die einen der zentralen Aspekte der Moderne und Avantgarde im 20. Jahrhundert darstellt: Die informelle Malerei, in deren Zentrum die unkontrollierte Geste als direkte Äußerung des Subjektiven steht. Die heute bereits legendäre Parisreise von Maria Lassnig und Arnulf Rainer gilt in dieser Hinsicht als Impuls gebend. Die beiden waren 1951 nach Paris gereist um André Breton, den Papst des Surrealismus, zu treffen und lernten dabei das französische Informel kennen. Von diesem beeinflusst entstanden die Zentralgestaltungen Rainers und informell- 16 Die Brücke 88 – Juni 08 S P U R E N . S U C H E gestische Arbeiten Lassnigs, die in der Ausstellung den Übergang zur Abstraktion markieren. Die gezeigten Blätter zählen zu den Hauptwerken des frühen Informel in Österreich und sind teils erstmals zu sehen. In diesem Kontext sind auch Arbeiten des jungen Wolfgang Hollegha und Kiki Kogelniks (aus der abstrakt- gestischen Werkphase) zu stellen, eine Schaffensperiode, die bis heute nur wenigen bekannt ist.

Wie man auch die Bedeutung der Parisreise der beiden Protagonisten des Informel beurteilen mag, wesentlich erscheint, dass die Orientierung nach außen und die Beschäftigung mit internationalen Überlegungen zu einer Avantgardebewegung in Österreich führte. Auch Hans Staudacher ist hier zu nennen. Er lieferte mit seinen Werken einen bedeutenden Beitrag zur Weiterführung des Informel. Seine lyrischmalerische Interpretation zählt zu den interessantesten Aspekten der gestischen Abstraktion. Seine „Spuren“ (monumentales Hauptwerk, 1950) sind in der Ausstellung zu sehen. Auffallend ist hier die Dominanz der Linie, die sich auch bei Johann Fruhmann als primäres Ausdrucksmittel präsentiert. Malerei und Grafik stehen in seinem Schaffen als gleichwertige Medien zueinander. Seine malerischen und grafischen Werke leiten in der Schau in ein neues Deziem, die 60er Jahre, die auch im Hinblick auf die Rezeption der Moderne und Avantgarde in Österreich wichtige Veränderungen mit sich brachten.

1961 eröffnete in Klagenfurt die Galerie Hildebrand, die der jungen Künstlerschaft eine wesentliche Plattform bot. So zeigte man dort u. a Plexiglasobjekte von Cornelius Kolig und frühe plastische Objekte Bruno Gironcolis, die auch jetzt im MMKK in einer räumlichen Kombination zu sehen sind. Hervorzuheben ist ebenso die Präsentation und Förderung des Werkes von Hans Bischoffshausen. Sein Weg führte von einer konstruktiven über eine informelle zu einer minimalistischen Auffassung der Malerei, die in Österreich als singulär zu betrachten ist. Bischoffshausen ging 1959 von Villach nach Paris und arbeitete 1959 bis 1972 in seinem dortigen Atelier im Umfeld der Zero-Bewegung rund um Lucio Fontana, mit dem er zudem im internationalen Rahmen ausstellte. Die Arbeiten der Pariser Phase sind durch strenge Reduktion und monochromatische Farbräume im Zusammenspiel mit haptischen Reizen gekennzeichnet. Mit diesen Werken erreicht er eine der wichtigsten Positionen im internationalen Rahmen. In der Ausstellung wird sein Schaffen daher als Überblick mit Schlüsselwerken aus der Pariser Zeit in einem eigenen Raum präsentiert.

Ende der 60er Jahre erfährt die Kunstszene eine weit reichende Veränderung. New York löst Paris als Kunstmetropole ab. Pop-Art und woman-power stellen nun signifikante Fragestellungen dar. Kiki Kogelnik und Maria Lassnig – beide für Jahre in New York ansässig – lieferten zu diesem Themenkreis herausragende Beiträge. Um das Motiv des Selbstporträts kreisend, wird dieser Gesichtspunkt mit dem monumentalen Gemälde Kogelniks aus 1979 „Look again“ und Blättern aus der „womans Lib-Serie“ aus 1970 in der Ausstellung nachgezeichnet.
Aufbruch ins nächste Jahrtausend. Die 80er Jahre wurden oft als Jahrzehnt der Malerei bezeichnet und auch in Kärnten kann von einer zunehmenden Präsenz der Malerei in diesem Zeitraum gesprochen werden. Die Ausstellung präsentiert dabei neben Kurt Kappa Kocherscheidt und Gustav Januπ mit Reimo Wukounig, Giselbert Hoke, Johann Julian Taupe, Wolfgang Walkensteiner oder Johanes Zechner über eine Generation hinweg die heterogenen Positionen der Malerei in Kärnten. Wolfgang Hollegha und Peter Krawagna haben in ihrem Werk eine charakteristische Landschaftsmalerei entwickelt, für die der Kunsthistoriker und frühere Direktor der Landesgalerie Arnulf Rohsmann den Begriff der „Naturabstraktion“ geprägt hat. Ausgangspunkt ist eine aus der Natur abgeleitete, reduktive Darstellungsweise, bei welcher die expressive Geste nicht mehr der Gegenstand der Darstellung, sondern lediglich eine Komponente des malerischen Vollzugs ist: die nähe zum gegenstand schwindet auch, je mehr die materialität der farbe hervorgekehrt wird.

Während den um 1970 oder später geborenen Künstlern eine verstärkte Hinwendung zur figurativen Malerei nicht abgesprochen werden kann, stellt die um ein Jahrzehnt ältere Künstlergeneration verstärkt die Malerei selbst in den Vordergrund. Neben neokonzeptionellen und geometrisch-konstruktiven Tendenzen etablierte sich auch eine Malerei, die sich von den „wilden Farbschlachten“ der 80er Jahre emanzipierte und zu Lösungen im Tafelbild aufbricht, die von einem formal strengeren Bildaufbau bis hin zu einem gestischeren Duktus reicht, wie diese im Museum u.a. von Franco Kappl und Richard Kaplenig gezeigt wird. Gerade Letztere sehen ihre Bezugspunkte weit weniger in der österreichischen Tradition als bei Malern wie Julian Schnabel, Jean-Michel Basquiat oder Albert Oehlen. Zuweilen auch in einer Verbindung mit grafischen Bildelementen werden dabei einmal mehr das Material selbst und die malereiimmanenten Themen in den Mittelpunkt einer räumlichillusionistischen Abstraktion gestellt.

Eine besondere Stellung zwischen Objekt und gegenständlicher Malerei nimmt die Arbeit von Heiko Bressnik ein. Er thematisiert nicht die Objekthaftigkeit der Leinwand im Sinne eines in den Raum hineinmutierenden Tafelbildes, sondern die des Malmittels, der Farbe selbst, und führt damit wieder zum abgebildeten Gegenstand zurück. Heiko Bressnik bewegt sich dabei durchaus innerhalb von Begrifflichkeiten eines zeitgenössischen Kunstgeschehens. So werden Bressniks Space Hopper, Radiergummis oder Flaschen seit der Populär- Ikonographie einer Pop-Kunst für bildwürdig erachtet. Ebenso hinterfragt auch Claus Prokop die Farbe und das Medium Malerei an sich. Mit Hilfe von Film, Video, digitaler Fotografie, Computer usw. wird die Bildinformation der Gemälde in neue Arbeiten transferiert. Ziel ist stets die Etablierung einer strukturellen Ordnung und die Variation modularer Elemente. Für die Ausstellung konzipierte er eine ortsbezogene Wandarbeit in Verbindung mit Monitoren und Tafelmalerei. K08 präsentiert weiters großformatige Zeichnungen der jungen Birgit Pleschberger, die Strabag-Award Preisträgerin 2007 war.
Der heute selbstverständliche offene Zugriff auf alle Medien der Kunst wird in der Ausstellung durch Objekt- und Videoarbeiten u.a. von Gudrun Kampl, Ina Loitzl, Viktor Rogy, Bella Ban, Jochen Traar, Barbara Bernsteiner, Edith Payer oder Ernst Logar dokumentiert. Und im Kunstraum der Burgkapelle zeigt Johannes Domenig die Installation The last Support.
Elisabeth Voggeneder

Emanzipation und Konfrontation - Kunst aus Kärnten von 1945 bis heute
8. Juli bis 2. November 2008

Eröffnungsmatinee im MMKK 6. Juli 2008, 11 Uhr
Burggasse 8/Domgasse, 9020 Klagenfurt
Di bis So 10–18 Uhr

KOMBITICKET FÜR ALLE BETEILIGTEN STANDORTE
Erwachsene: € 14,– / Erwachsene KulturCard:
€ 11,20 / SeniorInnen: € 10,50 / Kinder ab 8 Jahren,
SchülerInnen, StudentInnen: € 8,80 / Wehr- und
Zivildiener / Familienkarte 2 Erwachsene + 2 Kinder:
€ 38,50 Gruppen ab 10 Personen: € 10,50

 

Interessiert? Bleiben Sie mit dem Kulturchannel in Verbindung!

Wir auf Facebook

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie aktuelle News und Veranstaltungen per E-Mail.