Herzlich
Willkommen auf der
Kulturhomepage der Kärntner Landesregierung


Ihr Kulturreferent Landesrat DI Christian Benger
Veranstaltungstipps, Nachlese und Kulturnews aus ganz Kärnten.

Aufregung im Paradies

« zurück

Beitrag teilen

Aufregung im Paradies

geschrieben am 03.08.2012 07:50

Am 7. September feiert Cornelius Kolig, ein Enkel von Anton Kolig aus dem berühmten Nötscher Kreis, seinen 70. Geburtstag. Ein Rückblick auf Leben und künstlerisches Schaffen des international renommierten Kärntner Künstlers verrät nicht nur wissenswerte Details über seine Malerei und Installationen, in seinem „Paradies“ im Gailtal „überragen“ auch Tabubrüche und „Bloßstellungen“.

Der „Aufreger“

Cornelius Kolig lebt und arbeitet in „seinem“ Paradies im Gailtal

Sein Name bürgt für Aufregungen: Der universal denkende und arbeitende Künstler Cornelius Kolig feiert am 7. September seinen 70. Geburtstag. Sein Lebensweg ist gepflastert mit Tabubrüchen, die ihn zwar internationale Anerkennung, aber in seiner Heimat viel Schmähgeschrei brachten

Sex und Gold. In Wirklichkeit ist Cornelius Kolig ein stiller, philosophischer Mensch, der mit sich und seiner Welt – dem Paradies – in Einklang lebt. Dennoch eckte der 1942 in Vorderberg im Gailtal geborene Enkel von Anton Kolig schon als junger Künstler überall an, wo Kleinbürgerlichkeit und Unwissen das Sagen haben. Schon seine frühen Objekte ernteten Unverständnis und Geschimpf. Aber als er begann, die menschliche Sexualität und Physiologie zu hinterfragen, ging der Wirbel erst so richtig los. In diesem Sinne ist Kolig ein echter 68er, der im Sog der sexuellen Befreiung das herzeigte, was die Menschen trotz der ausgerufenen „Befreiung“ penetrierte: Die äußeren und inneren Geschlechtsorgane, lasziv und mit großer Meisterschaft gemalt, ohne Scham und Feigenblatt. Das hätten die Betrachter noch ausgehalten. Aber Kolig ging noch weiter – viel weiter. Er begann mit äußerster Konsequenz Menschen in intimsten Situationen zu porträtieren, sie „bloßzustellen“, beim Urinieren und Absetzen des Stuhlgangs. Schließlich vergoldete er die eigenen Produkte und jene von Hunden. Die Abwehr des Publikums wurde immer heftiger, das Geschrei zum Getöse. Anlässlich einer großen Ausstellung im Klagenfurter Künstlerhaus schoben Zeitgenossen einen Karren Mist zum Eingang des Musentempels.

Maler-Palette. Koligs sehr sinnliche und sinnige Arbeit für Hochzeiter vor dem Villacher Rathaus wurde „aus Gründen der Sicherheit“ verdeckt, nur seine tiefgründige Installation im Landesarchiv blieb – ebenso wie seine riesige Palette, die bei Thörl-Maglern auf das Malerland Kärnten hinweist. (1988: Spring – Gaia zuliebe, Autobahngrenzübergang A2 A/I). Maler ist Cornelius Kolig selbst ein ganz außerordentlicher. In diesem Genre zeigt der Künstler, dass er Nachkomme des großen Anton Kolig ist. Seine herrlichen Bilder von Blumen und Blüten, vor allem von Lilien, Flamingo und Rosen, immer wieder Rosen, verzaubern ebenso, wie seine grafische Kraft und Drastik. Und sein grandioses „Paradies“, das er sich in Vorderberg schuf! Ein zentraler Ort seiner geistigen und künstlerischen Auseinandersetzung.

Installation(en). Wären da nicht die Objekte und seltsamen medizinischen Maschinen, die einem den Atem rauben, seine Darstellungen von Spuren des menschlichen und tierischen Stoffwechsels und die Entblößung jeglicher Scham. Und keiner seiner ach, so keuschen Kritiker hinterfragt, was am Stoffwechsel so „ordinär“ sei, keiner will Nacktheit, wie Kolig sie zeigt, akzeptieren. Diese Tabus blieben der Gesellschaft eisern erhalten, diese Tabus zeigt der Künstler mit peinlicher Konsequenz auf. Cornelius Kolig wehrte sich nicht groß gegen das Geschrei um seine Arbeit an der Wirklichkeit, blieb sanft und still. – Bis auf das eine Mal, als er den nach seinem Großvater Anton benannten Kolig-Saal künstlerisch neu gestalten sollte, nachdem seine Verwandten die darin hängenden Leihgaben abgezogen hatten. Da rührte sich der sensible, herzkranke Künstler, da kämpfte er wie ein Löwe, da gab er Kontra. Seine Mutter hatte die permanente Beschimpfung nicht ausgehalten, sie ist in deren Folge gestorben. Aber der Kolig-Saal blieb im Landhaus. Als Denk- und Mahnmal eines genialen Künstlers, der Kärnten weit überragt. Für immer und ewig.

Ilse Gerhardt


Cornelius Kolig, geb. 1942 im Gailtal. Lebt und arbeitet in Vorderberg und Villach.
1960–65 Studium an der Universität Wien und an der Akademie der bildenden Künste Wien; 1979 Baubeginn am Paradies in Vorderberg, einer als Lebenskunstwerk konzipierten architektonischen Anlage; 2003 Schwere Zerstörungen im Paradies durch Hochwasser; 2004 Wiederaufbau (siehe u.a. bruecke nr. 42). Auswahl an Einzelausstellungen: 2007: RitterGallery; 2000: Kärntner Landesgalerie, Klagenfurt; 1998: Räume der Kunst, Kunsthaus Bregenz; 1985: Das Paradies, Museum Moderner Kunst – Sammlung Ludwig, Wien. www.k08.at bzw. www.bruecke.ktn.gv.at

Interessiert? Bleiben Sie mit dem Kulturchannel in Verbindung!

Wir auf Facebook

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie aktuelle News und Veranstaltungen per E-Mail.