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Autonomie ist eine romantische Vorstellung

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Autonomie ist eine romantische Vorstellung

geschrieben am 02.11.2016 12:27

David Hebenstreit: Komponist, Multi-Instrumentalist, Singer/Songwriter und Produzent. Sein Alter Ego Sir Tralala: Kunst- und Bühnenfigur mit Überraschungspotential. 


Ein anarchistischer Entertainer sei Sir Tralala, sagt sein Schöpfer David Hebenstreit (geb. 1978). Kein Auftritt gleicht dem anderen, weil’s zum Teil auch oft so eine Stegreifgeschichte ist mit Publikum. Deshalb gibt es Sir Tralala selten live zu sehen, vielleicht 20 Konzerte im Jahr, maximal. Für das nächste Konzept-Album sind etliche Lieder fertig, der Erscheinungstermin offen – ich rutsch halt immer irgendwie in was anderes rein.

Reingerutscht ist Hebenstreit in den letzten Jahren immer stärker in Bühnen- und Filmmusik-Aufträge. Zuletzt eine musikalische Umformung des „Lacrimosa“ aus dem Mozart-Requiem in eigentlich was Rebellisches für den Essay-Film „Sühnhaus“ (Regie: Maya McKechneay, Premiere bei der Viennale 2016), der die Geschichte des Wiener Ringstraßentheaters erzählt, bei dessen Brand 1881 über 400 Menschen auf den billigen Plätzen starben. Auch danach bleibt die Verwendung des Gebäudes bemerkenswert bis furchterregend.

Bald nach der Matura wählt Hebenstreit seine Geburtsstadt Wien (heute lebt er nahe der Stadtgrenze in Niederösterreich) zum Lebens- und Arbeitsmittelpunkt: Immer als Musiker, nach wie vor als DJ, 10 Jahre lang als Organisator des monatlichen „Popkulturgemüsebeets“, das jungen Bands Auftritte ermöglicht und eine ganze Weile als Student – zunächst an der Sozialakademie, danach am Institut für experimentelle Musik und Elektroakustik der Universität für Darstellende Kunst und Musik. Seine musikalischen Anfänge liegen in Kärnten, wo er aufgewachsen ist. Mit sieben Jahren startet die klassische Violinausbildung am Konservatorium Klagenfurt, er besucht das Musikgymnasium Viktring. Geraume Zeit danach bringt er so angerührt im Rahmen des Musikforums schräges Sir Tralala-Zeug auf die Bühne im Arkadenhof.

Ich überleg mir, was ich machen will, und dann kommt erst die Frage: Was muss ich mir beibringen, damit ich das realisieren kann. Das Tonstudio, das er mit neu erworbenem Wissen von Raumakustik bis Werkzeuggebrauch gebaut hat, ist praktisch fertig, ein Regieraum oder ein Raum, wo man gute Mixes machen kann. Der theoretische Lernprozess dazu fand und findet weitgehend im Internet statt. Dort hat er einen Typen kennengelernt, einen Akustiktüftler in Schweden, der vor seiner Pensionierung als Tontechniker beim Fernsehen gearbeitet und Akustik und Tontechnik unterrichtet hat. Allmählich stellte sich heraus: Der Email-Freund hatte mit der eigenen Band in den 1960ern eine Hitsingle in den US Billboard Charts, tourte unter anderem mit den Kinks und war selbst maßgeblich an der Gründung einer Universität für Akustik und Tontechnik in Schweden beteiligt. Dem hab ich zum Spaß geschrieben: Willst Du mein Yoda sein? Er hat das ernst genommen. Und die Konsequenz war eine andauernde tiefe Auseinandersetzung mit der Materie, die über das übliche DIY Zeugs weit hinausgeht. Da geht es um akustische Theorie, auch um Forschung und um akustische Experimente am Raum und dann die praktische Anwendung von Resultaten. Abseits des akademischen Bildungswegs.

Ich bin jetzt kein Magister, Professor. Auf der anderen Seite hab ich eine sinfonische Trilogie für großes Orchester, Klavier, Celesta und Chor komponiert. Die Partitur, die Noten – 80 Seiten für 15 Minuten Musik. Nun ist Hebenstreit mit jahrelangen künstlerischen Vorbereitungen fertig, um seine Sinfonieorchesterprojekte konkret umsetzen zu können. Jetzt fehlt halt noch das Geld für die Realisierung. Das zu organisieren werd ich aber auch noch lernen.

Der künstlerische Produzentenjob ist – neben Live-Auftritten bei anderen Bands – ein weiterer Arbeitsbereich, den David Hebenstreit forciert. Außerdem besteht seit 2006 sein eigenes Label: Autonomous Lordship Records, das er 2013 aus logistischen Gründen zur Veröffentlichung eigener Werke reaktiviert hat: Ich hab die Erfahrung und Beobachtung gemacht, dass, wenn es um Verträge geht – grad auch im Indiebereich – Musiker/Urheber oft mit Erwartungshaltungen reingehen, für die es aber keine klaren Definitionen gibt. Wenn z.B. ein Label – und das ist der Klassiker – sagt: „Wir machen Promo für euch und dafür bekommen wir einen definierten Teil aller Konzert- und Radiotantiemen“, was bedeutet das eigentlich genau? Weil Promo kann alles Mögliche sein. Wenn ich meiner Urgroßmutter von einer neuen Platte erzähle, ist das auch Promo. 1/3 der Tantiemen sind aber genau 1/3 der Tantiemen. 

David Hebenstreit

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