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Bauen in Südafrika schlägt Brücken

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Bauen in Südafrika schlägt Brücken

geschrieben am 02.11.2016 12:26

bridgingMZAMBA ist die folgenreiche Idee zur Entwicklung und Umsetzung einer Hängebrücke im Selbstbau über den Fluss Mzamba an der Wild Coast in Südafrika. 


Die Brücke entsteht zwischen 2014 und 2016 durch Zusammenwirken lokaler, engagierter Personen mit der NPO build- Collective, dem Architekturstudiengang der FH Kärnten in Spittal und zwei seiner Diplomanden, sowie Tragwerksplanern und einer Vielzahl weiterer mithelfender Personen. Sie ist ein Exempel einer sinnstiftenden gemeinsamen Bemühung im Nord-Süddialog, die in mehreren Phasen durch großes Engagement in eine praktische Umsetzung mündet.

Vor nunmehr etwas mehr als einem halben Jahr ist für mich der erregende Moment wahr geworden, vorsichtig über die neue Brücke gehend, den Mzamba-Fluß zu queren. Es ist ein besonderes Gefühl, dieses ultraleicht wirkende Bauwerk nun ziemlich selbstverständlich in seiner Umgebung platziert zu sehen. Meine spontane Zusage vor zweieinhalb Jahren, auf die Anfrage von buildCollective, uns als Architekturstudiengang der FH Kärnten in Form von zwei Diplomarbeiten tatkräftig zu beteiligen, wurde durch das Interesse zweier unserer besten Studierenden, Florian Anzenberger und Thomas Harlander, geteilt und in der Folge mehr als wahrgenommen.

Wie kann eine solche Aufgabe gesamtheitlich gelöst werden, wie kann überhaupt die Idee für eine Brücke gefunden werden im Wechselspiel der Bedingungen, denen sie logischerweise gehorchen muss, um den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden? Denn die extrem schwere Erreichbarkeit des rechten, südseitigen Ufers des Mzamba, gibt vor, dass nur Konzepte sinnvoll in Erwägung zu ziehen sind, die auf der Verwendung kleiner, tragbarer Bauelemente beruhen. Die Topografie an den günstigen Querschnittsstellen variiert stark – auch hinsichtlich verschiedener Aufstandspunkte für notwendige konstruktive Teile. Eine durch Pylone emporgehobene Gehlinie ist für alle anzudenkenden Varianten wegen dem bis zu sieben Meter über dem Normalwasser liegenden Stand des Höchst- wassers unausweichlich. Als Material kommen klimatisch bedingt nur galvanisierte Stahlprofile für die Konstruktion und bevorzugt Holzelemente für Belag und Handlauf in Betracht. Gewicht ist Geld – die leichteste und zugleich ausreichend stabile Konstruktion ist angesagt. Der Gehweg muss sicher sein, auch für Kinder, aber nicht zu breit! High Tech Lösungen sind, was die Ausführung und die Umsetzung betrifft, so weit als möglich auszuschließen.... Es bleibt daher eine auf Low Tech ausgerichtete Baumethode, die eben gerade den Selbstbau gemeinsam mit Arbeitern der „Local Community“ ermöglichen würde. Die Tragseile mit ihrer Endkonfigurierung hingegen sind logischerweise High Tech – sie werden von der Fa. Pfeiffer für das Projekt gespendet und von buildCollective besonders im letzten Abschnitt mit viel Mühe vor Ort gebracht. Nach konstruktiven Vorarbeiten an der Fachhochschule in Spittal beginnt eine intensive Zusammenarbeit in der Tragwerksplanung mit Daniel Meyer vom Büro Lüchinger & Meyer in Zürich, der sich von allem Anfang an bereit erklärt hatte, das Projekt der Bücke konstruktiv zu begleiten und die notwendigen Berechnungen als Beitrag zur Realisierung kostenlos anzustellen. Den Gesamtprozess steuern Elias Rubin und Marlene Wagner von buildCollective vorbildlich, die auch die Gesamtidee mit den beiden Stammesvertretern der local community bis hin zur wichtigen Frage der Erhaltung strukturieren.

Es ist, gesamt gesehen, ein herzeigbares Stück Entwicklungszusammenarbeit (im Nord-Süd Dialog) zu dem verschiedenste private Sponsoren, aber auch das Land Kärnten einen wichtigen fördernden Beitrag geleistet haben, wofür besonderer Dank gebührt. 

Peter Nigst

Hinweis: Das Projekt der realisierten Brücke wurde eben erst mit dem renommierten „blue award“ unter dem Juryvorsitz von Kazuyo Sejima, Sanaa Architects ausgezeichnet.

Die Idee der Brücke hat sich rückblickend erst Schritt für Schritt entwickelt. Sie war nicht a priori als fertiges, „verführerisches Bild“ vorhanden. Trotzdem ist eine Art „Brückenidee“ latent und sinnvoll „kontrollierend“ über dem Entwurfs- und Planungsprozess förmlich geschwebt. Sie wird immer wieder durch Zufälle verändert/bereichert und dann etappenweise abgerufen in den jeweiligen Detaillierungen der Werkzeichnungen konkretisiert. Die Ästhetik der Konstruktion, die Proportionen der Gesamtsilhouette, die Leichtigkeit und Einfachheit der Zusammenfügung, die räumliche Wirkung der Hänger gepaart mit einem Sicherheitsgefühl, der Wunsch einer insgesamt zu erzielenden Schönheit sind nicht unwesentliche Aspekte der gesamtheitlichen Lösung. Man spürt sie vielleicht im Erleben. Sie vermitteln die Größe einer Idee, die auf dem Weg in die Wirklichkeit nicht verloren gegangen sind. 

brueckenbau_suedafrika.jpg

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