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Baukunst der Gegenwart

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Baukunst der Gegenwart

geschrieben am 02.06.2008 15:02

Die K08 Ausstellung greift Prozesse und Zusammenhänge zu anderen Kunstformen auf. Im Napoleonstadel werden die Entwicklungen der Baukunst in Kärnten nach 1945 gezeigt. Die regionalen Besonderheiten, der starke Bezug zur bildnerischen Kunst oder die gesellschaftlichen Auswirkungen sind mitverantwortlich für den starken Wandel der Architektur.

Der publizistische Rahmen der Ausstellung „K08 Emanzipation–Konfrontation“ gab erstmals Gelegenheit, ein halbes Jahrhundert der Bauentwicklung in der Region zusammenfassend darzustellen, historisch-kritisch zu würdigen. Über die baukünstlerisch interessanten Beispiele, die Prozesse ihrer Entstehung, die agierenden Institutionen und Persönlichkeiten gab es bisher nur partielle Bearbeitungen. Eine hervorragende Quelle bietet nach wie vor der Wegweiser zur „Österreichischen Architektur im 20. Jahrhundert“ von Friedrich Achleitner, der allerdings mit Redaktionsschluss um 1980 abbricht und über die Phase der 50er und 60er Jahre eine eher selektierte, knapp kommentierte Auswahl bietet. Für die Jahrzehnte danach gibt es eine Anzahl verschiedener Publikationen, und zuletzt erbrachte der im Auftrag des Hauses der Architektur dreisprachig herausgegebene Band „Neue Architektur in Kärnten“ sowohl im Überblick als auch in den Einzeldarstellungen für diese Periode eine tiefenscharfe Bilanz. Was fehlte, war eine Reflexion der personellen, der thematischen und inhaltlichen Kontinuitäten über die ganze Periode der Zweiten Republik bis zur Gegenwart, was kürzlich Dietmar Kaden mit dem Projekt „Zeit im Aufriss“ für die Jahre ab 1955 ineinem ersten Anlauf skizzieren konnte.

Die Autoren des nun im renommierten Springer Verlag publizierten Buches gingen in dieser Richtung einige Schritte weiter. Ein nach Bauaufgaben geordneter Beitrag erlaubt erstmals den ganzen Überblick über die wichtigen architektonischen Leistungen seit dem Ende des II. Weltkrieges – eingebettet in eine straffe Dokumentation der für die Baukultur relevanten wirtschaftlichen, technischen, sozialen und kulturellen Strömungen und Ereignisse. Dieses von Theresia Hauenfels erarbeitete, gleichsam „horizontal“ angelegte Panorama wird abgerundet durch ein Interview mit Friedrich Achleitner und Gernot Kulterer. Dem gegenüber steht eine Sammlung von thematischen Tiefenschnitten, - gleichsam „vertikale“ Sondierungen. Externe und „interne“ Experten beleuchten mit knapp gehaltenen Exkursen ein Spektrum von Inhalten: von „Kirche als Bauherr“, „Sozialer Wohnbau“, „Bauen am Ufer“, „Kunst und Architektur“ bis zu „Stadtentwicklung Klagenfurt-West“, „Holzbau-Perspektiven“ und „Alpe- Adria-Begegnungen“. Ein Sonderkapitel innerhalb dieser Sammlung bietet das Thema „Architektur im Widerstand“.

Der Beitrag „architekturTRANSFER“ umreißt, mit Bezug auf die vom Napoleonstadel eigens kuratierte Schau, die aktuellen Wechselwirkungen von Export/Import und präsentiert Teams, die entweder aus Kärnten stammen und nun vorwiegend außerhalb des Landes wirken, oder die von außerhalb kommend hier in den letzten 15 Jahren wichtige Bauten realisieren konnten. Das dokumentarische Scharnier zwischen den beiden Betrachtungsweisen – horizontales Panorama/vertikale Sondierungen – bildet im Buch die Bild-Textstrecke „Architektur ausgewählt“: 36 Bau-Beispiele, Marksteine und Wegmarken, verteilt über die Jahrzehnte, dargestellt über Quellenmaterial.

Als regionale Besonderheiten zeigen sich nach diesen Recherchen unter anderem folgende Phänomene: – die meist „zufälligen“, über lange Zeiträume wirksamen persönlichen Netzwerke von Persönlichkeiten, – wo etwa gemeinsame Studienjahre in Graz gleich nach dem Krieg und anschließende Auslandsaufenthalte sozusagen ein grundlegendes „Biotop“ bildeten; – die starke Affinität einzelner Architekten zur bildenden Kunst oder umgekehrt – die prägende Wirkung von Künstlern auf die architektonische Szene; – die Verläufe der durch die Kriegszäsur oder durch die regionale Nachkriegs- (un)kultur „gebrochenen“ Biografien von ein, zwei Generationen an Akteuren, die das Niveau ihrer Ausbildung und/oder ihrer Startphasen in der Hochkonjunktur nicht halten können, sich dann entweder den Verhältnissen erfolgreich anpassen – oder sich in der Rolle marginal Beschäftigter im pointierten, kritischen Widerstand zum Mainstream der Baupolitik definieren.

Ein wichtiger Nukleus für die regionale Architekturszene war die Technische Hochschule in Graz nach dem Krieg, - die für Kärntner damals naheliegendste Architekturfakultät. Von 1945/46 an studierten dort gemeinsam bzw. parallel Karl Hack, Hubert Petschnigg, Ernst Hildebrand, Hans Bischoffshausen, Martin Esterl, Otto Baurecht, Robert Caldera, Rolf Haas, Ewald Kaplaner, Hermann Kompolschek und Rudolf Nitsch ... Hack, Kompolschek, Wickenburg, Tritthart folgten dem dort bereits erfolgreichen Petschnigg um 1953/54 nach Düsseldorf, Hildebrand wirkte ab 1950 bei Hermann Baur in Basel, Bischoffshausen wandte sich der Kunst zu und lebte ab 1959 in Paris. Mit erstrangigen Wettbewerbsund Praxiserfahrungen kehrten die Architekten zurück, als Ende der 50er Jahre auch in Österreich die Baukonjunktur voll einsetzte. Das Buch bzw. die Ausstellung zeichnet diese Anfänge und die wichtige regionale Phase in den 1960er Jahren nach, die ersten Allianzen für avancierte, zeitgenössische, nachhaltige Baukultur – skizziert damit die Basis für weitere Konstellationen, für die Kontinuität zur nächsten und übernächsten Generation der engagierten Bauund Kunstszene, – und kommentiert zu den wichtigen Fragen „Wohnbau“, „Bauen am See“, Bauen mit Holz“, „Wettbewerbe“ auch den gegenwärtigen Stand der Dinge.
Otto Kapfinger

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