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Bauwerte und „Evokationen“

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Bauwerte und „Evokationen“

geschrieben am 02.12.2008 10:48

Das Firmenzentrum Roth in Feldkirchen wurde mit dem Landesbaupreis bedacht. Der Landeskulturpreis ging heuer an den Musikforscher Dieter Kaufmann. Über sämtliche Preise und Preisträger gibt es in der aktuellen Ausgabe ausführliche Berichte auf den Seiten 14-17.

Architektur boomt. Schließlich verbindet Planung und Bauen die künstlerische Freiheit zu gestalten mit dem Alltag und schafft lebenswerte Flächen. Insgesamt 37 hochqualitative Einreichungen zum Kärntner Landesbaupreis 2008 beweisen, wie sehr Architektur als Kunstform angenommen wird und welchen Stellenwert sie in unserem Bundesland genießt. Unter dem Vorsitz von Wolfgang Ritsch aus Dornbirn wählte die Jury (Otto Kapfinger, Wien; Jurji Sadar, Laibach; Erich Fercher, Gernot Kulterer, Kärnten) das Technikzentrum Roth in Feldkirchen und das Architekturbüro Ernst Roth: Mit dieser Firmenzentrale in bevorzugter Lage an der Landesstraße zeigen Bauherrschaft und Architekt beispielhaft die räumlichen, konstruktiven und gestalterischen Möglichkeiten zu einem nachhaltigen Verwaltungsgebäude auf. Der Einsatz von Holz als innovativer Werkstoff macht das zukünftige Denken des Unternehmens bewusst. Eine vom Werk entwickelte Art der Massivholz wand wurde dabei zum ersten Mal eingesetzt. Die Neuinterpretation des Werkstoffes Holz verdeutlicht auch das Potenzial dieser Bauweise, gilt sie doch als besonders ressourcenschonende Architektur, die eine offene Verbindung zu Natur und Umwelt eingeht.
Weiters wurden fünf Anerkennungspreise vergeben, die ebenso innovative Gestaltungsformen präsentieren und in das Blickfeld der Öffentlichkeit bringen möchten. Die Ortskerngestaltung von Maria Saal wurde vom Büro „nonconform architektur“ vorgenommen, die dafür auch mit dem Staatspreis für Consulting 08 ausgezeichnet wurden. Dabei wurde besonders auf den historisch bedeutsamen Dom behutsam Rücksicht genommen, um ihm ein adäquates Umfeld zu ermöglichen. In Form von ‚Hauptplatzgesprächen‘ wurden Anrainer und Bürger in den Gestaltungsprozess mit einbezogen und trugen damit zur Identitätsfindung bei. Deshalb wurde der Platz als durchgängige Fläche schwellenlos an die umliegenden Gebäude herangeführt. Verschiedene Granitpflastersteine passen sich farblich der hügeligen Topographie an und tragen zur Betonung des Geländeverlaufs in verschiedene Himmelsrichtungen bei. Die Reduktion der Mittel will hier nicht Neues produzieren, sondern vielmehr Altes bewahren und seinen Ausdruck erhalten wie auch steigern. Einen Preis erhielt auch die Wohnanlage „22 tops“ in Auen bei Wolfsberg, die vom Wiener Büro „Holodeck architects“ geplant worden war. Das Projekt hatte die Frage Wie schafft man 22 verschiedene Wohnungen mit starker Identität innerhalb eines Gebäudes? zu beantworten. Die Wohnanlage in Nachbarschaft zu einem Block aus den 60er Jahren sollte den Bewohnern die Möglichkeit geben, sich sowohl mit dem Gebäude zu identifizieren als auch eine individuelle Form des Wohnens zu entdecken. Die Kelag als Bauherr schaffte einen Platz zum Leben mit positiver Ausstrahlung, der zur Umgebung Bezug aufnimmt und auch seine eigenen Grünbereiche kreiert, die mit den Innenräumen kommunizieren, um somit die Lebensqualität deutlich zu steigern.
Das Rundbogenhaus in Klagenfurt von den heimischen Architekten Roland Winkler und Klaudia Ruck (Bauherren: Ina Malle und Hannes Petschnig) wurde ebenfalls mit einer Anerkennung versehen. Dabei gelang es eine scheinbar hoffnungslose Restfläche im städtischen Gefüge mit einer ebenso präzisen wie ökonomischen Intervention in attraktive Wohn- und Außenräume zu verwandeln. Die fünf einfachen, tonnengewölbten Dachschalen rhythmisieren die Raumzonen, geben dem Bau innenräumliche Prominenz, viel Licht in die Tiefe der Räume und erlauben partiell auch zweigeschossige Nutzung. Nach außen entsteht durch die Bögen ein Understatement in Richtung ‚Remise‘ oder ‚Nebengebäude‘. Besonders gelungen sind die beiden direkt an der Steinmauer integrierten Innenhöfe, die als Grün- und Lichtbiotope das Badezimmer an beiden Seiten umfassen: Eine exklusive und doch ganz unprätentiöse Wohninsel mitten in der Stadt zu Baukosten, die kaum über den Werten im sozialen Wohnbau liegen. Die Seehütte am Weißensee (geplant von Peter Jungmann aus Lienz, Bauherr: A. u. W. Frey) hält die magische Faszination des Ortes aufrecht. Eingebettet zwischen grünen Feldern und Wäldern kann man hier die Einfachheit des Moments erfahren und genießen. Von der Erde leicht abgehoben, gefügt aus rohen Holzpaneelen mit großen Öffnungen für den Blick zum See und mit schlitzartigen Öffnungen für interessante Tageslichteffekte, entsteht in dem ganz einfachen Interieur eine simple und zugleich noble ‚Hütte‘ mit maximalem Genuss für den, der die wahre Schönheit des Lebens und der Natur versteht.
Wie öffentliche Bauten gut in die Umwelt integriert werden können, zeigt schließlich auch das Wörtherseestadion in Klagenfurt. Geplant vom Wiener Büro Albert Wimmer wurde der Sportpark ursprünglich mit scharfer Kritik am so genannten „Generalübernehmerverfahren“, das die für eine baukünst lerische Qualitätsfindung obligate Trennung von Planung und Ausführung, von Entwurfs - kriterien und Kostenkriterien aufgehoben hatte, bedacht. Als Großform wirkt das Rund vor allem von Süden und Osten im landschaftlichen Umfeld leicht, fließend und geschmeidig. Im Zuge der Fußball- Europameisterschaft erhielt das für 32.000 Besucher ausgelegte Stadion zu Recht viel positiven Zuspruch als „schönstes Stadion in Österreich“. Die infrastrukturelle Vernetzung des Ganzen mit dem unmittelbaren und dem weiteren Ortsgefüge ist jedoch noch sehr ausbaubedürftig und auch ausbauwürdig. So bleiben kritische Punkte durchaus anzumerken, wie etwa das ungelöste Parkplatzproblem, das mangelnde Verkehrskonzept, das vor allem von Anrainern bemängelt wird, aber auch die lange Zeit der unklaren Situation über einen fälligen Rückbau oder die Erweiterung durch ein Kompetenzzentrum und eine Fußballakademie. Doch auch diese Fragen, kritische Anmerkungen und Diskussionspunkte sind Teil eines konstruktiven Umganges mit dem Thema „Architektur“ und dem Schaffen von Nutzungs- und Wohnräumen. Die Engagements der einzelnen Architekten, Planungsteams und Bauherrschaften sowie die eingehende Auseinandersetzung einer hochwertigen internationalen Jury machen deutlich, wie sehr Kärnten an Kompetenz und Wertigkeit in diesem Bereich gewonnen hat.
MH/GMT

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