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Beeindruckende

geschrieben am 10.12.2014 14:00

Bühnen-Architektur

Prächtig fügt sich ein Artikel über eine Brücke passend zwischen dem Stadttheater Klagenfurt (samt seinem Zubau von Architekt Günther Domenig) und dem Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe!

Malerhafte Zauberwelt

Das Bühnenbild bei Mozarts „Zauberflöte“ am Stadttheater Klagenfurt entpuppt sich als Architektur der Sinne. Der Berliner Maler Miron Schmückle feiert als Bühnenbildner mit allegorischer Kunst sein Opern-Debüt.

Musik, Regie, Malerei – drei Kunstgattungen, die so unterschiedlich sind und doch miteinander verschmelzen! Die Idee, ein Bühnenbild für ‚die Zauberflöte` zu entwerfen, entsprang der intensiven Auseinandersetzung mit Regisseur Patrick Schlösser über Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser Gattungen, erzählt der experimentelle Maler Miron Schmückle. Sein Credo: Ein Stück braucht die Möglichkeit, sich zu entfalten, die Imagination sollte nicht kastriert werden. Patrick Schlösser stellte eine Analogie zwischen der Bilderwelt Miron Schmückles und dem Inhalt der Zauberflöte her. Er entschied sich, für die Inszenierung am Stadttheater Klagenfurt nicht mit einem Bühnenbildner, sondern mit mir als Künstler zu arbeiten. Mit jemandem, der die Inhalte der Oper bildlich umsetzt und märchenhaft in die Musik integrieren kann.

Die Bühne wird als Raum benutzt, in dem aus Musik, Dialog, Bild und Regie ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk zusammengebaut wird. Entstanden ist eine Architektur, bei der Möbel-Requisiten eher die Nebenrolle spielen. Und doch ist das Bühnenbild architektonisch genau durchdacht. Miron Schmückle hat 10 verschiedene Bilder (Prospekte) in Farbe und Bleistift entworfen, die wie auf Großleinwänden bis in die Tiefe der Bühne hinein immer wieder platziert werden und bei 16 Bühnenwechseln als 7 Meter hohe und 14 Meter breite, teils transparente Wände zum Einsatz kommen. Die Prospekte zeigen allegorische Ranken, Rokoko gleich. Schmückles Ranken-Bilder sind immer das Bildnis von Schikaneders Texten: die felsige Gegend, das prächtige ägyptische Zimmer, der heilige Hain, der Palmenwald, die Prüfungsgrotte, der liebliche Garten, der Vorhof des Tempels. Hier regiert die Architektur der Natur verbundenen Fantasie. Der Theaterbesucher bekommt Spielraum für eigene Interpretationen und wird nicht seiner Illusion beraubt. So schafft das Bühnenbild eine Illusionswelt. Es ranken die Gedanken wie die Baumwurzeln ins Innere – aber eben nur so weit, wie es der Betrachter selbst zulässt. Für den einen bleibt das Opern-Bild Märchen, für den anderen stehen plötzlich elementare Fragen im Raum: Warum verliebt sich Tamino in ein Bildnis? Wie greifbar ist also die Liebe? Ist es womöglich „nur“ die Liebe zur Liebe? Muss man sich die Liebe erst verdienen, durch Wasser und Feuer gehen? Jeder (Flöten)Ton mozartensischer Musik wird von Miron Schmückle übersetzt, Millimeter für Millimeter. Er macht die Musik visuell. Und wird so als bühnenbildnerischer Maler zum bedeutenden Teil eines Regie-Konzepts.

Diese Arbeit war wie das Schreiben einer Partitur. Ich spüre die Verwandtschaft zwischen dem Komponieren meiner Bilder und dem Komponieren eines Musikstückes sehr stark. Harmonien und Dissonanzen werden frei gelassen, dann wieder gebändigt. Genauso wie in der Oper Flötentöne die Kräfte der Natur bändigen, so Schmückle. Naturkunde hat ihn schon immer beschäftigt. So entstanden bühnenreife Werke, die die Verbindung von Natur und Mensch rankenhaft und allegorisch zeigen: als Metapher mit indirekter Aussage, reich an Interpretationskraft. Wenn die Flöte ertönt, wird die Bühne zum Blütenhimmel. Jede Blüte ist anders gemalt, kein Ast ähnelt dem anderen. Kein Baum ist doppelt, sondern immer ein gezeichnetes Individuum. Fast ein Jahr lang hat Miron Schmückle an der Umsetzung des Bühnenbildes gearbeitet – sein Opern-Debüt. Aufgrund der Individualität der Zeichnungen ist die Malerwerkstatt des Stadttheaters auch bereits seit Sommer mit den Arbeiten beschäftigt. Ebenso die Requisitenhersteller, die für die Szenen der Wasser- und Feuerprobe, viereinhalb Meter hohe Fratzen-Kulissen bauen, aus denen es heraus raucht, wo Augen glühen und im Schlund ein Krake wohnt. Eine märchenhafte Herausforderung.

Mona Decker-Mathes


Miron Schmückle ist in Rumänien (Sibiu) geboren und studierte Experimentelle Malerei an der Muthesius- Kunsthochschule Kiel bei Renate Anger sowie Performance Art bei Marina Ambramovi´c an der Hamburger Kunsthochschule am Lerchenfeld. Es folgte ein Lehrauftrag an der St. Petersburger Theaterakademie. Der 48jährige Maler forscht im Rahmen eines Promotionsstudiums zur Malerei der Niederländischen Spätrenaissance und erhielt für seine Arbeiten bereits zahlreiche Preise und Stipendien. Seine Werke beziehen sich auf das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, die sich in Allegorien zeigen. Der Künstler stellt national und international aus. Mit Mozarts „Zauberflöte“ bringt er erstmals seine Allegorien auf eine Opernbühne.

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