Herzlich
Willkommen auf der
Kulturhomepage der Kärntner Landesregierung


Ihr Kulturreferent Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser
Veranstaltungstipps, Nachlese und Kulturnews aus ganz Kärnten.

Brauchen Filme wirtschaftliche Förderung?

« zurück

Beitrag teilen

Brauchen Filme wirtschaftliche Förderung?

geschrieben am 09.04.2014 09:06

ein Artikel von Klaus Graf

Die Zeiten sind hart, die Budgets sind knapp, die Aussichten, die sich das Land Kärnten in den nächsten Jahren wirtschaftlich zu vergegenwärtigen hat, trist – und ausgerechnet jetzt soll eine Filmförderung installiert werden, die der heimischen Filmproduktion unter die Arme greift? Ist das zu rechtfertigen?

Aus meiner und der Sicht vieler Kärntner Filmschaffenden, Wirtschaftstreibenden und Künstlern ist es mehr als das: Es ist ein Gebot der Stunde, nicht nur für die kulturelle, sondern gerade auch für die finanzielle Wertschöpfung des Landes.

Die professionelle Filmproduktion ist sehr kostenintensiv. Viele kreative Leute arbeiten an der Entwicklung und Herstellung eines Films, und das zumeist über einen enorm langen Zeitraum. Von der Idee bis zu einem fertigen Fernsehspielfilm etwa braucht es im Schnitt zwei Jahre. Die Drehzeit selbst beträgt dann konzentriert lediglich 22 Drehtage, aber die Entwicklung, Vorbereitung und die gesamte Postproduktion nehmen den größten Zeitraum in Anspruch. Mindestens 100 Leute sind innerhalb dieser Zeit mit einem solchen Film beschäftigt, manche nur einen Tag lang, andere die gesamte Zeit über. In Hinblick darauf werden Budgets von durchschnittlich 1,5 Millionen Euro nachvollziehbar.

Wir Produzenten von Fernsehfilmen sind gefordert, nicht nur die gesamte Entwicklung eines Filmprojekts in Gang zu setzen und am Laufen zu halten, sondern auch die Finanzierung eines Films sicherzustellen. Hauptabnehmer für Fernsehfilme in Österreich ist der ORF, private TV-Anbieter in unserem kleinen Land haben kaum Budgets für fiktionale Fernsehfilme. Aufgrund der Größe (oder Kleinheit) Österreichs und des zur Verfügung stehenden Budgets ist der ORF nicht in der Lage, ausreichend Produktionen in Auftrag zu geben oder aufwändige Fernsehstoffe alleine zu finanzieren. Daher werden viele Produktionen aus dem Ausland günstig eingekauft oder man produziert gemeinsam mit Deutschland, das natürlich einen viel größeren Markt darstellt. Damit wir einheimischen Produzenten gegenüber den deutschen Kollegen konkurrenzfähig sind, wurden in Österreich Filmförderungen geschaffen, wie zum Beispiel der Fernsehfonds Austria und die Förderungen in Ländern wie Wien, Tirol oder der Steiermark.

Fast alle österreichischen Bundesländer haben zwischenzeitlich eine Filmförderung installiert. Die wichtigsten Gründe dafür sind der kulturelle Wert, die mit der Ausstrahlung eines Film verbundene Werbung und PR und nicht zuletzt die regionale wirtschaftliche Wertschöpfung: Im Schnitt spielt jeder geförderte Euro den dreifachen Wert an regionalen Ausgaben wieder herein. Die Filmausgaben verteilen sich auf verschiedene Wirtschaftszweige: Beherbergungs- und Verpflegungsbetriebe, technische Dienstleister, Tischlereien, Gärtnereien, Transportwesen – und natürlich die vielen heimischen Filmschaffenden, etwa Masken- und Kostümbildner, Ausstatter, Requisiteure usw.

Kärnten hat eine lange Tradition als Filmland. Alleine im Raum Wörthersee wurden schon über 100 Filme gedreht. Die Hauptgründe dafür liegen in der Einzigartigkeit, Schönheit und Vielseitigkeit unseres Landes. Die Seen- und Berglandschaft, verbunden mit länderübergreifender kultureller Vielfalt, sind ideale Parameter. Dies gilt es auch weiterhin zu pflegen, auszubauen und zu unterstützen.

Es gibt bereits viele kreative Kärntnerinnen und Kärntner, die erfolgreich im Filmgeschäft vor und hinter der Kamera reüssieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt aber auch hier der Jugend, die motiviert und gefördert werden soll. Durch das Zusammenwirken von drei Kulturkreisen in unserem Bundesland ist meiner Meinung nach besonderes Potenzial für kreative Kräfte vorhanden. Viele erfolgreiche Kärntner Kulturschaffende unterstreichen dies.

Klaus Graf


Mit einer Filmförderung in Kärnten werden folgende Ziele erreichbar:

  • Stärkung der heimischen Filmwirtschaft
  • vermehrt Filmproduktionen ins Land holen
  • Kärnten vielseitig bekannter machen (als Wirtschaftsstandort, als Tourismusdestination, als Kulturzentrum etc.)
  • Förderung der kreativen Filmszene im Land
  • Schaffung von Arbeitsplätzen
  • Stärkung Kärntens als Kulturland


Klaus Graf geb. 1958 in Griffen, war ab 1984 Leiter des Referates für berufliche Erwachsenenbildung im WIFI Kärnten, ab 1989 Veranstaltungsmanager der Casinos Austria. 1995 holte ihn der österreichische Filmproduzent Karl Spiehs ins Filmbusiness (u.a. GF Wörthersee Film Produktion, Lisa Film). 2001 Graf Filmproduktion in Klagenfurt, 2002 in München gegründet. Die beiden Unternehmen haben sich auf die Herstellung fiktionaler TV-Produktionen für den deutschsprachigen Film- und Fernsehmarkt spezialisiert, die bereits mehrfach ausgezeichnet wurden: etwa mit dem BAMBI Publikumspreis 2011, mit dem Deutschen Fernsehpreis 2012 und der „Romy“ 2012 für „Der Mann mit dem Fagott“. Größter Erfolg „Das Wunder von Kärnten“: 2013 Bayrischer Fernsehpreis für beste Regie (Andreas Prochaska); zwei „Romys“ (bestes Drehbuch und beste Produzentenleistung von Klaus Graf und Sam Davis). Die Krönung war die Verleihung der International Emmy im November 2013 in New York. Ausgezeichnet u.a. 2013 mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen des Landes Kärnten; 2014 dem Berufstitel Kommerzialrat. Lektor h.c. an der Uni Klagenfurt und Vorsitzender der Kärntner Filmund Musikindustrie.
graffilm.com



 

Interessiert? Bleiben Sie mit dem Kulturchannel in Verbindung!

Wir auf Facebook

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie aktuelle News und Veranstaltungen per E-Mail.