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„Brückenbauer“ in der Antike

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„Brückenbauer“ in der Antike

geschrieben am 27.02.2009 16:42

Passend zur März-Ausgabe: Der „Pontifex Maximus“ vernetzte im Alten Rom die Kulturen und war zugleich verantwortlich für das öffentliche Leben und die Religion. Über seinen Einfluss kann man hier mehr erfahren.

Der treue Leser der „Brücke“ weiß natürlich ganz genau, dass beim Brücken - bauen nicht unbedingt ein Baumeister im klassischen Sinn am Werk sein muss, sondern auch die Vermittlung und Vernetzung unterschiedlicher Bereiche von Kunst und Kultur eigene „Brücken - bauer“ erfordern.
Auch im alten Rom gab es einen „Brückenbauer“ der wenig mit dem Bauwesen, dafür umso mehr mit dem kulturell- sakralen Leben der Gemeinschaft zu tun hatte. Die Rede ist vom so genannten „Pontifex maximus“, dem „Obersten Brückenbauer“, der in der Tiberstadt einst die Verantwortung für die Durchführung und Koordination des öffentlichen Religionslebens innehatte.
Wie wichtig dieser Mann war, wird einem erst dann so richtig bewusst, wenn man weiß, wie wichtig Götterglaube und Zukunftsschau bei den alten Römern waren. Gleichgültig ob es um die Errichtung eines Tempels, den Abschluss eines Staatsvertrages oder die Erklärung von Kriegen ging - ohne entsprechende Riten und sakrale Zeremonien lief im alten Rom fast nichts. Da diese Maßnahmen im Lauf der Zeit immer vielfältiger und komplizierter wurden, gab es schließlich ganze Heerscharen von Priestern, Auguren und Opferdienern, die laufend in der einen oder anderen Form aktiv wurden. Viele der von ihnen durchgeführten Zeremonien wurzelten übrigens in einer sakralen Tradition, die die Römer von den Etruskern übernommen hatten – so gehörten etwa die Eingeweideschau oder die Deutung des Vogelflugs schon Jahrhunderte zuvor fest zum Repertoire der etruskischen Priesterschaft.
Letztlich dienten diese vielfältigen Riten und Zeremonien alle demselben Zweck: Die überaus gläubigen und abergläubischen Römer wollten dadurch eine enge Verbindung zu den Göttern herstellen und sich den Schutz der überirdischen Mächte in möglichst allen Lebenslagen sichern.
Und genau dabei kam der „Pontifex maximus“, der Oberste Brückenbauer, ins Spiel. Er überwachte und koordinierte die Handlungen der römischen Pries - terkollegien und deren Helfer und berichtete den politisch Verantwortlichen über die Ergebnisse der Zukunftsschau. Damit hatte dieser Mann einen nicht geringen politischen Einfluss, da ja aufgrund ungünstiger Vorzeichen sogar Kriege verschoben bzw. beendet werden konnten. Dennoch war er kein Beamter im eigentlichen Sinn und durfte daher auch nicht die offizielle Amtskleidung römischer Magistrate, die Toga mit Purpursaum, tragen. Dafür wies ihn ein speziell geformtes Messer als obersten Vertreter der römischen Priesterschaft aus.
Aufgrund der Bedeutung der Religion im politischen Alltagsleben der Römer, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Bekleidung des Amtes eines „Pontifex maximus“ der weiteren politischen Karriere seines Trägers überaus zuträglich sein konnte. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist der berühmte Julius Cäsar, der das Amt im Jahr 63 v. Chr. antrat und bis zu seiner Ermordung 44 v. Chr. innehatte.

Später übernahmen die römischen Kaiser den Amtstitel, was seine hervorragende Stellung innerhalb der römischen Bürgerschaft unterstrich. Jahrhunderte später, als die Römer längst zum Christentum übergegangen waren, ging die Bezeichnung als „Pontifex maximus“ auf die Päpste über, die bis zum heutigen Tag als Brückenbauer zwischen Gott und den Menschen fungieren.
Mario Rausch

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