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Das Ende als neue Chance

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Das Ende als neue Chance

geschrieben am 19.12.2012 11:48

Die Galerie Unart in Villach hinterlässt in der Kulturlandschaft mit ihrer Schließung eine Lücke. Die BRUECKE zeichnet noch einmal in einem Interview den Weg der beiden Betreiber nach, beleuchtet neue Möglichkeiten und versucht trotzdem Lust auf weitere Chancen zu machen, die sich daraus ergeben könnten.

Nur noch bis 31.12.2012 steht die Tür der Galerie Unart für Besucher offen, danach wird die renommierte Villacher Galerie geschlossen und im Kärntner Kulturgeschehen eine Lücke hinterlassen. Die Bruecke führte zum Abschied ein Interview mit dem Galeristen-Ehepaar Margarethe und Peter Resch.

DIE BRUECKE: Wie sind Sie dazu gekommen, eine private Galerie im Stadtzentrum von Villach zu gründen?
Peter Resch: Wir haben die Galerie nicht gegründet, sondern sie 1998 von Ingo Timmerer übernommen. Rund eineinhalb Jahre haben wir die Galerie
gemeinsam mit ihm geführt, danach übernahm ich sie, führte eine neue Linie ein und leitete sie 15 Jahre. Mit einer neuen Linie hin zur gegenständlichen zeitgenössischen Kunst. Den Schwerpunkt der Ausstellungstätigkeit bildeten weiters Grafik aus Österreich und Keramikobjekte.

Die Galerie heißt „Unart“: Welche Absicht steckt hinter diesem Namen?
Wir haben den seit Anfang an, also seit 1992 existierenden Namen einfach übernommen und sind dabei geblieben. „Art“ steckt drinnen, auch etwas Provokantes, „Unartiges“ ...
Margarethe Resch: Ingo Timmerer stellte sehr experimentelle Kunst aus, da passte dieser Name gut dazu.

Wann wurde Ihre Liebe zur Kunst geweckt und wodurch?
Peter Resch: Ich habe mich schon in der Mittelschule mit Kunst beschäftigt, selbst geschrieben und gemalt. Während meines Studiums zum Bauingenieur habe
ich angefangen, Kunstwerke zu sammeln. Man könnte sagen: ich war immer auf der
Suche nach dem Schönen.

Frau Resch, haben Sie das Interesse für Kunst von Anfang an mit Ihrem Mann geteilt?
Margarethe Resch: Ja. Die Kunst war immer ein Thema in unserer Beziehung, Kunst hat uns beide fasziniert. Auch auf unseren Reisen nahm und nimmt das Thema Kunst viel Raum ein.

War das also ein gemeinsamer Entschluss, die Galerie zu übernehmen?
Peter Resch:
Wir haben gesagt: probieren wir es einmal. Schauen wir, wie es läuft. Es war ein Risiko. Wir sind ein Kunsthandel, ein Geschäft mit Gewerbekonzession, das sich durch die Verkäufe erhalten hat.
Margarethe Resch: Wir haben enorm viel gearbeitet, Kundenkarteien aufgebaut und viele Stunden in den Aufbau und die Entwicklung der Galerie investiert.
Peter Resch: Nach drei bis vier Jahren schauten wir zurück und beobachteten eine gute Steigerung. Nur irgendwann begann das Geschäft zu stagnieren.

Ist Villach zu klein, als dass eine so markante Galerie gut existieren könnte?

Margarethe Resch: Irgendwann ist das Repertoire für den lokalen Markt erschöpft und man geht auf Messen. Es wurde notwendig, Neues anzubieten. Doch Messen kosten nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Ich war Mutter, mit den Kindern zu Hause, mein Mann arbeitete in seinem Beruf und so haben wir wirtschaftlich überlegt: ist es drin, auf eine Messe zu fahren oder nicht?

Wie bauten Sie sich einen Namen auf? Was war für Sie wichtig?
Peter Resch: Unser Interesse galt seit jeher der zeitgenössischen Kunst. Junge Künstler zu unterstützen und sie weiterzubringen war uns immer ein Anliegen.

Wer gehört(e) zu Ihrem Team?
Meine Frau und ich waren die Initiatoren und wurden in den Anfangszeiten von Erika Tschofönig stark unterstützt. Seit viereinhalb Jahren gehört nun Iris Katholnig zu unserer Galerie.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Künstler, die in Ihrer Galerie ausgestellt wurden, ausgesucht?
Peter Resch: Ich musste ein Vergnügen im Umgang mit ihnen feststellen. Wiepräsentierten sie sich? Konnte ich mir vorstellen, mit ihnen leicht zu arbeiten? Weckten sie in mir Interesse? Es durfte sich nicht von Anfang an kompliziert gestalten.
Margarethe Resch: Man musste spüren, dass ihnen ihre Arbeit wirklich ein Anliegen ist, dass sie ein Thema mit einer bestimmten Ernsthaftigkeit weiterverfolgen. Ein Künstler, der in seiner Arbeit ständig hin und her springt, ist für eine Galerie nicht interessant.

Die Lust an der Kunst war immer dabei, oder?
Peter Resch: Ja, sie war ein wesentlicher Faktor. Sie spielt auch in Richtung Künstler-Auswahl hinein.

Wie kamen Sie zu jenen Künstlern, die Sie ausstellten?
Margarethe Resch: Wir waren viel unterwegs, gingen in viele Ausstellungen, notierten uns Künstler, kontaktierten sie oder Künstler stellten sich selbst bei uns vor.

Ihre letzte ausstellende Künstlerin wird Nina Maron sein. Sie ist Wienerin, ihr Vater ist der legendäre Liedermacher.
Peter Resch: Ja, sie hat schon früh mein Interesse als Malerin auf sich gezogen. Sie fing an mit Micky Mäusen, mit diesen geschlechtslosen Figuren und sie ist eine tolle Frau. Eines Tages erklärte sie mir: Mein Vater würde gerne spielen und so
wird auch diesmal wieder ihre Vernissage (am 7. Dezember) durch ein Konzert von Sigi Maron untermalt. Es ist quasi die Abschlussveranstaltung der Galerie.

Ihre Galerie hat 115 m2 Ausstellungsfläche und präsentierte im Jahr durchschnittlich sieben bis acht Ausstellungen. Warum schließen Sie nach 20 Jahren Ausstellungstätigkeit?
Es ist genug. Die Arbeit ist doch sehr mühevoll und ich tue mir das nicht mehr
an. In Villach und Umgebung ist das Sammler-Potenzial inzwischen zu gering. – Die Leute sind auch viel konservativer geworden. Die Lust, sich junge Kunst anzuschaffen, ist geringer geworden.

Was eigentlich verwundert, denn bringt man sein Geld auf die Bank, bekommt man ohnehin nichts mehr dafür…
Die etablierten Künstler verkaufen sich, die jungen, unbekannten leider schlecht. Renommierte Künstler wie Staudacher, Krawagna, Oman – die könnten wir jederzeit verkaufen.
Margarethe Resch: Ideal ist eine Galerie, die durch Generationen hin aufgebaut wurde. Da hat man einen Fundus, aus dem man schöpfen kann.

Gibt es einen Nachfolger für Ihre Galerie?
Peter Resch: Nein. Es gibt verschiedenste Ideen, wie diese Räumlichkeiten künftig genutzt werden könnten.

Welche Gefühle haben Sie bei dem Gedanken, dass Ihre Galerie die Türen schließt?
Es findet schon seit einiger Zeit eine langsame Trennung statt. Ohne Ärger, ohne Zorn. Doch es ist auch ein wenig Wehmut dabei, wie bei allen Sachen, die
man gern getan hat.
Margarethe Resch: Es ist so, wie wenn Kinder von zu Hause weggehen. Wenn
man merkt, es geht ihnen gut, ist man zufrieden. Man muss loslassen lernen.

Wie werden Sie das Loch füllen, welches die geschlossene Galerie persönlich bei Ihnen hinterlässt?
Peter Resch: Mit noch mehr Kunst, Freunden, der Familie, mit Reisen.

Helga Steiner/Günther M. Trauhsnig


Nina Maron »Last Chance«
Vernissage & Abschlussfest plus Konzert mit Sigi Maron, Gesang, und Andreas Juran, Harmonika: 7. 12. 2012, 19 Uhr
Dauer der Ausstellung: 8. 12. bis 31. 12.
2012 (bzw. bis zum Ende)
Galerie Unart
Kaiser-Josef-Platz 3, Villach
www.galerie-unart.at

So unbeschwert und naiv, wie Nina Marons comicartige Bilder auf den ersten Blick
erscheinen, sind sie natürlich nicht. Das hat eine gewisse Bösartigkeit an sich - mit Wiener Schmäh. Das Amusement, mit dem man die knallbunten, mit Vorliebe in viel zuckerlrosa gehaltenen Motive betrachtet, gefriert bald und weicht einer beabsichtigten Nachdenklichkeit. Aufmüpfigkeit hat die 1973 in Mödling Geborene jedenfalls schon von klein auf mitbekommen als Tochter des kritischen Liedermachers Sigi Maron. Mit ihrem markanten, aus dem Erscheinungsbild der Pop-Art schöpfenden Stil geht sie ihre Themen auf eine einerseits spielerische Art an, die eben untergründig sehr viele Botschaften transportieren.

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