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Denkmäler für Preisträger

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Denkmäler für Preisträger

geschrieben am 30.01.2009 10:40

Janko Messner, aktueller Literaturkulturpreisträger (in der Vor.Lese), und Kulturarbeiter Lipej Kolenik zeigen unbequeme Seiten der Sprache und der Kultur. Doch ihre stets unverwechselbaren „literarischen Landschaften sind voller Buch-Denkmäler“, wie Peter Handke meint.

Lesen Sie gefälligst! forderte Peter Handke von seinem Klagenfurter Publikum anlässlich der Verleihung des Ehrendoktorats an der Alpen-Adria-Universität. Doch was sollten wir lesen? Unter anderem empfahl er uns die Erinnerungen von Lipej Kolenik-Stanko, dessen Todestag sich heuer am 15. Feber zum ersten Mal jährt. 1925 als Bauernsohn in St. Margarethen bei Bleiburg/Πmarjeta pri Pliberku geboren, war ihm, einem Kärntner Slowenen, jegliche höhere Bildung versperrt geblieben. Und dennoch entwickelte er ein Gespür für Sprache, das selbst Peter Handke berührte und beeindruckte. Dieser, von Janko Messner, als „literarischer Sekundenstil“ bezeichnete Weg schien Handke weitaus besser geeignet, die Grauen des heraufdrohenden Nationalsozialismus, des Krieges und vor allem die Gefahren des Widerstandskampfes zu verdeutlichen als jegliche ausgefeilte Prosa. Kolenik war kein Mann der großen Worte, kein Polterer. Lieber hörte er zu, mit einem liebenswerten Schmunzeln in seinen Mundwinkeln. Doch wenn er schrieb, eröffnete er dem Lesepublikum neue Welten. Ein genauer Chronist seiner Zeit war Lipej Kolenik, wie uns seine Erinnerungen zeigen. Kleine Leute auf einem großen Weg – so der slowenische Titel seines ersten Buches (Mali ljudje na veliki poti, slow. 1997, dt. 2001) – ließ er auch in seinem zweiten Buch zu Wort kommen, dessen Veröffentlichung er nicht mehr miterleben konnte. Und doch war sein Ableben der treibende Motor, der das Projekt zu einem raschen Abschluss brachte. Mitherausgeber, Koautoren, Übersetzer und der Drava Verlag waren gefordert.
Wieder war es Peter Handke, der wesentlich zur Verbreitung des Buches beigetragen hat. Bei seinem Abschied von Lipej Kolenik hatte er versprochen, das Werk seines Freundes persönlich vorstellen zu wollen. Im September 2008 war es dann so weit: Im neuen Museum in Neuhaus/Suha lasen Peter Handke und Lojze Wieser aus der deutschen (Von Neuem) und der slowenischen (Znova) Ausgabe. Es sind zum Teil verstörende Blicke auf die unmittelbare Nachkriegszeit, die uns die von Kolenik gesammelten Berichte eröffnen. Innerslowenische Konflikte und die Rolle der Kirche darin bleiben ebensowenig ausgespart wie die Ausgrenzung und Verfolgung von Kärntner Slowenen durch die britische Besatzungsmacht im Klima des Kalten Krieges. Auch Lipej Kolenik selbst war in die Mühlen des Kalten Krieges geraten. Als Aktivist für die Sache der Kärntner Slowenen wurde er immer wieder von den Behörden einvernommen und verhaftet. Lange Zeit blieb er arbeitslos. Erst 1953 erhielt er in der Druckerei Drava eine Stelle als Druckereiarbeiter, die er bis zu seiner Pensionierung 1985 ausübte. Gleichzeitig begann er für die slowenischsprachige Zeitung Slovenski vestnik Berichte aus seiner engeren Heimat zu verfassen. Der Druckereiarbeiter mutierte zum Kulturarbeiter. Zeit seines Lebens engagierte er sich für die ökonomischen und politischen Belange der Minderheit. Vor allem nach seiner Pensionierung war er ein beliebter Gesprächspartner für junge Menschen, die sich für die Zeit der Verfolgung und des Widerstandes interessierten. 2007 wurde er für das international ausgezeichnete online-Projekt www.Zeitzeugengeschichte.de interviewt*. So bleiben seine Erinnerungen nicht nur in Buch-Denkmälern**, sondern auch online erhalten.
Brigitte Entner
Zeithistorikerin in Klagenfurt

Lipej Kolenik, Für das Leben, gegen den Tod.
Mein Weg in den Widerstand. Aus dem Slowenischen von Erwin Köstler. Drava Verlag 2001 (Mali ljudje na veliki poti. Spomini na predvojni, vojni in povojni čas na Koroškem. Drava založba 1997)

Lipej Kolenik u.a., Von Neuem. Die Kärntner Slowenen unter der britischen Besatzungsmacht nach 1945. Zeitzeugen, Beiträge und Berichte. Mit Aufsätzen von Brigitte Entner, Avguštin Malle. Redaktion Mirko Messner. Aus dem Slowenischen von Metka Wakounig. Drava Verlag 2008 (Znova. Koroški Slovenci pod britansko zasedbeno oblastjo po letu 1945. Drava Založba 2008)

*Als großartiger Erzähler ist Lipej Kolenik übrigens auch im Dokumentarfilm „Der Kärntner spricht Deutsch“ von Andrina Mračnikar zu sehen (siehe auch Bruecke u. a. Nr. 65 und Nr. 75). **Peter Handke sagte über diese Erinnerungsliteratur: „Vielleicht sollte man keine Denkmäler errichten für den und den, keine steinernen, vielleicht ist das richtig. aber was bestehen sollte, sind die Buch-Denkmäler. Das sind die luftigsten und lebendigsten Denkmäler.

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