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Der heilige Benedikt & das 4-Sterne-Hotel

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Der heilige Benedikt & das 4-Sterne-Hotel

geschrieben am 08.08.2016 12:59

Wie ein 1000jähriges Stift zum touristischen Vorzeigebetrieb einer ganzen Region wurde.

„Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus. Allen erweise man die ihnen angemessene Ehre.“ Mit dem 53. Kapitel seiner Regeln machte der heilige Benedikt die Gastfreundschaft zu einer tragenden Säule des Klosterlebens. Dieser Tradition ist das Stift St. Georgen am Längsee, bei allem Wandel, den es in seiner 1000jährigen Geschichte erlebt hat, stets treu geblieben. Das älteste durchgehend bewohnte Frauen-Kloster in Kärnten wurde bereits im 19. Jahrhundert teilweise für „Sommerfrischler“ aus Wien und somit für die Anfänge des Tourismus geöffnet. Seit 1959 steht das Haus im Besitz des Bistums Gurk, das es zu einem Bischöflichen Bildungshaus machte und sukzessive zu einem qualitätsvollen Seminarzentrum weiterentwickelte. Authentische Spiritualität verbunden mit den Annehmlichkeiten eines Hotels, das malerisch auf einem Hügel über dem Längsee gelegen ist – dieses Angebot wirkt. 17.000 Nächtigungen verzeichnet das Stift jährlich, hauptsächlich im Geschäftsfeld „Seminartourismus“. Hinzu kommen Sommer-Urlaubsgäste und Tagesgäste, die für Hochzeiten oder Familienfeiern anreisen. Ein Referenzbetrieb der Region zu sein, in den Bereichen Management, Bildung und Tourismus – diese Zielsetzung der Stiftsleitung hat man wohl längst erreicht. Die große Herausforderung, um das Stift in dieser Art touristisch nutzbar zu machen, war und ist der Denkmalschutz. Historische Wandfarben, Original-Querschnitte von Fensterprofilen, Fassadengestaltung – die historische Bausubstanz musste behutsam renoviert werden, um die Qualität eines 4-Sterne-Hauses zu erreichen. Mit Unterstützung des Bundesdenkmalamtes gelang es, den Einzug der neuen Zeit in das Stift so zu gestalten, dass der ursprüngliche Charakter des Hauses nicht verloren ging. Beim Zubau des Gartenrestaurants konnte man durch schlichte Eleganz und eine durchgehende Glasfront ein harmonisches Gefüge mit dem pittoresken Stiftsgarten erzeugen. Bei der Rundum-Erneuerung der 65 Zimmer – in viele der ursprünglichen Klosterzimmer mussten ja erst nachträglich Toiletten und Duschen eingebaut werden – entschied man sich für regionales Understatement: Zirbenholzmöbel und Natursteinböden. Aktuell wird gemeinsam mit den Behörden an geeigneten Brandschutzmaßnahmen gearbeitet, die den Charakter der langen Gänge im Stift nicht zerstören. Die Renovierung und die Instandhaltung der historischen Bausubstanz sind kostenintensiv. Gleiches gilt für den laufenden Betrieb. Dicke Mauern, lange elektrische Leitungen, die Größe der Anlage – auch der Alltag stellt das Stift vor finanzielle und logistische Herausforderungen, die andere Seminarhotels so nicht kennen. Die soliden Mauern der 7.740 m2 an Stiftsräumlichkeiten verursachen auch solide Heizkosten. Der Transport von Pausenverpflegungen von der Küche zu einem der 12 Seminarräume, die auf mehrere Stockwerke und Trakte verteilt sind, oder die Reinigung der rund 300 Fenster des Stiftes haben eine besondere zeitliche Dimension – und zwar eine, die sich auch in höheren Personalressourcen messen lässt. 40 Mitarbeiter beschäftigt das Stift derzeit ganzjährig. Sie stammen „großteils aus der Region“, wie von den Verantwortlichen mit Stolz hinzugefügt wird. Man fühlt sich eben einem größeren Auftrag verpflichtet. Ein Auftrag gegenüber der Region, aber zugleich natürlich gegenüber der Kirche, der Gesellschaft und dem Kulturerbe. Auch das unterscheidet das Stift St. Georgen – dem heiligen Benedikt sei Dank – wohl von dem einen oder anderen seiner Mitbewerber.

Barbara Wedenigg

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