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Der Koller der Kunst

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Der Koller der Kunst

geschrieben am 03.04.2017 16:02

Koller ist ein bekannter Name – im Sport (Marcel Koller), in der Gesellschaft (Dagmar Koller)

und auch in der Kunst – Konrad Koller, hätte heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Koller malt, ohne dabei das Zeichnen zu lassen und als notorischer Unprofessionist, geradezu professionell, auf Ausdruck erpicht (wenn nicht gar expressionistisch): als ein Sonderfall mehr inmitten der an Sonderfällen überreichen österreichischen Bildkunst, eigensinnig in seine sehr persönlichen Anliegen und Marotten verstrickt, aber trotzdem mit einem (nicht unberechtigten!) Anspruch, mitsamt seinen Bildschöpfungen als beachtlich beachtet zu werden, schrieb Otto Breicha (Bruecke 175-176, Seite 52*) anlässlich der Kulturpreisverleihung 1992 über den Menschen und Künstler Konrad Koller. Nach seinem Tod am 25. April 2001 hat sich die Wertschätzung noch um ein Vielfaches gesteigert, wofür Witwe Louise Koller in Lorli Geiger eine unermüdliche Mitstreiterin gefunden hat und so finden anlässlich seines 15. Todestages und in der Vorschau zum 100. Geburtstag (geboren am 5. Juli 1916 in Villach) gleich drei Ausstellungen in Kärnten statt.

Arzt und Künstler. Eigentlich entstammt Koller einer musischen Familie und bereits in früherer Jugend förderte der Vater seinen Wunsch, sich mit Zeichnen und Malen zu beschäftigen. Ein weiteres Interesse galt der Medizin, weshalb er sich an der Universität Innsbruck Medizin zu studieren entschloss. Trotz des Abschlusses 1939 tauchte Koller immer tiefer in die Welt der Kunst und hegte persönliche Kontakte zu Fernand Léger und Herbert Boeckl. Seine wichtigste Inspirationsquelle während seiner ersten großen Malperiode zwischen 1940 und 1950 war neben Modigliani, HerzmanovskyOrlando oder Paul Flora das Werk des deutschen Malers und Autors Max Beckmann (1884-1950). Dabei entstanden unzählige charakteristische feinlinige Tusche-Federzeichnungen, Ölbilder und Aquarelle, die sich u. a. mit dem nicht sichtbaren Inneren des Menschen beschäftigten, und so kreierte er seine persönliche Handschrift, die ihm sogar von Alfred Kubin zugestanden wurde, weiß Stefanie Geiger zu berichten. Durch die Ausstellung im Rupertinum in Salzburg erkannte er selbst mit der Aussage Jetzt weiß ich, ich bin ein Maler die Bedeutung seines Schaffens. Honoriert wurde es durch die zahlreichen Ankäufe des einstigen Direktors des Museums Otto Breicha.

Anerkennung(en). Unzählige nationale und internationale Ausstellungen, Ankäufe und verschiedene Preise und Auszeichnungen, sowie Kunstkataloge und Schriften über Kunst und über das Leben von Konrad Koller selbst, belegen den Wert seines künstlerischen Schaffens. Bereits drei Tage nach seinem Tod erinnerte daran die Ausstellung „Konrad Koller – Fantastisches Gestalten“ mit Ölbildern, Gouachen und Zeichnungen in der Galerie Šikoronja in Rosegg. In einem spannenden Auswahlprozess setzt die Galeristin Marija Šikoronja gemeinsam mit der Familie des Künstlers die damals begonnene Retrospektive nun ein weiteres Mal fort (Vernissage 8.4.).

Drei Orte.
Kollers Werk ist aktueller denn je – er war am Ende seiner Lebenstage sprachlos geworden, künstlerisch aber gerade in dieser Zeit lauter denn je – er wagte den Blick hinaus in die Welt und ließ sich dabei das Träumen nicht verbieten, zitiert ihn Franz Eder (Galerie und Verlag Welz, Salzburg) aus seinem Tagebuch: Gestern hatte ich ein neues Gefühl in mir: Ich war eigentlich immer ich. – Stets in neuer Verkleidung. Einmal als Kind, dann lange Zeit als Paci. – Jugend und Mittelalter. Jetzt als Alter, genannt Altl und bald als Mummelgreis. – Komisch, dachte ich mir, ich war doch immer der gleiche. Warum auf einmal alt?

Die Galerie Atelier 43 in St. Veit/Glan mit 100 Jahre in memoriam (Vernissage 5.4.) sowie die Galerie Freihausgasse (Nichts ist großartiger als das Leben selbst – bis 23.4.) widmet sich seinem malerischen, graphischen und zeichnerischen Oeuvre. In Villach finden auch ein Kinderworkshop mit Simone Dueller (9.4.) und eine Lesung seiner Texte (Für mich ist und war die Kunst immer eine Art glücklicher Liebe, von Heinz Koller mit Musik von Alexander Koller am 15.4.) statt.

Michael Herzog


Literatur: u.a. *Konrad Koller – Eine Werksübersicht zusammengestellt von Franz Eder mit Texten und Notizen, Verlag Galerie Welz, Salzburg 1996, 160 Seiten.

Konrad Koller, geb. am 3. Juli 1916 in Villach; 1946 Arzt in Villach; 1971 Mitglied des Kunstvereins Kärnten. Starb am 25. April 2001, nachdem ein Schlaganfall 1992 sein künstlerisches Schaffen stark verändert hatte. Seit 1954 Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland, zahlreiche Preise. Werke befinden sich im Besitz der Graphischen Sammlung Albertina Wien, des Rupertinums Salzburg, der Modernen Galerie Linz und im MMKK.


da.schau.her

 

Konrad Koller (1916-2001)
Aufzeichnungen aus dem Innersten

Konrad Koller (1916-2001) war von Beruf Arzt, seine Leidenschaft galt jedoch der Kunst. Er schrieb Geschichten, vor allem aber zeichnete und malte er, wann immer es ging. Unter dem Einfluss von Malern wie Boeckl, Clementschitsch oder Kolig entstehen nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Landschaften, Portraits und Figuren in Tempera und Öl. Ab den 1960er Jahren wendet sich der Künstler inhaltlich verstärkt dem hinter den Dingen Stehenden zu. Träume, als Pforten zum Unterbewussten und zur Phantasie, bilden die Basis. Die Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt, seine Tiefen und sein Innerstes rücken ins Zentrum von Kollers Bildwelt, die sich rätselhaft, abgründig und surreal auf seinen Bildern ausbreitet. In der Schwarz-Weiß-Zeichnung findet der Künstler seinen charakteristischen Stil hierfür. Aus einem Geflecht feinster Linien, Gekritzel und Stichlagen lässt er phantastische, skurrile und unheimliche Figuren und Szenerien, meist durchsetzt von einem feinsinnigen Humor, luftig herauswachsen. Später, ab den 1970er Jahren, ergänzt er das feine Gespinst der Linien durch Farbe und überträgt er diese Bildwelt auch in die Malerei. Das Bild „Interieur“ aus der Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK ist diesen Arbeiten zuzuordnen. Ab Mitte der 1980er geht das Grafische in Kollers Malerei wieder zurück, die Figuren werden gefestigter, puppenhaft mit großen Augen und oft bildfüllend. Gelegentlich tauchen Anklänge an die art brut auf.

M.F.

Ausstellungen Konrad Koller:Konrad Koller werden anlässlich seines 100ers heuer gleich drei Ausstellungen in Kärnten gewidmet.100 Jahre in memoriam Galerie Atelier 43 9300 St. Veit/Glan, Botengasse 11 Vernissage 5. April 2016, 18 Uhr Ende der Ausstellung: 30. April 2016Di-Fr 10-12h u. 15-18h oder auf tel. Anfrage: 0650-3908290 galerieatelier43@hotmail.deZeichnungen und Ölmalerei Galerie Šikoronja 9232 Rosegg, Galerieweg 5 Vernissage 8. April 2016, 19 Uhr. Ende der Ausstellung: 8. Mai 2016Fr-So 15-18h oder auf tel. Anfrage: 04274-4422 www.galerie-sikoronja.atNichts ist großartiger als das Leben selbst Galerie Freihausgasse/Galerie der Stadt Villach. 9500 Villach, Freihausgasse Ende der Ausstellung: 23. April 2016Mi, Do u. Fr 9-13h u. 14-18h, Sa 9-15h T: 04242-2053450 oder 0699-17173031 www.villach.at ´

 

 

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