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Diagonales zum Film

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Diagonales zum Film

geschrieben am 11.04.2013 10:07

Während man beim Festival des Österreichischen Films wieder einmal "Glänzende Tage" verbringen konnte und der "Fahrtwind" in die richtige Richtung blies, feierte man in Graz auch mit Josef Dabernig: dem aus Kärnten stammenden Künstler war mehr als eine Personale bei der Diagonale 2013 gewidmet.

Wo man geht und schaut, der aus Kärnten stammende Künstler ist in Graz omnipräsent. So widmete die Diagonale 2013 einer außergewöhnlichen Position des experimentellen Gegenwartskinos eine Personale. Josef Dabernigs bisheriges Gesamtwerk wurde präsentiert: von der ersten Arbeit Wisla (1996) bis zum letzten Film Hypercrisis (2011). Die strukturelle Idee des Nichtzusammenpassens offenbart wie so oft bei Josef Dabernig ihre komische Seite: Noch nie war Alices Wonderland so nahe an den Ruinen des real existierenden Sozialismus (Claudia Slanar). Und nicht nur der Festivaltrailer Panorama stammt von ihm, er hat auch das Diagonale-Maskottchen (eine Hundefigur) geschaffen. Zusätzlich laden das Kunsthaus und die Neue Galerie bis 28. April zu seinen Foto- Arbeiten samt Katalog. Die Bruecke hat ihn zu einer Bilanzierung getroffen.

DIE BRUECKE: Wie fühlt man sich angesichts solcher Festspiele?
Josef Dabernig: Einerseits ist es ein schönes Gefühl, wenn sich Anerkennung breit macht, andererseits lassen sich diese Dinge nicht steuern. Man hat Wünsche, Hoffnungen, Projektionen, an deren Erfüllung man nicht zielgerichtet arbeiten kann. Gerade im Film lagen ja nicht meine Hauptambitionen, das ist eher peripher entstanden. Wenn sich nun in dieser Personale Anerkennung manifestiert, ist das gleichzeitig auch mit Arbeit verbunden.
DIE BRUECKE: Wie kam es überhaupt dazu?
Josef Dabernig: Ausgelöst durch den Gewinn des Diagonale- Preises für Innovatives Kino 2012 (siehe auch vorige Bruecke bzw. Nr. 125/126 und 127/128), wobei man bei einem Preis durchaus auch von Glück sprechen kann, wurde ich eingeladen, die jährliche Kooperation zwischen Kunsthaus Graz und Diagonale umzusetzen. Primär fühle ich mich als bildender Künstler und scheue mich nicht, meine Filme auch als erweiterte bildhauerische Form zu definieren. Sie sind streng genug gebaut, gleichzeitig aber auch dem Erzählkino verpflichtet. Die Stärkung des Narrativen war mir im Zusammenhang mit dessen Auflösung durch die Avantgardegenerationen wichtig.
DIE BRUECKE: Sollte es eine Film-Ausstellung werden?
Josef Dabernig: Nein, ich habe mich auf Fotografie konzentriert, um darin Film als rudimentäre Form mit zu thematisieren. Mein langjähriges Reisezeremoniell ist es, in allen möglichen Gegenden und Städten leere Stadien bzw. Sportplätze aufzunehmen. Diese Orte, die oftmals bereits in Transformation oder Auflösung begriffen sind und auf diese Weise Geschichte ablesbar machen, nehme ich jeweils in ein- und derselben Dramaturgie auf: Ich stell mich an die Mittellinie und beschreibe mit sechs Kleinbildfotos einen Halbkreis von 180°. Dieses strenge Ritual gleicht einem Schwenk mit der Kamera und wird als Panorama Titel gebend für die Ausstellung. Mit den exakt choreographierten Vitrinen an zwei Ausstellungsorten, die in ihrer Innen/Außen-Dialektik selber den Panorama- Gedanken spiegeln, wird dies in den Raum hin erweitert.
DIE BRUECKE: Ist der Festival-Trailer auch ein verbindendes Element?
Josef Dabernig: Es kam die Einladung hinzu, den Trailer zu gestalten, den ich u.a. als Tool interpretierte, die Ausstellung mit dem Festival zu verlinken. Darin schiebt sich ein Hund als Cut-Out-Animation durch ein Recherchefoto des 2000 in Süditalien entstandenen Films „Jogging“. Im zweiten Teil des Trailers wird das siebenteilige Fotopanorama eines 2012 in Chile aufgenommenen Stadions in eine stilisierte Vitrine geräumt. Beide Teile vermitteln zwischen Film und Fotografie und spannen so den Bogen zur Ausstellung Panorama. Der spezifische Hund wurde später als Silhouette abstrahiert, um als Sujet in verschiedensten Formaten (z.B. an T-Shirts oder Taschen) wieder aufzutauchen.
DIE BRUECKE: Wie war der Personale-Eindruck abschließend?
Josef Dabernig: Für mich war es positiv, mit der Ausstellung die Wechselbeziehung zwischen Film und anderen Medien innerhalb meiner Arbeit anzusprechen. Bei der Programmierung der Filme war ich mir mit Barbara Pichler (Festivalleiterin) einig, sie chronologisch zu programmieren, da die Kontinuität meiner Filme ohnehin Dynamik abbildet. Etliche Freunde und Mitwirkende kamen extra angereist und es gab gute Gespräche mit Claudia Slanar (Katalogtext) und Brigitta Burger-Utzer (sixpackfilm). Inhaltlich halte ich die Diagonale für sehr konzentriert und sehe im Nachhinein, dass sich mit meinem Geburtsjahr 1956, dem daraus resultierenden Alter von 56 Jahren und der Jahreszahl 2013 eine Dreifachbelastung mit Filmschau, Trailer und Ausstellung gut durchstehen lässt… (schmunzelt).

Josef Dabernig: Panorama
Das Universalmuseum Joanneum zeigt in Kooperation mit der Diagonale 2013 die Ausstellung an zwei Orten: im Kunsthaus Graz und in der Neuen Galerie Graz – noch bis
28.4.2013 www.museum-joanneum.at u. www.diagonale.at

Josef Dabernig, geb. 1956 in Kötschach-Mauthen.
1975-1983 Studium an der Akademie der bildenden Künste, bei Ferdinand Welz und
Joannis Avramidis (Bildhauerei), Filme seit 1994; lebt in Wien. www.dabernig.net
GMT/BB

Alle Diagonale-Preise 2013 auf einen Blick:
Großer Diagonale-Preis des Landes Steiermark:
Tizza Covi und Rainer Frimmel für
Der Glanz des Tages (Spielfilm)
Bernadette Weigel für Fahrtwind – Aufzeichnungen einer Reisenden (Doku)
Preis Innovatives Kino der Stadt Graz:
Michaela Grill für FORÊT D’EXPÉRIMENTATION
Preis Kurzspielfilm von ServusTV:
Florian Pochlatko für Erdbeerland
Preis Kurzdokumentarfilm der Jury der Diözese Graz-Seckau:
Friedemann Derschmidt für Das Phantom der Erinnerung
Preis der Jugendjury des Landes Steiermark:
Matthias Zuder für Erbgut
Preis Bildgestaltung des Verbandes Österreichischer Kameraleute AAC:
Wolfgang Thaler und Ed Lachmann für Paradies: Liebe (Spielfilm)
Bernadette Weigel für
Fahrtwind – Aufzeichnungen einer Reisenden (Doku)
Preis Schnitt des Verbandes Filmund Videoschnitt aea:
Peter Brunner für Mein blindes Herz (Spielfilm)
Alexandra Schneider für
Fahrtwind – Aufzeichnungen einer Reisenden (Doku)
Preis Sounddesign des Verbandes Österr. Sounddesigner VOESD:
Gerhard Daurer, Peter Kutin und Andreas Pils
für Soldate Jeannette (Spielfilm)
Max Liebich für Fahrtwind – Aufzeichnungen einer Reisenden (Doku)
Preis Szenenbild und Kostümbild des Verbandes
Österreichischer Filmausstatter:
Renate Martin und Andreas Donhauser für Paradies: Liebe (Szenenbild)
Monika Buttinger für Talea (Kostümbild)
Publikumspreis der Kleinen Zeitung:
Marco Antoniazzi und Gregor Stadlober für Schlagerstar
Schauspielpreis in Kooperation mit der VDFS:
Johanna Orsini-Rosenberg für Soldate Jeannette (Spielfilm)
Johannes Nussbaum für Diamantenfieber – Kauf dir lieber einen bunten Luftballon
Preis Innovative Produktionsleistung der VAM
Verwertungsgesellschaft für audiovisuelle Medien:
Wega Film für Amour/Liebe
Großer Diagonale-Schauspielpreis in Kooperation mit der VDFS
(Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden für Verdienste um die öster. Filmkultur):
Maria Hofstätter (erhielt ein Kunstwerk gestaltet und gestiftet von Herbert Brandl)
Diagonale-Trailer: Josef Dabernig

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