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East Sun & West Moon

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East Sun & West Moon

geschrieben am 11.06.2013 15:32

Cultural Identities: Ein imaginärer (musikalischer) Diskurs: Das Musikforum Viktring wird im Juli 29 Konzerte, zwei Ausstellungen, drei Vorträge und drei Filme auf diversen Bühnen zu hören und zu sehen bringen.

EAST of the sun & WEST of the moon

Cultural Identities: Ein imaginärer (musikalischer) Diskurs (beim Festival)

Das Musikforum Viktring wird im Juli 29 Konzerte, zwei Ausstellungen, drei Vorträge und drei Filme auf diversen Bühnen zu hören und zu sehen bringen. Es werden Musiktraditionen aus unterschiedlichen Regionen Asiens sowohl in Reinform als auch in diversen Formen der Fusion zu erleben sein – sei es untereinander oder mit europäischer Musik – um Gemeinsamkeiten und Gegensätze aufzuzeigen. Asien und Europa sind immer noch Paralleluniversen. Zwar gab und gibt es im kulturellen Bereich eine Vielzahl von Künstlern und Musikern, die auf gegenseitige Anleihen und Inspiration setzen, aber ebenso viele widmen sich auch der Pflege und Wahrung ihrer eigenständigen regionalen bzw. künstlerischen Positionen. Sind in Europa die Unterschiede innerhalb der populären bzw. der sogenannten ernsten Musik eher gering, gibt es in Asien (nicht zuletzt aufgrund der immensen geografischen Ausdehnung und der damit verbundenen individuellen Entwicklung der vielfältigen Kulturkreise des Kontinents) ein reich differenziertes Feld verschiedenster moderner wie traditioneller Musikrichtungen. Diesen vielfältigen Strömungen widmet sich der heurige Themenschwerpunkt Asia meets Europe meets Asia. (ERO)

Grundsätzliches: Die globale Vermarktung einer „ethno-durchmischten“ Weltmusik zeitigt zunehmend ein banal verzerrtes wie gefährlich vereinfachendes Weichbild aller ursprünglichen Besonderheiten, Bedingungen und Voraussetzungen der jeweiligen authentischen/originären Musikstile innerhalb ihrer doch ungemein heterogenen Kultur-Traditionen.

east of the sun & west of the moon: Komponisten, Musiker, Wissenschaftler und Publizisten aus Europa & Asien verweisen mit ihren Kommentaren, Analysen und Statements auf die ungeheure Vielfalt eigenständig-musikalischer Gestaltungskreativität.

Ein magischer Diskurs zu den großen und kleinen Unterschieden. Denn nur wer solche (an)erkennt ist zum Dialog und somit zu einer verantworteten Toleranz befähigt.

Ein Statement zum Eigenen und Fremden, zur Nähe und Ferne im kulturellen Selbstverständnis der Menschen zweier Kontinente.

Es gibt kein Heimatland, inmitten fremder Menschen. Gibt es auch deine kleine Hütte nicht mehr, in der du den ganzen Osten aufbewahrst (Yang Lian, Reflexionen zum Buch der Wandlungen)

Was an dir Berg war / Haben sie geschleift / Und dein Tal / Schüttete man zu / Über dich führt / Ein bequemer Weg (Bertolt Brecht, Gedichte)

Der Meister sprach: Ein Mensch, der bar der Menschlichkeit, was sollen ihm die Riten! Ein Mensch, der bar der Menschlichkeit, was soll ihm Ritualmusik! (Konfuzius, Gespräche des Meisters Kung)

Haupt-, Neben- & Ursächliches: Wie weit ist für mich Korea, oder wie nah ist Korea für mich von Berlin aus? Mit dieser Frage lebe ich täglich, beim Komponieren, beim Denken, beim Erinnern. Korea ist wirklich weit, sehr weit. Trotzdem habe ich es keine Minute vergessen. Denn diese räumliche Entfernung ist, besonders für einen Asiaten, so flexibel und so leicht zu verkürzen, weil die Asiaten eine große intuitive Kraft haben. So sind für mich dreißig Jahre vergangen, aber die Erinnerung, wie ich dort gelebt habe, ist wie von gestern, so klar und so frisch ... Meine musikalische Quelle entspringt dort. Insofern ist Korea so weit und trotzdem so nah. (Isang Yun *1917 in Tong Yong – 1995 in Berlin)

Ich bin ein Feind der Weltmusik und ein Freund der Vermengung der Kulturen. Weltmusik ist ein kommerzieller Ausdruck für Schallplattenabteilungen. Die Musikethnologie hat mich interessiert, weil es in Ungarn wegen Bartók und Kódaly üblich war, Volksmusik zu sammeln. Es gehörte sozusagen zum guten Ton, dass ein Komponist auch ein Volksmusiksammler war. (György Ligeti *1923 in Dicsöszentmárton/ Siebenbürgen – 2006 in Wien)

Man kann nicht die Welt mit so vereinfachungssüchtigen Kontrapositionen wie die zwischen WEST und OST verstehen; man muss den Ort erreichen, an dem die Sachen für sich selbst gedacht werden können. (Joji Yuasa *1929 in Koriyama/ Japan)

Ich glaube, dass ich nicht ein einziges Werk komponiert habe, in dem das Wesen der Kultur und Kunst des Volkes nicht irgendwie seinen Niederschlag gefunden hätte. Auf den Straßen und Märkten, in den Häusern und Höfen des alten Tiflis konnte man immer georgische, armenische und aserbaidschanische Volksweisen sowie die verschiedensten Musikinstrumente dieser Völker hören. Natürlich habe ich damals die eigentümliche Polyphonie der Musik dieser Völker – übrigens auch des russischen – völlig unbewusst in mich aufgenommen. (Aram Chatschaturjan *1903 in Tiflis/Georgien – entstammte einer armenischen Kaufmannsfamilie – 1978 in Moskau)

Du kannst westliche oder östliche Musik machen, im Grunde machst du immer nur eine Musik. (Ali Akhbar Khan, indischer Sarod-Spieler *1922 in Ship Shilopur – 2009 in San Francisco)

Jeder Mensch hat die ganze Menschheit in sich. Ein Europäer kann balinesische Musik erleben, ein Japaner Musik aus Mozambique, ein Mexikaner indische Musik. Der Geist ist nicht an bestimmte Formen gebunden. (Karlheinz Stockhausen *1928 in Mödrath/BRD – 2009 in Kürten/ BRD)

Was Musiken unterscheidet, sind eigentlich nur Beigaben – „Accessoires“. Was sie verbindet, ist ihr eigentliches Wesen. (Karl Berger *1935 in Heidelberg – in New York lebender Jazzmusiker)

Durch die Vermählung von Orient und Okzident gelangen wir zu dem neuen Musikstil, zur „Weltmusik“. Ein vorurteilsloses Studium der neueren Musikliteratur lässt leise Zweifel an der Unerschöpflichkeit europäischer Melodik, Tonalität und Rhythmik aufkommen und sehnsüchtig nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten ausschauen, nach neuen Quellen, aus denen die Phantasie schöpfen könnte. (Georg Capellen *1879 – 1934, Musikwissenschaftler – prägte bereits 1906 den Begriff „Weltmusik“)

Coomaraswamy* war derjenige, der mich zuallerst von unserer Naivität hinsichtlich des Orients überzeugt hat. Zu der Zeit – es war gegen Kriegsende ’45 – sagte man immer noch, der Osten und der Westen seien vollkommen fremde, getrennte Entitäten und dass jemand aus dem Westen kein Recht hätte, sich zur östlichen Philosophie zu bekennen. Dank Coomaraswamy* begann ich zu ahnen, dass das nicht stimmte und dass das östliche Denken für einen Menschen aus dem Westen nicht weniger zugänglich sei wie das europäische Denken. (John Cage *1912 in Los Angeles – 1992 in New York)

* Amanda Kentish Coomaraswamy (1877- 1947), Historiker und Philosoph der indischasiatischen Kunst & Kunstgeschichte

Renald Deppe


Geb. 1955 in Bochum. Musikstudium in Essen und Wien. Saxofonist & Klarinettist, Komponist, Interdisziplinäre Projektgestaltungen, Zeichner. Mitbegründer des Jazz-Clubs „Porgy & Bess“ (1994), seit 1998 Lehrtätigkeit in Linz, Mitherausgeber der Kunstzeitschrift KURSIV, seit 2011 Kurator der Aufführungsreihe „Lost & Found“ in der Strengen Kammer des Porgy & Bess.

Musikformum Viktring – Klagenfurt
Das Musikforum Viktring widmet sein heuriges Festival der Begegnung und Auseinandersetzung von Musikern und Musikrichtungen Asiens und Europas. Es werden Ensembles aus vielen Ländern Asiens zu hören sein. Wobei sich die Nationen Asiens und Europas vermischen und dies bzw. die Musiker viel zum Hörgenuss und Verständnis beitragen werden. Die musikalischen Stilrichtungen des arabisch-islamischen Raumes haben dabei eine hervorragende Bedeutung. In einer Diskussionsrunde beim Mahlerhäuschen am 14.7. werden sich Marvan Abado (Libanon), Paul Gulda (Ö), Rahi Sinaki (Persien) und Renald Deppe (Deutschland) mit diesen Themen auseinander setzen.

NEUE WELTEN 2:
Asia meets Europe meets Asia
Vom 10. (Eröffnungskonzert) bis 28. Juli
www.musikforum.at

„pre-opening“ 5.7. Fête du Soleil mit DJ Dorfmeister

Bildklänge – Bärbel Neubauer
Bühnenbilder im Stift, Foyer Freskensaal
Eröffnung: 10.7., 19 Uhr
Stift-Viktring-Str. 25, Klagenfurt-Viktring
Tel.0463/282241

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