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Entdeckung der Stimme

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Entdeckung der Stimme

geschrieben am 01.02.2012 11:51

Die Feinheiten machen sehr oft den Reiz wie auch den Unterschied im Gesang aus. Sopranistin Krassimira Stoyanova will ihre Kunst nicht nur auf den großen Bühnen der Welt präsentieren. Als Kammersängerin der Staatsoper Wien möchte sie ihre Erfahrungen im „Konse“ weitergeben, um die technischen Ziele ihrer Schüler zu verfeinern.

„Ich wollte einfach nur singen“

Früher Geigerin in einem Orchester, heute gefragte Sopranistin an den großen Bühnen der Welt. Kammersängerin Krassimira Stoyanova hält am „Konse“ erstmals einen öffentlichen Workshop ab

Ich war Geigerin und wusste, dass ich eine gute Stimme habe, aber das Singen habe ich als meine zweite Liebe entdeckt, erzählt Krassimira Stoyanova, von der Wiener Staatsoper zur Kammersängerin ernannt. Ich hatte nie Ambitionen, auf der Bühne zu stehen. Ich wollte immer: einfach nur singen, lacht die Operndiva und hat es genau mit dieser Einstellung weit gebracht. Häuser in Tokyo, Tel Aviv, München, Hamburg oder Barcelona buchen die Sängerin – sei es als „Leonora“ im „Trovatore“ an der Washington Opera, als „Liù“ in Puccinis „Turandot“ und „Nedda“ in „I Pagliacci“ an der Met in New York oder als „Mimì“ in „La Bohème“ am Royal Opera House Covent Garden London. Mit Riccardo Muti und den Mailänder Scala-Musikern trat sie zusammen auf. Und auf Wunsch von Placido Domingo sang Krassimira Stoyanova unlängst auch auf dessen Jubliäumsgala. Mit Wien ist die Kammersängerin seit fast 14 Jahren ohnehin eng verbunden und präsentiert sich an der Staatsoper in zahlreichen Rollen von „Donna Anna“ bis hin zu „Desdemona“.

Starsängerin kommt im Februar. Jetzt, zwischen „Othello“ an der Wiener Staatsoper und „Luisa Miller“ an der Deutschen Oper Berlin, führt ihr Weg sie nach Klagenfurt! Vom 9. bis zum 15. Februar kommen im Konse aber nicht nur Schüler des Landesmusikschulwerks sowie Eleven des Landeskonservatoriums unter den Fachgruppenleitern Krassimir Tassev bzw. Gabriel Lipuš in den Genuss vieler Gesangstipps vom Profi. Auch Außenstehende dürfen dabei sein und erleben eine Star-Sopranistin als Gesangslehrerin. Je nach Niveau werde ich entweder an Rollen arbeiten oder technische Ziele verfeinern. Ich hoffe, es werden auch viele zuhören. Da lernt man viel, weiß Stoyanova. Der häufigste Fehler bei jungen Sängern: Die meisten geben zu viel Stimme und können ihre eigenen Kräfte nicht einschätzen. Das ist wie ein Schampus, der explodiert. Der Gesang hat vielleicht mehr Lebensenergie, aber zu viel Kraftaufwand blockiert die Stimme. Und die häufigsten Fehler der Gesangslehrer? Viele haben leider keine Ahnung, sagt sie, und lassen die Schüler zu schnell auf die Bühne. Das ist eine zu große Belastung und ein bisschen gefährlich. Denn ohne gute Basis und Technik kommen bei Stress die Fehler wieder. Wenn viele zu früh engagiert werden, liegt`s aber auch an der Optik. Optik heißt nicht Qualität. Dem Körper, den der Sänger ja braucht, schaden ein paar Kilos mehr nicht!

Basis. Krassimira Stoyanova selbst ist täglich auf Entdeckungsreise mit ihrer Stimme. Es ist so, als wenn man jeden Tag Amerika entdecken müsste. Man analysiert ständig wie in einem Labor die Töne, denkt über jede Phrase nach, hinterfragt, was der Komponist sagen wollte. Man ist nie fertig. Hinzu kommt, dass sich der Körper auch einmal unwohl fühlt, man schlecht geschlafen hat, die Regie dumm ist oder das Kostüm zu eng. In der Metropolitan Opera und an anderen weltberühmten Theatern ist die Organisation sehr gut, alles ist pünktlich. Das ist ein großes Vergnügen, dort zu arbeiten. In Italien ist das nicht so perfekt. Umso wichtiger ist die eigene Stimmsicherheit. Und die slawische Seele? Ich weiß nicht, ob ich als Bulgarin romantischer bin, schmunzelt die Sopranistin, die mit ihrem Mann am besten zuhause am Schwarzen Meer Ruhe findet. Das slawische Volk zeigt generell etwas heißblütiger seine Emotionen. Der Ausdruck ist immer irgendwie extrovertiert. Bulgariens Seele pulsiert also. Auch wenn Krassimira Stoyanova die Leute in ihrer Heimat seit dem EU-Beitritt Bulgariens ein wenig gestresst empfindet. Das ist in vielen krisengeschüttelten Südländern so, dass die Freude und die Fähigkeit zu träumen etwas verlorengegangen sind. Sie selbst hat – ganz egal, wo sie ist – immer Musik im Blut. Auch in Tel Aviv, wo sich Palästinenser und Israeli seit Gezeiten immer wieder blutige Gefechte liefern. Etwas mulmig ist mir schon zumute, im Juli wieder dorthin zu fahren. Aber ich sage immer, wenn etwas passiert, dann passiert es. Ich freue mich zu singen. Und ich muss unbedingt mit meinem Mann dort wieder zum Strand und in die schöne Stadt Jerusalem gehen. Träume leben. Am Hügel des Frühlings.

Mona Decker-Mathes


Krassimira Stoyanova, geb. in Bulgarien, studierte Violine am Konservatorium sowie Gesang und Violine an der Musikhochschule in Plovdiv. 1995 Debüt an der Opera National de Sofia. Stationen: MET u. Carnegie Hall New York, Washington Opera, New Israeli Opera Tel Aviv, Covent Garden, Nationaloper Helsinki, Deutsche Oper Berlin, Hamburger u. Bayerische Staatsoper, Salzburger Festspiele. Seit 1998 eng mit der Staatsoper Wien verbunden, seit 2009 Kammersängerin. Sie hält vom 9. bis zum 15. Februar öffentliche Workshops im Konzerthaus Klagenfurt.

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