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Entspannte Spannung

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Entspannte Spannung

geschrieben am 15.11.2010 10:28

Ängste, Unsicherheiten und die immer hektischere Welt trieben die Menschen in die Flucht. Aber aus diesen Positionen kann auch eine „andere“ Kunst entstehen. Gerald Thomaschütz erhebt die Handlungsweisen der Finanz- und Alltagswelt in Höhen, die ebenso lapidar wie spannend sind.

Lapidare Handlungsanweisungen
11+1 neue Bilder von Gerald Thomaschütz

Gerald Thomaschütz, 1953 in Grades geboren, lebt und malt überwiegend in Sankt Veit an der Glan. Nach einem Studienjahr in Berlin ist er seit kurzem in Venedig aufhältig, während seine Frau und die beiden heranwachsenden Töchter sturmfreie Bude feiern. Seine Glückwünsche für die einhundertelfte Brücke und die 1.111 folgenden bittet er, in Form von (dazu passenden) Bildern anzunehmen. Und mit dem Vorschlag, dem Günther M. Trauhsnig einen Kulturpreis zu verleihen, irgendeiner wird sich schon finden.

Manchmal ist es ja ein Glück, wenn man seinen Professor an der Akademie nicht sehr oft sieht. Das beweist das OEuvre von Gerald Thomaschütz, der dem Hörensagen nach seinen Professor Hollegha nicht besonders mit Anwesenheit betört hat, sondern in dieser Zeit mehr Wert darauf legte, seinen eigenen Weg in der Malerei zu finden. Keine Frage, dass ihm das gelungen ist, unterschiedlicher könnten zeitgleich entstandene Werke ja kaum beeindrucken.

Und doch führen die Stimmungen Holleghas gleich wie Thomaschütz’ wie zufällig tätige Menschen in eine Atmosphäre der entspannten Aufmerksamkeit. Sie werden wissen, was gemeint ist, wenn Sie jemals dem Villacher Vizebürgermeister in seinem Büro gegenüber gesessen sind und ihn und das Bild von Gerald Thomaschütz, das hinter dem Schreibtisch an der Wand hängt, im Blickfeld hatten.

Die Figuren in Thomaschütz’ Malerei zeigen uns, die gegenwärtigen Menschen, unsere lapidare Gegenwart, unsere Ängste, unsere Unsicherheiten, unser Viel-zuklein- Sein in einer Welt, die keine Rücksicht nimmt auf ihre Bewohner, so wie wir auch keine Rücksicht nehmen auf die Welt. Und es sind Figuren, die diese Welt darstellen, keine personifizierten Menschen, denn wir sollen uns – jeder für sich – wieder erkennen können in den wie zufällig wirkenden Situationen, in denen wir uns fühlen wie jemand, der so entspannt da sitzen kann zum Beispiel, dass er das Gefühl bekommt, seine auf dem Tisch liegende Hand wird länger und länger.

In dieser Welt der prototypischen Österreicher, der möglichst die Zukunft linienförmig einschränken wollenden Typen, die hin und wieder an unsere Klassenvorstände und unsere Finanzbeamten zu erinnern imstande sind, wird das Lapidare zum Spannenden, zur Handlungsanweisung.

Einer zeigt uns die gelbe Karte. Ein anderer flieht talwärts, die Farben der Umgebung lassen diese Flucht logisch erscheinen. Drei Mann in einem Boot, augenscheinlich Wirtschaftsbosse, einer sieht durch das Fernglas, einer telefoniert und der dritte liest Zeitung. Werden sie erkennen, was uns in der Zukunft blüht? Oder sehen diese unsere Leitfiguren schon die bis zur Hüfte im Wasser Stehenden auf dem nächsten Bild?

Wenn es denn so etwas geben sollte wie einen malerischen Agnostizismus, dann gibt es ihn bei Thomaschütz, getreu der Bemerkung von Sinowatz: Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert…

Zum Glück fragt ja heute keiner mehr: Ist das erlaubt, so zu malen? Ist diese Handlungsanweisung schicklich? Ist diese Abbildung wahr, gut und schön? Werden wir durch diese Malerei bessere Menschen? Und zum Glück ist es wahrscheinlich gerade deshalb so, dass das alles der Fall ist, wenn wir uns seine Malerei zu Herzen nehmen. Wenn man genau hinsieht, braucht man gar kein Prophet zu sein, um die Zukunft schildern zu können, gerade so, wie es der Künstler tut. Und wenn wir genau hinsehen, werden wir imstande sein, unsere alten Fehler zu korrigieren. Mit den gemalten Handlungsanweisungen des Gerald Thomaschütz.

Georg Gratzer


20. November 2010 bis 7. Jänner 2011
Galerie Magnet
im Palais Fugger,
Theaterplatz 2, Klagenfurt
„Berliner Bilder“ und anderes …
SA 12 - 17 Uhr u. MO - FR 15:30 - 19:30 Uhr

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