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Europäische Bildermächte

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Europäische Bildermächte

geschrieben am 03.03.2008 09:00

Zwischen St. Paul und Bleiburg treffen sich die Mächte des Wortes und der Bilder. Ein Vorausblick zur Europaausstellung 2009 mit Werken von Anton und Cornelius Kolig bis Max Weiler.

Gemeinsam mit dem Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal ist die Stadt Bleiburg Veranstalter der großen Europaausstellung 2009 „Macht des Wortes – Macht des Bildes“, die seitens der Kulturabteilung des Landes Kärnten stark forciert und gefördert wird.

St. Paul begibt sich mit „Macht des Wortes – Benediktinisches Mönchstum im Spiegel Europas“ auf die Spuren des europäischen Mönchstums. Es ist erstaunlich, dass vieles, was wir mit dem Begriff Europa in Verbindung bringen, seine Wurzeln in den Klöstern hat. Der „Macht des Wortes“, seiner Bedeutung in Bewahrung und Verbreitung von Glauben und Wissen durch die mittelalterlichen Klöster wird in Bleiburg „die Macht des Bildes“, die Fähigkeit der Bilder in der Erscheinung Sinn und Bedeutung zu schaffen, gegenübergestellt. Herausragende Werke unserer Zeit bieten eine anschauliche Ergänzung zu den in St. Paul behandelten historischen Zeiträumen. Der „Europagedanke“ wird in St. Paul in der Geschichte des über ganz Europa ausgebreiteten, an keine Staatengrenzen gebundenen Mönchstums als Bewahrer von Schrift und Wissen sinnfällig. Doch gerade die Künstler mit ihren Werken haben viele Entwicklungen sichtbar vorweggenommen und in ihren Bildern dem oft noch gar nicht sprachlich benannten neuen Empfinden Ausdruck verliehen. So ist die „Klammer“ der beiden Ausstellungsteile sicherlich in dem jeweils eigenen Vermögen von „Schrift“ und „Bild“ zu sehen.

Der Betrachter erfährt, wie große österreichische Künstler des 20. Jahrhunderts Visionen von Transzendenz und Göttlichkeit in ihren Bildern zu zeigen vermochten. Der Bogen der über 50 ausgewählten Künstler reicht von Albin Egger-Lienz (Personale im Leopoldmuseum in Wien), Alfred Kubin, Egon Schiele und Oskar Kokoschka über Anton Kolig, Herbert Boeckl, Max Weiler, Maria Lassnig und Arnulf Rainer bis zu Hermann Nitsch und Hubert Schmalix. Dabei erstaunt die enorme Vielfalt der Positionen. Ist doch eben diese Vielfalt einzelner Stimmen auch eine besondere Eigenschaft des Vereinten Europa, in dem die Ausschließlichkeit eines Gottesbildes im Aufeinanderprallen der Religionen kaum mehr zu fordern ist.

Die Fülle der ausgewählten Werke in den verschiedensten Techniken ergibt gleichzeitig einen eindrucksvollen Überblick über die Geschichte der österreichischen Moderne, deren Besonderheit und Eigenart im Kontext der Entwicklung der europäischen Kunst des 20. Jahrhunderts zur Darstellung kommt. Dabei zeigt sich in verblüffender Weise, wie sich alle Künstler – sei es im Zentrum, sei es am Rande ihres Werkes – dem Thema des Göttlichen gestellt haben. Die vertretenen Positionen reichen von vielfältigen – keineswegs nur christlichen – Zeichen des persönlichen Glaubens über das phantastisch Visionäre bis zum ketzerischen Sich-Wundreiben an einer alten, überbordenden barock-katholischen Bildund Anschauungstradition. Wie haben die Künstler, jeder Einzelne von ihnen, Göttlichkeit erlebt? Dies wird zur zentralen Frage der Ausstellung.

Besondere Berücksichtigung erfährt in der von Prof. Wieland Schmied kuratierten Ausstellung das im Museum beheimatete Werk Werner Bergs, der nach der Zurückweisung seines Altarwerkes von 1933 durch kirchliche Institutionen in der Serie seiner „Betenden“ Göttliches nur mehr in der Form des Abwesend Anwesenden darzustellen trachtete.

Erstmals zugänglich wird auch der dem Museum angeschlossene Skulpturengarten mit Meisterwerken zeitgenössischer Bildhauerkunst. Weitere Attraktionen des Bleiburger Teiles der Europaausstellung werden der „Europaplatz“ rund um die gotische Stadtpfarrkirche, in der Valentin Omans Piraner Kreuzweg gezeigt wird, und die von der Künstlerin Meina Schellander gestaltete „Stätte der fünf Weltreligionen“ sein. Mit den Europafesten und dem Tanzfestival, in dem ein eigens für diesen Zweck geschaffenes Werk von Johann Kresnik und Karlheinz Miklin zur Uraufführung kommt, bietet Bleiburg ein reichhaltiges Rahmenprogramm von musikalischen Darbietungen aus den Staaten der Europäischen Union bis zu aktuellster performativer Kunst. Die folgenden Gedanken Asger Jorns mögen die Neugier auf eine spannende Ausstellung wecken:
Eine kynische Richtung in der atheistischen Theologie hat sich mit dem Schlagwort: Gott ist tot, durchgesetzt. Ich werde … erklären, dass die Götter immer da sind und zwar alle, und dass nur ihre Bilder sich ändern. Das erkennt nur derjenige am schärfsten und am genauesten, der ihre Bilder anfertigt, nämlich der Bildkünstler. Wer sagt: „Gott ist tot“, der sagt nur, dass die Bildkunst tot ist. Es tötet sich aber nicht so leicht. Die vielen Ikonoklasmen haben nur dazu beigetragen, dass neue Bildformen die veralterten abgelöst haben.
Harald Scheicher

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