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Europas Bilder und Wörter

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Europas Bilder und Wörter

geschrieben am 03.11.2009 10:37

Die Bruecke möchte darauf hinweisen, dass die Europaaustellung in St. Paul und Bleiburg nur noch bis zum 8. November zu sehen ist. Für alle, die dieses kulturelle Großereignis nicht versäumen wollen, bietet die aktuelle Ausgabe einen Überblick über die „Macht des Bildes“ und die „Macht des Wortes“.

Dass Visionen der Barockzeit einige hundert Jahre später Wirklichkeit werden, zeigt das Beispiel des Stiftes St. Paul im Lavanttal. Im 17. Jahrhundert wollte Abt Hieronymus Marchstaller dem Kärntner Kloster die Gestalt des Escorials in Madrid geben. Das kühne Vorhaben scheiterte an hohen Abgaben einer schwierigen Zeit. Es blieb Vision. Viele Räume im Kellerbereich blieben seit dieser Zeit beinahe ungenutzt und überdauerten einen langen Dornröschenschlaf, ehe sie durch die Idee der Europaausstellung 2009 wach geküsst werden konnten. Heute ist dort, wo vor etwas mehr als einem Jahr noch Leere herrschte, reges Treiben. Besucher tummeln sich in Scharen, um die großartigen Kunstwerke zu betrachten, denen heute dieser Bereich des Stiftes Heimat ist.

Bibliothek. Eine neue Bibliothek entstand in mehreren Räumen, deren Gewölbe durch die Vielfältigkeit der verwendeten Materialien beeindruckt. Stein, Ziegel, Marmor und Spolien des alten Klosterbaues verschmelzen zu einer architektonischen Symphonie. Moderne Bücherregale bereiten diesem harmonischen Empfinden keineswegs einen Abbruch, sondern verstehen sich als architektonische Antwort auf Bestehendes. In ihnen ruht einer der bedeutendsten Bücherschätze Österreichs. Während in der untersten Etage der Bibliothek die Drucke ab dem 16. Jahrhundert ein gewachsenes Bild entstehen lassen, eröffnen die Handschriften und Inkunabeln im darüber liegenden Stockwerk ein wahres Feuerwerk von Superlativen der europäischen Buchkunst. Vom ältesten Buch Österreichs aus dem 5. Jahrhundert bis hin zum ersten Druckerzeugnis Gutenbergs spannt sich der Reigen, aus dem innerhalb des Museums bedeutende Werke alternierend ausgestellt sind. Eigene Räumlichkeiten in der sogenannten „Sala Terrena“ bieten den entsprechenden Rahmen dafür.

Galerie und Schatzkammern. Eine Wanderung durch das neu geschaffene Stiftsmuseum gestaltet sich zu einem Abenteuer. Zunächst sind es die uralten Gewölbe, die das Flair des Mittelalters lebendig halten, während sich nach und nach die Raumstruktur des 17. Jahrhunderts Platz schafft. In weiten Sälen und proportional ausgezeichnet komponierten Kabinetten ist alles, was Rang und Namen innerhalb der europäischen Kunstgeschichte hat, vertreten. Von beeindrukkenden Silber- und Goldschmiedearbeiten des Mittelalters, romanischen Textilien und kunstvollen Tafelmalereien der Gotik reicht der Bogen über barocke Kostbarkeiten aus Augsburg und anderen Zentren der Goldschmiede bis hin zu einer der umfassendsten Gemälde- und Grafiksammlung des Landes. Ob Rubens, Rembrandt, Dürer, Van Dyck, Brueghel oder Leonardo Da Vinci oder die Vertreter der österreichischen Malerei des 18. Jahrhunderts wie Troger, Kremser Schmidt oder Rottmeier – sie alle schaffen Begegnung mit dem Vergangenen mehrerer Epochen. Geschichte wird zum Anfassen. Neben den Originalen sind multimediale Stationen hilfreiche Führer durch die Historie eines an Eindrücken reichen Benediktiner-Klosters.

Hemisphärensaal. Der Griff nach den Sternen ist ein uralter Wunsch des Menschen. Wenngleich die Versuche des Menschen im Mittelalter und in der Neuzeit dieser Sphäre habhaft zu werden noch unbeholfen waren, so ist allein die Deckenmalerei des Raumes ein beeindruckendes Beispiel solchen Mühens. 1683 wurden die Malereien in Anlehnung an den Palazzo Farnese und das Schloss Ambras geschaffen. 2009 sind die Fresken das erste Mal ungestört zu betrachten. Die Bibliothek wurde in den Keller verlagert und der Raum gewann so seine Freiheit zurück. Heute ist der Saal ein seltenes Dokument für die Vorstellung des Weltbildes am Ende des 17. Jahrhunderts.

Barockgarten. Von jeher gelten die Benediktiner als Gärtner Europas. Ein Jahr nach der Entdeckung Amerikas, 1493, waren die ersten Benediktiner aus dem katalonischen Kloster Montserrat mit Kolumbus auf dem neuen Kontinent und staunten über die Vielfalt der Flora. Nicht zuletzt ist es diesen Mönchen zu verdanken, dass die Kartoffel ihren Weg nach Europa gefunden hat. Aber nicht nur Nutzpflanzen etablierten sich, sondern auch die Kunst der Ziergärten erlebte in der Barockzeit einen entscheidenden Impuls. Weitläufige Parks und Gartenanlagen entstanden um die Klöster und spiegeln das Lebensgefühl dieser Zeit wider. In St. Paul lag dieser Barockgarten lange Zeit brach, ehe er im Zuge der heurigen Europaausstellung mit neuem Leben erfüllt wurde. Zwischen den beiden durch den italienischen Architekten Pietro Rudolfo errichteten Schlösschen erlebt der Besucher die Pracht barocker Formentfaltung. Angeschlossen an den Prunkgarten ist ein Kräutergarten, der auf das benediktinische Ideal des Heilens reflektiert. Die berühmte Benediktinerin Hildegard von Bingen hat in ihren Schriften die Kräuter und ihre Heilkraft beschrieben. Wer nach dem Besuch des Gartens Lust zur Einkehr hat, findet diese im Gartencafé Belvedere oder kann aus der Kräuterapotheke manches gewachsene Kraut mit nach Hause nehmen.

Europaausstellung. Die Geschichte des Mönchtums klingt auf das erste Hinlesen nach einer Retrospektive einer geistlichen Strömung. Wer sich mit dem Mönchtum, besonders dem benediktinischen, aber detaillierter auseinander setzt, wird erfahren, dass es europäische Geschichte geschrieben hat. Nicht nur als Geistesströmung, sondern vielmehr noch als eine Bewegung, die Europa bewegte: geistig, wirtschaftlich, politisch. Dieser Geschichte spürt die Europaausstellung im Stift St. Paul nach. Einzigartige Exponate aus ganz Europa schildern das Werden einer neuen Welt, nachdem das Römische Imperium untergegangen war. Das Spektrum der Ausstellung umfasst die Frühzeit des Ordens im 6. Jahrhundert, spannt sich über die große Blüte in der Karolingerzeit und schildert schließlich das Erstehen aus der Asche der Reformation und der Kriegszeit des 17. Jahrhunderts. Im Barock entstanden die großen Abteien neu, die Zentren von Bildung, Kunst und Kultur wurden.

Die Ausstellung führt das „Who is Who“ europäischer Kunstgeschichte zueinander. Neben den Merseburger Zaubersprüchen, die im Kloster Fulda entstanden, sind einzigartige astronomische Schriften, Prachtkodices aus dem Vatikan und sogar ein Autograph von Martin Luther zu sehen. Der kleinste Erdglobus von Vincenzo Coronelli befindet sich inmitten einer Fülle von astronomischen Geräten aus allen Teilen des Kontinents. Beeindruckend ist die Vielzahl an Silberschmiedearbeiten, die von einem Tragaltar des Roger von Helmarshausen bis hin zum goldenen Prunkkelch Kaiser Karls VI. reicht. Die Schatzkammer sowie die Kunstund Wunderkammer schildern die Höhepunkte künstlerischen Schaffens in Europa. Die Ausstellung endet mit einer Darstellung des Klostersturms am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mit dem Ende der Klöster gingen viele bedeutende Kunstschätze unter. Das Stift St. Paul allerdings wurde 1809 wiederbesiedelt und mit den Mönchen aus dem Schwarzwald kam eine der bedeutendsten Kunstsammlungen des deutschen Sprachraums nach Kärnten.

Kristalldom. Wo sich im 11. Jahrhundert das höfische Leben tummelte und der Rittersaal das Zentrum der mittelalterlichen Burg bildete, ist heute Erlebnis pur angesagt. Die uralten Gewölbe wurden mit Licht und Treppen inszeniert und laden zum Abtauchen in eine andere Welt ein. Der Besucher wird auf Stegen durch diese Zeitreise geführt. Neben der Schöpfung in fantastischen Bildern inmitten eines Spiegelkabinetts erlebt er das Leben des hl. Benedikt – erfährt aber auch in einer beeindruckenden Inszenierung vom Wesen des benediktinischen Mönchtums. Spannend ist der Sternenhimmel im Eckturm, der den Griff nach den Sternen zeigt, gleichzeitig aber den Blick bis zu den Fundamenten des Klosters freigibt. Eine Glaskiste mit über 4000 Kristallen schwebt im Raum und drängt den Besucher, aus den tiefen Gewölben noch einmal zehn Meter hinunterzusteigen.

Kinder- und Tischkultur. Nicht vergessen hat man im Stift St. Paul auf die kleinen Gäste. So können sich die Kinder gemeinsam mit dem Klosterkobold Muki auf Entdeckungsreise und die Suche nach den geheimen Zaubersprüchen begeben. Nach erfolgreicher Rätselrallye wartet eine kleine Überraschung im Museumsshop. Die Erwachsenen wiederum können neben der spannenden Ausstellung auch bei einem guten Gläschen Stiftswein der Tischkultur frönen oder sogar Klostergeheimnisse aus Küche und Keller (von Gerfried Sitar u. Helmut Tatschl) erfahren. Das Kochbuch entführt mit seinen Rezepten und Geschichten aus der Bibliothek in die Welt der historischen Tische und Tafeln und lädt in das Reich der Klosterkeller ein.

Jugendbonus. Nicht nur für Kinder, auch für die Jugend soll die Ausstellung ein wertvoller Bildungsbeitrag sein. Deshalb werden 50 Schulklassen aus ganz Kärnten eingeladen, die Europa-Ausstellung kennenzulernen. Um auch einmal auf den Spuren des europäischen Mönchtums zu wandeln und europäische Geschichte hautnah mitzuerleben, übernimmt EU-Landesrat Josef Martinz die Finanzierung der Busfahrt nach St. Paul bzw. Bleiburg. Es verbleiben daher als Kosten nur mehr der Eintrittspreis. Organisiert wird der (Halb)Tagesausflug vom Europa-Büro des Landes Kärnten.

Bau-Geschichte. Gemeinsam mit dem damaligen, leider tragisch ums Leben gekommenen Landeshauptmann Jörg Haider wurde bereits 2004 die Idee einer Europaausstellung geboren. Hand in Hand damit ging in der mehr als 900 Jahre alten Benediktinerabtei eine der größten Umund Ausbaumaßnahmen der letzten Jahrhunderte vor sich.

Zahlreiche Visionen wurden durch das Völkermarkter Architekturbüro Josef Klingbacher unter der Bauleitung von John Domen in kürzester Zeit in die Realität umgesetzt – u. a. ein Regalkonzept für die in den ehemaligen Kartoffelkeller gesiedelte Bibliothek, um alle 180.000 Bände stilvoll und Platz nutzend unterzubringen. Die ca. 4000 Handschriften und Inkunabeln erhielten ein Stockwerk über der heutigen Schaubibliothek – ebenfalls neue Räume, die klimatisch optimal sind und darüber hinaus auch den Wissenschaftlern aus aller Welt, die jährlich ins Lavanttal kommen, ein geeignetes Arbeitsumfeld bieten.

Die Fresken im Hemisphärensaal wurden durch Karma Hoke und Leo Eder grundlegend restauriert und lassen den neuen Veranstaltungsort in Glanz erstrahlen. Im neuen Stiegenhaus wurde ein Liftschacht in die Mauer geschnitten, der alle vier Geschosse miteinander verbindet ohne die Harmonie des Bauwerks zu zerstören. Auf den Boden und die antiken Fresken wurde besonderes Hauptaugenmerk gelegt.

Völlig ungenützt fristeten die herrlichen Räume im Untergeschoss des Westtraktes über Jahrhunderte ihr Dasein. Nun konnte die Sala Terrena ebenso revitalisiert werden wie der Stiftshof vor der Basilika, wobei der Brunnen aus dem Jahr 1717 wieder in den Mittelpunkt gerückt wurde. Durch die Europaausstellung wurde es möglich, den Barock- und Kräutergarten zu erhalten und so nicht nur für Gäste des Klosters, sondern auch für die heimische Bevölkerung ein attraktives Naherholungsziel zu schaffen.
MH/BB

Termin:
Benediktiner Stift St. Paul
St. Paul, Hauptstraße 1
T +43/4357/20 19 0
täglich von 10 bis 18 Uhr
Gruppenführungen nach telefonischer Vereinbarung
Öffentliche Führungen täglich 11, 13:30 und 15:30 Uhr
www.europaausstellung.at
bis 8. November!

Vorteil dank Bruecke-Abo:
Ermäßigter Eintritt für die EUROPAAUSSTELLUNG mit der KULTUR-CARD – und zwar in St. Paul UND Bleiburg!

Verlosung von 3 x 2 FREIKARTEN! Einfach E-mail an bruecke@ktn.gv.at

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