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Fremde Nähe – Nahe Fremde

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Fremde Nähe – Nahe Fremde

geschrieben am 03.10.2015 15:18

Die neuen St. Veiter Literaturtage feiern ihr erstes Jubiläumslesefest.

Im fünften Jahr seines Bestehens lädt der von Ernst Zuchart ins Leben gerufene und von ihm gemeinsam mit seinen Mitstreitern Hermann Höfernig und Mario Wilplinger geführte „Verein St. Veiter Literaturtage“, der im Laufe der Jahre die – in chronologischer Reihenfolge – Schriftsteller Alois Hotschnig, Maja Haderlap, Florjan Lipuš, Paul Nizon, Antonio Fian, Leo Tuor, Karl Valentin interpretiert von Wolfram Berger, Händl Klaus, Peter Esterházy, Josef Winkler, Gertrud Leutenegger, Olga Martinova, Sibylle Lewitscharoff und nochmals Maja Haderlap gemeinsam mit dem Gitarrenvirtuosen Primus Sitter in den Rathaushof von St. Veit an der Glan brachte, zu seinem ersten kleinen Jubiläumslesefest.

Das heurige – wie all die Jahre zuvor von Klaus Amann federführend gestaltete – dreitägige Programm vom 6. bis 8. November „Fremde Nähe – Nahe Fremde“ stellt eine Autorin und zwei Autoren vor, deren geographische wie sprachliche Heimat ganz Europa ist.

Den diesjährigen roten Faden begeht am Freitag als Erster der in Landeck (Tirol), Tunis und Zürich aufgewachsene Raoul Schrott. Er studierte in Norwich, Paris und Innsbruck, war Lektor in Neapel, Gastprofessor in Berlin, gemeinsam mit Christoph Ransmayr Poetik-Dozent in Thübingen und ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Schrotts vielfach ausgezeichnetes (u.a. Leonce-und-Lena-Preis, Berliner Literaturpreis) literarisches Werk ist äußerst vielschichtig und umfasst neben Romanen, Gedichten, Dramen, Essays und Reiseprosa auch Übersetzungen wie die altgriechischen „Bakchen“ oder das babylonisch-akkadische „Gilgamesch Epos“. Sein literaturwissenschaftlich am meisten beachtetes Buch ist seine Neuübersetzung von Homers „Ilias“.

Am Samstag folgt die bei Bonn aufgewachsene, über ein Jahrzehnt in London und nun in Berlin und im ungarischen Battonya lebende Slawistin Esther Kinsky. Die Autorin, die russische, polnische und englische Literatur ins Deutsche überträgt, hielt heuer im Musil-Institut, dem langjährigen Kooperationspartner der Literaturtage, die Festrede zur Verleihung des Österreichischen Staatspreises für literarische Übersetzung. Ende der Achtzigerjahre begann sie Kinderbücher zu veröffentlichen, das Grenzgängerstipendium ermöglichte ihr längere Reisen nach Ungarn, Rumänien und Serbien und diese Eindrücke sind in ihren Romanen „Sommerfrische“ und „Banatsko“ sowie im Lyrikband „Die ungerührte Schrift des Jahres“ nachzulesen. Neben zahlreichen anderen Preisen wie den Paul-Celan-Preis erhielt sie zuletzt den Kranichsteiner Literaturpreis für ihren Roman „Am Fluss“. Nun erscheint ihr neues Buch „Karadag Oktober 13, Aufzeichnungen von der kalten Krim“ (die Bruecke bringt dazu einen Vorabdruck in der aktuellen Ausgabe).

Die Matinee am Sonntag gehört, wie im Vorjahr, der Lyrik und der Lyra: Christoph W. Bauer und Oliver Welter. Der im Kärntner Kolbnitz geborene Vagant und Weltbürger Bauer hat heute seinen Hauptwohnsitz in Innsbruck. Seine Lyrik versteht der Dichter als den Versuch des Weiterschreibens vorgegebener Traditionen, sich selbst bezeichnet er als poeta legens, der in den Werken der Weltliteratur lesend jene Stoffe findet, die er im unverwechselbaren Tonfall abwandelt, erneuert und weiterdenkt. So steht sein Lyrikband „mein lieben mein hassen mein mittendrin du“ zum einen im Zeichen des römischen Dichters Catull, verweist aber auch auf Lieder der deutschen Band Die Toten Hosen und das eigene Gefühlsleben. Seinem Romandebüt „Aufstummen“ folgten drei Bücher, die sich mit der Geschichte Innsbrucks beschäftigten und der Erzählband „In einer Bar unter dem Meer“. Er erhielt für sein Werk u.a. den Outstanding Artist Award für Literatur, den Tiroler Landeskulturpreis oder den Kärntner Lyrikpreis (2014; siehe auch Bruecke 159/160 und 161/162). In St. Veit wird der Poet von Oliver Welter, dem Texter und Sänger der Kultband Naked Lunch, musikalisch begleitet. Bruecke-Kolumnist Welter (siehe Seiten 36 und 43 der aktuellen Bruecke), der auch für Bühne und Kino, zuletzt für die schwarze Woschitz-Komödie „Bad Luck„ und den Scharang-Film „Jack“, komponiert, ist die kongeniale Live-Ergänzung zu Bauers eigener Wiedergabe seines neuen Vagantenliederzyklus: dem ruf einer böhmin folge ich ans meer / bin zögling in der schule der geläufigkeit / mit einem hausierer gehe ich meiner wege / bald stehe ich vor einem katzensilberkreis

Wilhelm Huber


5. St. Veiter Literaturtage (Rathaushof): Fremde Nähe – Nahe Fremde

6. November 2015, 19.30 Uhr: Raoul Schrott (Einführung: Klaus Amann)
7. November, 19.30 Uhr: Esther Kinsky (Einführung: Klaus Amann)
8. November, 11 Uhr: Christoph W. Bauer. Musikalische Begleitung: Oliver Welter (Einführung: Wilhelm Huber)



www.literaturtagesanktveit.at

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