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Fresach ladet ein

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Fresach ladet ein

geschrieben am 08.04.2011 16:47

Die Landesausstellung011 möchte nicht nur „glaubwürdig bleiben“, sie hält auch ein einzigartiges Vermittlungskonzept mit neuen Formen und Personen bereit. Pfarrer Lutz Lehmann verrät in der Bruecke wie er die Kirche lebendig machen möchte und welche Geschichte(n) auf die Besucher wartet/n.

Eine Landesausstellung über Geschichte und Leben einer Kirche

Ein neues Vermittlungskonzept mit neuen Formen und Personen

Die Landesausstellung 2011 „Glaubwürdig bleiben. 500 Jahre protestantisches Abenteuer“ in Fresach will die Geschichte der Evangelischen in Kärnten im Zusammenhang der Kärntner Landesgeschichte und der europäischen Geistesgeschichte als Tradition einer lebendigen Kirche erzählen.

Dazu sind – auf dem Grundstock des Bestandes des vor 50 Jahren begründeten Diözesanmuseums – wertvolle Exponate zusammengetragen worden. Sie werden in einem neu errichteten, in einem Architektenwettbewerb ausgewählten Museum des Büros marte.marte präsentiert und illustrieren den Verlauf der fünf Jahrhunderte. Einige Daten dieser Geschichte erleben 2011 zudem ein Jubiläum: vor 230 Jahren beendete das Toleranzpatent Kaiser Joseph II. eine 180 Jahre lange Verfolgungszeit, vor 150 Jahren brachte das Protes tantenpatent Kaiser Franz Joseph I. weitgehende Gleichberechtigung und 1961 machte die Republik mit dem Protestantengesetz eine freie Kirche im freien Staat möglich.

Fresach 2011 unterscheidet sich von anderen Großausstellungen dadurch, dass das inhaltliche Konzept nicht nur von Historikern und Ausstellungsdesignern entwickelt wird, sondern dass die Evangelische Kirche direkt am Konzept beteiligt ist und das Leitbild gestaltet hat: Diese Landesausstellung will nicht nur Wissen vermitteln und unterhalten, sondern die Besucher auch zum Nachdenken und zu eigener Auseinandersetzung mit den Themen Überzeugung / Glauben / Glaubwürdigkeit und Gegenwartsbedeutung der Geschichte anregen. So soll sie einen Beitrag zu Toleranz und Dialog leisten.

Eine lebendige Kirche lädt ein. Die Evangelischen aus Kärnten und Osttirol sind dabei in mehrfacher Weise direkt an der Ausstellung beteiligt: jede der 33 Gemeinden gestaltet eine Stele auf dem „Weg der Gemeinden“, der vom Eingang ins Ausstellungsgelände zum neuen Museum führt. Alle Stelen haben die gleiche Basis, aber an den unterschiedlichen Plastiken, mit denen jede einzelne Gemeinde darauf ihre Sicht von Kirche darstellt, zeigt sich die Unterschiedlichkeit und Vielfalt evangelischen Lebens in unserem Land, zu der die Geschichte geführt hat, die in der eigentlichen Ausstellung gezeigt wird. Jede Gemeinde wird zudem während der Ausstellungszeit in Fresach einen der Sonntagsgottesdienste gestalten, Samstag und Sonntag wird es am Ende des Ausstellungstages eine Andacht im alten Bethaus geben. Auch am Rahmenprogramm sind Gemeindegruppen beteiligt.

Das Vermittlungs-Konzept. Einen besonderen Schwerpunkt setzten Jugendliche aus ganz Kärnten im Rahmen eines eigens für diese Ausstellung entwickelten Kulturvermittlungs-Konzepts: Fast hundert junge Menschen haben sich freiwillig für dieses Projekt gemeldet und werden bei dieser Landesausstellung über eine lebendige Kirche als Kulturvermittler die Verbindungen von Geschichte und Gegenwart sichtbar machen. Zwei Wochen lang leben jeweils acht von ihnen gemeinsam im Fresacher Guidehaus und übernehmen die Verantwortung dafür, dass die Besucher nicht nur alle wesentlichen Informationen bekommen, sondern sich anhand der Schau mit Fragen zu Glauben, Überzeugung und Toleranz auseinander setzen können.

Um dazu in der Lage zu sein, haben die Jugendlichen an einem umfangreichen Ausbildungsprogramm teilgenommen, das vom Umgang mit historischen Materialien bis zur Rhetorik, von der Erarbeitung von Gegenwartsbezügen bis zur Vermittlungsarbeit selbst gereicht hat. Gestartet wurde im Juli 2010 mit einem viertägigen Camp in Fresach. Es folgten mehrere Seminar- Tage mit Stadt- und Museumsführungen und ein Tag in der Diakonie. Dazu kommt die persönliche Auseinandersetzung mit den vorzustellenden Exponaten anhand eines von den Ausbildungsreferenten entwickelten Handbuches und intensives Training in der Ausstellung selbst sowie tägliches Feedback und persönliche Betreuung während ihrer Tätigkeit.

Viele Ausstellungsstücke werden erst lebendig und in ihrem Zusammenhang verständlich, wenn man ihre Geschichte und die der Menschen kennen lernt, die sie verfertigt oder benützt haben. Man muss „mit ihnen ins Gespräch“ kommen, um sie schätzen zu können. Um so ein Gespräch in Gang zu bringen, ist für diese Ausstellung die „Partner-Führung“ entwickelt worden: die Guides begleiten die Besucher zu zweit und sind schon durch ihre Kleidung als Repräsentanten von Gegenwart und Vergangenheit zu erkennen.

Um dies originalgetreu in Szene zu setzen, haben Schüler der WI`MO-Modeschule Klagenfurt die Kleidung von Kärntner Bauern des 16. Jahrhunderts recherchiert, Entwürfe und Schnittzeichnungen erarbeitet und schließlich 20 Modelle in Handarbeit gefertigt. Ein Guide in dieser historischen Kleidung wird seinem Partner und den Besuchern die Exponate des ersten Ausstellungsteils erklären und Fragen beantworten. Der modern gekleidete Guide wird davon berichten, wohin die damals begonnenen Entwicklungen geführt haben, wie es heute um die evangelische Kirche steht und wo die Aufgaben der Kirche in der Zukunft liegen könnten.

Die Guides sind auf Führungen für Erwachsene und Kinder vorbereitet (für diese ist ein Kinderpfad in die Ausstellung integriert, bei Schülerführungen ergänzen unterschiedliche Kreativprogramme die Ausstellungsführung). Ausstellungsbesucher aller Altersstufen erleben so eine Führung im Dialog und sind dazu eingeladen, selbst in den Dialog mit der Geschichte zu treten.

Die jugendlichen Guides haben im Verlauf ihrer Ausbildung erkannt, dass es ihre eigene Geschichte ist, von der sie erzählen. Es waren Menschen wie wir, die im 16. Jahrhundert mit ihrem Reformwillen, später als Geheimprotestanten mit ihrer Unbeugsamkeit und in der Toleranzzeit mit ihrer Aufbauarbeit wichtige Voraussetzungen für unsere heutige pluralistische Gesellschaft geschaffen haben. Und es lohnt sich, den Glauben, der sie geleitet hat, näher kennen zu lernen, wenn man danach fragt, wie es heute möglich ist, glaubwürdig zu bleiben.

Ergänzende Ausstellungen. Zwei Gebäude, die in der Reformationszeit entstanden sind, bieten den Rahmen für Ausstellungen, die mit der Landesausstellung kooperieren: In der Landhausgalerie wird in der Ausstellung „Lebenszeichen. Protestantinnen aus 500 Jahren“ (Vernissage am 17. Mai, Ausstellungsdauer bis 31. August 2011) ein Schülerprojekt realisiert, bei dem Klassen oder Gruppen die Lebensläufe von fast 40 evangelischen Persönlichkeiten aus Kärnten recherchiert und umgesetzt haben.

Im MMKK, das seinen Sitz in der im 16. Jahrhundert als Evangelische Hochschule (Collegium Sapientiae et Pietatis) errichteten Burg hat, nimmt die Ausstellung „Ansichtssachen.fokus sammlung 02 – Menschenbilder“ (Vernissage am 8. Juni, Ausstellungsdauer bis 4. September 2011) Bezug auf die Landesausstellung: wird dort eine „Ansichtssache“, nämlich eine Form des christlichen Glaubens auf dem Weg durch die Geschichte dargestellt, so konfrontiert die Schau des Museums Moderner Kunst Kärnten (MMKK) unterschiedliche Interpretationen eines „Kunstobjektes“ – des Menschen. Beide Ausstellungen wollen die Besucher dazu anregen, die eigene Sichtweise zu klären, ihre eigenen Ansichten zu begründen.

Ökumenische Schritte. Auch ein ökumenisches literarisches Projekt steht mit der Landesausstellung in Zusammenhang: Das Buch „Schätze und Perlen. Das Katholische im Evangelischen und das Evangelische im Katholischen“ wird am 17. Juni 2011 in Fresach präsentiert. Es bildet zugleich die Basis einer ökumenischen Feier im Klagenfurter Dom, der 1591 als evangelische Kirche errichtet wurde. Beides sind deutliche Zeichen dafür, dass Brücken gebaut werden und die Landesausstellung „Glaubwürdig bleiben. 500 Jahre protestantisches Abenteuer“ ein Beitrag zu einem offenen Klima der Begegnung wird.

Lutz Lehmann

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