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Fußball von früher

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Fußball von früher

geschrieben am 31.03.2008 13:45

Der Kampf um das runde Leder findet seit der Antike statt und wurde im Mittelalter in England zu einem brutalen Vergnügen. Wie Schlachten geschlagen wurden und der Ball schließlich die halbe Welt eroberte erzählt u. a. einer der historischen Rückblicke

Nicht mehr lange, dann ist es endlich so weit: König Fußball hält wieder Hof und die Kärntner Fans können erstmals im eigenen Land mitfiebern, wenn Europas beste Ballkünstler ihren Meister küren – mit Taktik, Tricks und Raffinesse, aber natürlich auch jeder Menge Einsatz, Kampf und Körperspiel.

Letzteres war übrigens schon bei so manchem Ballspiel in der Antike sehr gefragt. Etwa wenn sich die Teilnehmer an den „Ballschlachten“ im alten Sparta, den so genannten sphairomachiai, unter reger Anteilnahme des Publikums um das Sportgerät prügelten. Die Strafen entsprachen dabei ganz dem rauen Charakter des Spiels: wer sich nicht an die Regeln hielt, bekam also nicht etwa eine gelbe Karte, sondern wurde kurzerhand ausgepeitscht. Mit dem modernen Fußball hatten diese Raufereien auf dem Spielfeld somit noch wenig zu tun, eher sollte man sie sich als eine Art Rugby vorstellen; immerhin stand aber schon damals ein Ball aus Leder im Zentrum des Geschehens. In jedem Fall sollten die spartanischen „Schlachten auf dem Spielfeld“ aber nicht nur der rein sportlichen Ertüchtigung dienen, sondern darüber hinaus die Aggressivität und den Mut junger Krieger stärken.

Ähnliches bezweckten wohl auch jene römischen Offiziere, die ihre Legionäre zum harpastum versammelten. Bei diesem „Haschen“ nach einem kleinen Lederball ging es schließlich neben Schnelligkeit, Körperbeherrschung und Spielwitz in erster Linie um Einsatz, Kraft und Durchsetzungsvermögen. Der Ball durfte geworfen und gefangen, nicht aber mit dem Fuß gestoßen werden – also wieder nichts mit gepflegtem Fußball. Dennoch war das Spiel damals überaus beliebt und wurde im Zuge der römischen Eroberungszüge in weiten Teilen Europas bekannt.

In Mittelalter und in der frühen Neuzeit erlebte die antike Lust am deftig-rustikalen Kampf um das runde Leder vor allem in Frankreich und England eine Renaissance. So erfreute man sich in der Normandie und der Bretagne spätestens seit dem 12. Jh. an „soule“ (oder „choule“), einem Spiel, bei dem ein zwiebelförmiger Ball aus Leder (choule von lat. cepulla, die Zwiebel) möglichst hoch über die örtliche Kirche geschossen oder geworfen wurde. Auf der anderen Seite musste ein Mitglied der gegnerischen Mannschaft versuchen die „Zwiebel“ aufzufangen und damit eine bestimmte Strecke zurücklegen bzw. durch das gegenüberliegende Stadttor laufen. Wurde er erfolgreich daran gehindert, gehörte der nächste Versuch dem Gegner. Auf den britischen Inseln hießen vergleichbare Spektakel „folk football“ oder „village football“. Das Spielfeld konnte dabei eine ganze Stadt umfassen oder aus den Feldern, Wiesen und Wäldern zwischen zwei Dörfern bestehen. Häufig standen sich ganze Dörfer oder Stadtviertel gegenüber, die sich von Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Dunkelheit um den Ball rauften. Aktuell erfreuen sich solche Veranstaltungen übrigens im Rahmen von Mittelalterfestivals wieder größter Beliebtheit, auch wenn es dabei natürlich nicht mehr ganz so verbissen zur Sache geht, wie anno dazumal.

In England war es auch, wo Fußball schließlich zum heute üblichen Mannschaftswettkampf mit klaren und einfach nachvollziehbaren Regeln wurde: im 19. Jh. entwickelte man an der englischen Eliteschule Eton das „kicking game“, bei dem Teamgeist und gezielter Körpereinsatz die rohe Gewalt und ungezügelte Brutalität des „football“ ersetzten. Erst der solcherart gezähmte Fußball trat schließlich seinen Siegeszug um die ganze Welt an und begeistert heute die Massen auf der ganzen Welt – mit Tempo, Tricks und Taktik sowie einem guten Schuss Brutalität –, denn zumindest dieses Erbe der Antike kann auch der moderne Fußball nicht gänzlich verleugnen. Mario Rausch

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