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Gailtal prägt Moderne

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Gailtal prägt Moderne

geschrieben am 02.07.2010 14:19

Im Museum des Nötscher Kreises „begegnen“ in einer Ausstellung die vielfach international noch unterschätzten Künstler wie Kolig, Isepp oder Wiegele künstlerischen Gruppen, Kreisen und Freunden von anderen Ländern und Metropolen wie Wien, London oder die Schweiz.

Im Fokus der Ausstellung „Begegnungen“ stehen nicht allein kunsthistorische Perspektiven, sondern vor allem die vielfältigen Verbindungen der Nötscher Maler zur Kunstszene ihrer Zeit. Diese Beziehungen der Nötscher Maler Anton Kolig und Sebastian Isepp zu den Wiener Salons, oder von Franz Wiegele zu den intellektuellen Kreisen in der Schweiz, waren bisher weder hinlänglich bekannt noch Thema einer Ausstellung. Die Korrespondenz der Künstler, die Schriftquellen und Bilddokumente sowie das Verzeichnis ihrer Ausstellungen und öffentlichen Aufträge zeigen jedoch, dass der „Nötscher Kreis“ keineswegs eine regionale Gruppierung von vier Malern gewesen ist. Zwar werden der Aufbruch zu einer antiakademischen Malweise und das Aufkommen einer neuen jungen Malergeneration, die u. a. von Gustav Klimt und Carl Moll gefördert wurde, zumeist an den beiden Protagonisten Oskar Kokoschka und Egon Schiele festgemacht. Doch waren bereits in der ersten Ausstellung der Neukunstgruppe in Wien 1909 neben Egon Schiele auch Sebastian Isepp und Franz Wiegele vertreten. Ausgehend von dem kleinen Ort im Gailtal waren die Nötscher Teil der intellektuellen Szene Österreichs und prägten den Aufbruch zu Österreichs Moderne in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wenngleich sie die Expressivität der Linienführung Egon Schieles oder des Pinselduktus Oskar Kokoschkas nicht in diesem Ausmaß antizipierten, sondern am Kolorismus und dem naturalistischen Figurenbild festhielten.

Freundschaften. Die Maler, die zum engeren Nötscher Kreis gezählt werden, sind Anton Kolig, Franz Wiegele, Sebastian Isepp und Anton Mahringer. Sie bildeten jedoch weder eine geschlossene Künstlergruppe, noch hatten sie ein eigenständiges Programm. Sie waren durch die gemeinsame Studienzeit Anfang des 20. Jh. und durch die daraus hervorgegangenen Künstlerfreundschaften verbunden als auch durch ihre familiären Bindungen zu Nötsch. Gemeinsam war ihnen ihr Interesse an den klassischen Themen der Malerei, am Figurenbild, Porträt, Akt, Stillleben und an der Landschaft. Im Vordergrund ihrer Arbeiten standen die Farbe und ihre formschaffende und plastische Funktion.

Kolig und Kokoschka lernten sich an der Wiener Kunstgewerbeschule kennen, wo Kolig von 1904-1906 studierte. Wiegele und Isepp, die beide aus Nötsch stammten, knüpften an der Wiener Akademie erste Kontakte zur Neukunstgruppe um Schiele, die sich im Herbst 1909 als Protest gegen den traditionellen Lehrbetrieb formierte. 1909 stellten Franz Wiegele und Sebastian Isepp gemeinsam mit den anderen „Neukünstlern“ Egon Schiele, Albert Paris Gütersloh und den aus Salzburg stammenden Anton Faistauer im Kunstsalon Pisko am Schwarzenbergplatz aus.

Beziehungen. Als Kolig an die Akademie wechselte stieß auch er auf die Neukunstgruppe und insbesondere auf Wiegele und Isepp. Aus der gemeinsamen Studienzeit wurde eine Freundschaft, die Koligs weiteren Lebensweg eine entscheidende Wendung gab. 1911 heiratete er Wiegeles Schwester Katharina in der Kirche von Saak und Nötsch wurde zur neuen Wahlheimat des Künstlers. Im selben Jahr stellten Kolig, Isepp und Wiegele gemeinsam mit Kokoschka in der legendären Sonderausstellung des Hagenbundes „Malerei und Plastik in den Räumen des Künstlerbundes Hagen“ in der Wiener Zedlitzhalle aus. In seiner Kritik beschrieb der Kunsthistoriker Hans Tietze die Ausstellung als eine der stärksten künstlerischen Eindrücke und Erinnerungen, die ihn letztlich dazu bewog zu einem Schriftsteller moderner Kunst zu werden.

Mit Faistauer sollten sie weiterhin in engen Kontakt bleiben. 1923 veröffentlichte dieser sein Buch Neue Malerei in Österreich, in dem er sich anhand der Werke von Kokoschka, Wiegele, Kolig und Schiele programmatisch und mit der Kunst seiner Zeit auseinander setzte. Auch mit Egon Schiele kam es zu einem regen Briefaustausch. Kolig und Schiele dürften sich zunehmend näher gekommen sein, da sie in ihrer Korrespondenz ins vertraulichere Du wechselten. Der Briefverkehr wie auch die darin formulierten Ausstellungsvorhaben endeten jedoch abrupt durch den Tod Schieles 1918. Eine besondere Integrationsfigur für die Nötscher Maler war der Architekt Clemens Holzmeister. Durch ihn erhielt Kolig unter anderem den Auftrag für zwei großformatige Gemälde in dem von Holzmeister errichteten Wiener Krematorium am Zentralfriedhof sowie für die Wandteppiche im Salzburger Festspielhaus – ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Während seiner Schweizer Zeit von 1917 bis 1925 verkehrte Franz Wiegele im Freundeskreis des Komponisten Othmar Schoeck und des Schriftstellers Hermann Hesse. Wiegele traf auch wieder mit Hugo von Hofmannsthal zusammen, in dessen Kreis er, Isepp und Kolig bereits in Wien verkehrten. Isepp, der ab 1921 bis zu seiner Emigration in Wien lebte, gehörte in der Zwischenkriegszeit zur intellektuellen Szene Wiens. So begleitete er u.a. die Familie von Hofmannsthal auf mehreren Reisen durch Italien. 1924 reiste Isepp mit Kokoschka und dem Architekten Adolf Loos nach Paris. 1938 emigrierte er nach London und traf auch dort wieder mit Kokoschka zusammen. Wie Isepps Sohn Martin 1977 an den damaligen Leiter der Kärntner Landessammlung Ernst K. Newole schrieb, dauerte die intime Freundschaft mit Kokoschka bis zu seinem Tod. Während seiner Lehrtätigkeit an der Stuttgarter Akademie brachte Kolig im Sommer Studenten mit nach Nötsch, so auch 1928 den in Schwäbisch Gmünd aufgewachsenen Anton Mahringer, für den die Gegend um Nötsch zur neuen Heimat wurde. 1929 kam auch Hans Gassebner auf Einladung Koligs nach Nötsch, der vor allem mit Mahringer eine enge künstlerische und freundschaftliche Verbindung einging und auch für einige Zeit in der Nähe von Nötsch ansässig wurde.

Reisen. Erweitert wird die Ausstellung mit Werken von Hans Obersteiner und Stefan Weiß. Der Bildhauer und Maler Obersteiner arbeitete ab 1937 im Haus Wiegele und stand auch Kolig Modell. Stefan Weiß kam wie Mahringer und Kolig nicht aus Nötsch, sondern war Donauschwabe und lebte seit 1950 im Drautal. Seine Beziehung zu den Nötscher Malern war jedoch keine persönliche, sondern dokumentiert sich vor allem in einer künstlerischen Rezeption, insbesondere der Arbeiten Mahringers. Durch das Wirken und die Reisetätigkeit der Künstler wurde Nötsch zu einem weit über die Grenzen Kärntens hinaus bekannten Kunstzentrum. Dazu trug auch ihr ständiger Kontakt mit der internationalen wie nationalen Kunstszene bei. Kuratiert von Silvie Aigner werden anhand von Dokumenten und ausgewählten Arbeiten aus öffentlichen und privaten Sammlungen neue Einblicke präsentiert und damit auch ein Stück österreichischer Kulturgeschichte wieder ins Zentrum gerückt.

BB


Begegnungen – bis 31. Oktober 2010
Künstlerische Dialoge im Museum des Nötscher Kreises. Kuratiert von Silvie Aigner. Begleitprogramm und Information: Tel.0 4256/36 64.
www.noetscherkreis.at

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