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Ganz nah am Meer

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Ganz nah am Meer

geschrieben am 03.08.2012 08:40

Die Distanz zur Adria wird in einer Sonderausstellung des Museums der Stadt Villach verkürzt. Die Geschichte blickt über die Grenzen um vom „Dolce Vita“ und „Latte e Pane“ zu erzählen. Vom Aufbruch der Massen bis zum ersten Cappuccino darf in Feriennostalgie geschwelgt werden.

Komm ein bisschen mit nach Italien!

„Ans Meer! – Geschichte des Adriaurlaubes“

Sollten Sie sich nicht gerade im Urlaub am Meer befinden, in der Sonne brutzeln, ausgiebig essen und trinken oder einfach mal den Alltag hinter sich lassen, kommen Sie spätestens nach einem Besuch der Ausstellung „Ans Meer – Geschichte des Adriaurlaubes“ im Museum der Stadt Villach wieder auf den Geschmack, sich die Freuden des Sommers einzuverleiben. Das noch bis 31. Oktober dauernde Sonderprojekt erlaubt uns Einblicke in private Urlaubserinnerungen sowie ein Stück Alltagsgeschichte des typisch österreichischen (kärntnerischen) Urlaubers.

Über die Grenzen. Mit zahlreichen privaten Fotos, Filmen, Prospekten, Plakaten, Ansichtskarten, Souvenirs etc. werden Sie in die Urlaubsgeschichten Ihrer Großeltern oder Eltern zurückversetzt und begegnen mit einem gewissen Schmunzeln so mancherlei touristischer Marotte aus den eigenen Breitengraden. Sie entdecken nicht nur eine zeitgeschichtliche Dokumentation des seit einem Jahrhundert praktizierten Sommertourismus an der Oberen Adria, sondern sehen sich selbst als Zeitzeugen. Dabei galt der Urlaub am Meer nicht immer als selbstverständlich. Lange Zeit rief das Meer im Menschen Gefühle der Angst und Abscheu hervor. Es galt als ein den Fischern und Seefahrern vorbehaltener Ort des Chaos. Ab dem 18. Jahrhundert begann sich die ursprüngliche Abwehr in eine Sehnsucht nach der Meeresküste zu wandeln. Während das Reisen gegen Ende des 19. Jahrhunderts dem Adel und wohlhabenden Bürgertum vorbehalten war, wurde mit dem Badeurlaub an der italienischen Riviera, in Istrien, Dalmatien und den später bevorzugten Destinationen von Grado bis Rimini eine neue Reiseform ins Leben gerufen, die im Laufe der Zeit so gut wie alle gesellschaftlichen Schichten in ihren Bann ziehen sollte.

Aufbruch der Massen. Mit dem Ausbau des Schienennetzes, dem Bau von Hotels, der Versorgung mit Trinkwasser, der Trockenlegung von Sümpfen an den Stränden und dem Einsetzen der Automobilindustrie begann sich der Massentourismus in Ansätzen bereits abzuzeichnen. Dann lockte die Propaganda mit der „Brechung des bürgerlichen Reiseprivilegs“ durch den Nationalsozialismus und die staatlich organisierten Urlaubsreisen der NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF). So sollten Tausende von „Arbeiterurlaubern“ ans Meer kommen. Ein weiterer Beweis für die Einvernahme vieler Lebensbereiche der Menschen durch die Nazis. In der Nachkriegszeit war Österreich durch massive wirtschaftliche und soziale Veränderungen gezeichnet. Die Beschaffung von Nahrung, Kleidung und Wohnraum bestimmte den Nachkriegsalltag und von Urlaub an der Adria war vorerst nicht die Rede. Erst die Währungsreform, die Ausweitung des Urlaubsanspruches sowie die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit kamen der verstärkten Reiselust entgegen. Die Adriaküste entwickelte sich wieder zum Sinnbild des Dolce Vita. Das Bild vom mediterranen Lebensstil, dem Dolcefarniente wurde zusätzlich verstärkt durch die zeitgenössischen Medien. Illustrierte und die Werbung förderten die Sehnsucht nach Pasta, Vino und Amore. Es entstanden unzählige Schlager und Filme vom Reisen in den Süden, von Mandolinen im Mondschein und Fischern in Capri. Selbst heute erheitern die Filme mit Peter Alexander und Caterina Valente mit ihrer Unbeschwertheit das Gemüt und sorgen an verregneten Wochenenden für Unterhaltung und Wohlfühlen.

Latte e pane. Abseits der Romantik spricht natürlich auch die dort ansässige Küche für den sonnigen Süden. Obwohl vorerst beim Campen und in den Apartments nicht selten wie zu Hause gekocht wurde und mancherorts die Speisekarten auf die Essgewohnheiten der Gäste aus dem Norden abgestimmt wurde, setzten sich die Gerichte Italiens langsam durch und haben nicht umsonst internationalen Ruhm erlangt. Die Adria ist für Herrn und Frau Österreicher ein Stück Kulturgeschichte. Die vielen gemeinsamen Erinnerungen an den Urlaub in Lignano und Co, die besondere Beziehung zum „Lieblingsitaliener“ , die „andere“ Kultur in Laibach oder Shoppingerlebnisse in Udine, der erste „richtige“ Cappuccino im Autogrill beim Antritt in den Kurzurlaub, die Maturareise am Campingplatz in Kroatien sind Erfahrungen, die in unserem Kulturkreis nicht mehr wegzudenken sind. Es ist fast schon ein Stückchen Heimat, jenseits der Grenze. Vertraute Nachbarn, bei denen man den Alltag hinter sich lässt. Auf jeden Fall eine ganz spezielle Beziehung. Werner Koroschitz vom Verein Industriekultur und Alltagsgeschichte ist wieder eine bemerkenswerte Ausstellung samt Katalog gelungen, nicht zuletzt weil die Idee dazu auch durch seine eigenen ersten Reiseerinnerungen in Lignano geboren wurde. Damals, 1969 wurde Vaters senfgelber 850er-Fiat vollgepackt zur ersten Weltreise ins fremde Land und sprachliche Hürden bei einer‚ Panini- Latte-Bestellung‘ fürs Frühstück im Apartment in Meeresnähe überwunden. Diese und viele andere Berichte versetzen den Besucher bzw. Leser in eine regelrechte Adria-Urlaubsnostalgie.

Brigitte Graf


Ans Meer – Geschichte des Adriaurlaubes
Sonderausstellung des Vereins Industriekultur und Alltagsgeschichte
Bis 31. Oktober 2012,
Mo–Sa, 10–16.30 Uhr
Museum der Stadt Villach, Widmanngasse 38
www.villach.at
Künstlerische Beiträge
Unkonventionelle Zugänge zum Thema ergeben sich durch zeitgenössische, in die Ausstellung integrierte Kunstbeiträge von Angelika Kampfer, Gerhard Maurer, Johannes Puch, Fotografie | Walter Pilar, Literatur | Gerhard Pilgram, Peter Josef Populorum, Installation | Robert Schabus, Hubert Sielecki & Paul Braunsteiner, Film.
Im ausführlichen Katalog!


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