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Gelebte Erinnerung

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Gelebte Erinnerung

geschrieben am 31.03.2010 10:12

Die weltweit bekannte Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager erinnert sich an ihre Anfänge, an die bisherigen Höhepunkte ihrer Karriere und an Gustav Mahler. Ein Liederabend ist ein viel intimeres Erlebnis als die Oper. Die Bruecke zeigt die Sängerin auch von einer sehr persönlichen Seite.

Gerade erst sang sie in Lissabon die Sieben Todsünden von Bert Brecht und Kurt Weill. Unmittelbar davor gab sie einen Liederabend in der renommierten Londoner Wigmore Hall, wo sie unlängst auch gleich zum Ehrenmitglied der Royal Academy of Music ernannt wurde. Zuvor konnte man sie auch noch an der Münchner Staatsoper in Johann Strauß’ Fledermaus erleben. Jetzt nimmt sie mit den Philharmonia Schrammeln eine neue CD mit Liedern von Schubert, Brahms und Mahler auf. Nach einem Konzert in Wien bricht sie zu einer Konzerttournee nach Spanien auf, um danach an der Wiener Staatsoper wieder im Capriccio von Richard Strauss mitzuwirken: Angelika Kirchschlager, eine der derzeit führenden Mezzosopranistinnen und in allen Musikmetropolen der Welt zu Hause, kann über Arbeitsmangel nicht klagen.


Die Bruecke: Wie schaffen Sie dieses Pensum?
Angelika Kirchschlager: Ich bin dankbar, dass ich so viel Angebote bekomme, wenngleich ich in den letzten Jahren meine Engagements auf 60 bis 70 Abende reduziert habe. Nach 18-jähriger Tätigkeit habe ich meinen Schwerpunkt von der Oper mehr in Richtung Konzerte und Liederabende verlegt. Dies ist stressfreier und familienfreundlicher, denn ich bin dadurch nicht mehr so lange von zu Hause weg. Auch macht es mir großen Spaß, immer mehr zu unterrichten. Neben London habe ich auch in Salzburg am Mozarteum eine Gastprofessur bekommen.

Trotz ihres vollen Terminkalenders haben Sie Zeit für einen Liederabend in Klagenfurt?
Ich komme immer wieder gerne nach Kärnten, obwohl meine Anfangserinnerungen nicht die besten waren: Denn mein erstes Vorsingen überhaupt gleich nach meinem Studium 1990 war am Stadttheater Klagenfurt. Man hat mich damals leider, aus welchen Gründen auch immer, nicht engagiert. Ich war damals sehr enttäuscht. Der derzeitige Jeunesse-Chef Wolfgang Czeipek hat auch zugehört, mich am Bühnentürl abgepasst, mir damals als einer völlig unbekannten Sängerin vertraut und ein Engagement für ein Mahlerkonzert („Kindertotenlieder“) angeboten. Das werde ich ihm nie vergessen.

Was bedeutet Liedgesang für Sie?
Ein Liederabend ist im Vergleich zur Oper ein viel intimeres Erlebnis. Er ist aber auch schwieriger und anstrengender, weil man den ganzen Abend nur mit dem Pianisten allein auf der Bühne bestreiten muss. Das Lied, das ich sehr liebe, ist ein persönlicheres und direkteres Kommunikationsmittel zwischen Publikum und Sänger.

Gustav Mahler, der in mehreren Sommermonaten am Wörthersee künstlerisch sehr fruchtbar war, ist der heurige Jubiläumskomponist. Wie wirkt seine Musik auf Sie?
Ich liebe die Klangwelten, die Mahler erschaffen hat, obwohl sie nie fröhlich und heiter sind, sondern mich immer sehr schwermütig berühren. Sie sind auch sehr schwer zu singen und auswendig zu lernen. Auf dem Programm meines Konzertes stehen neben ausgewählten Liedern von ihm auch Lieder von Alban Berg und Wolfgang Erich Korngold.

Warum haben Sie sich entschlossen, Sängerin zu werden?
Das war eigentlich sehr unspektakulär: Musik hat mich immer schon interessiert, gesungen habe ich auch immer gerne. Also, als ich vor Jahren einmal aus dem Schulbus ausgestiegen bin, da dachte ich, Gesang bzw. Musik zu studieren wäre eigentlich keine schlechte Idee. Die Begeisterung meiner Eltern, die zwar sehr musikalisch aber keine Berufsmusiker waren, hielt sich jedoch in Grenzen. Und so habe ich zur Sicherheit auch Musikwissenschaft und Kunstgeschichte studiert. Da waren sie beruhigt und haben mich unterstützt. Während des Musikstudiums haben sich die Dinge dann ganz natürlich von alleine ergeben. Ich begann mit Solis im Chor, später sang ich dann bei Hochzeiten, Dinnerparties und in Operetten, um Geld zu verdienen. Dann begann ich vorzusingen und bekam meine ersten Engagements. Das waren lauter Rollen von Mozart an der Wiener Kammeroper und im Schloss Schönbrunn.

Stimmt es, dass Sie beinahe Schlagwerkerin geworden wären?
Ja, ich habe es mit Begeisterung ge spielt. Ich habe sogar im Hochschulorchester unter Claudio Abbado in Strawinskys „Feuervogel“ mitgespielt. Aber dann wurde es mir neben den Gesangsstudien zu viel.

Was betrachten Sie als die absoluten Highlights Ihrer Karriere?
Sicher die Uraufführung und die Gestaltung der Hauptrolle von „Sophie’s Choice“. Dann, dass mir die Ehre widerfahren ist, als erste Frau überhaupt unter Riccardo Muti Ende der 90er Jahre zum Jubiläum vor dem Papst in der Sixtinischen Kapelle singen zu dürfen. Es war ein unvergleichliches Gefühl! Weiters: eine Plattenaufnahme mit Bach-Arien in Venedig, die Mélisande (Pelleas et Melisande von Debussy) bei den Salzburger Osterfestspielen unter Simon Rattle, die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Royal Academy London und die Ernennung zur Kammersängerin der Wiener Staatsoper.

Sie haben die eben erwähnte Titelrolle in der Holocaustoper „Sophie’s Choice“ bei der Uraufführung unter Simon Rattle in London gesungen, dann zuletzt an der Wiener Volksoper und in Washington. Was bedeutet diese Rolle für Sie?
Sie ist eine emotional extrem schwere Rolle, weil ich mich als Mutter entscheiden muss, welches meiner beiden Kinder getötet wird. Wenn man selber, so wie ich, ein Kind hat, weiß man, was für eine unmenschliche Entscheidung dies ist. Man braucht sehr viel Energie dafür. Aber ich war bei der Entstehung der Oper von Anfang an dabei. Der Komponist Nicholas Maws hat sie eigentlich für mich geschrieben, deshalb ist sie auch mein Baby und etwas ganz Besonderes. Sie war ein großer künstlerischer Erfolg.

Sie haben mehrere CD’s produziert, die auch hoch prämiert wurden: „First Encounter“, mit Barbara Bonney im Duett, erhielt den ECHO KLASSIK AWARD 2005 und die Opernaufnahme von „Le nozze di Figaro“ unter Rene Jacobs, wo Sie eine ihrer Hauptpartien, den Cherubino singen, auch den ECHO als beste Opernaufnahme 2005 sowie den GRAMMY. Dann haben Sie eine CD „When Night Falls“ mit klassischen und populären Schlafliedern für Ihren Sohn aufgenommen.
Damals war mein Sohn noch klein und brauchte immer Musik zum Einschlafen, das brachte mich auf diese Idee. Und es hat funktioniert, er ist dabei eingeschlafen.
Helmut Christian Mayer



Liederabend mit Angelika Kirchschlager
(Mezzosopran), Helmut Deutsch (Klavier)
Werke von Mahler, Korngold und Berg
Jeunesse Kärnten im Konzerthaus Klagenfurt
19. Mai 2010, um 19.30 Uhr
Karten: Tel.: Jeunesse: 0463/504072
E-mail: jeunesse_kaernten@aon.at

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