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Hundert Hunde

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Hundert Hunde

geschrieben am 05.08.2013 11:30

Von der Leine lässt Titanilla Eisenhart ihre 100 Dogs, denn sowohl in Buch- als auch Ausstellungsform hetzen sie auf die Menschen zu, um sich selbst als kulturelle Wesen zu enttarnen. So offenbaren die Porträts der Vierbeiner tiefe Einblicke in die Gefühlswelten der Zweibeiner.

Der Hund in uns

100 Dogs im Mittelpunkt von Kärnten, als Mittelpunkt der Welt

Fast möchte man annehmen, dass ein Besuch des Mesnerhauses von Außerteuchen, hoch über dem Gritzgraben zwischen Himmelberg und Arriach, schon zu den sommerlichen Fixpunkten gehört. Denn in über 1000 Metern Seehöhe, am Südhang des Teucheltales, im ehemaligen Sommerdomizil des bekannten Kärntner Künstlerpaares Günther Kraus und Margarethe Herzele, kuratiert seit Jahren deren Tochter, die sonst in Wien lebende Künstlerin Titanilla Eisenhart, exquisite Sommerausstellungen. Abseits der bekannten Kulturmeilen trifft man hier, in entlegener Einschicht, zuerst einmal auf die Spuren des international renommierten Künstlers Günther Kraus (geb. 1939 in Klagenfurt; gest. 1988 in Wien), wesentlicher Vertreter der Avantgarde nach 1945 in Österreich und Mitbegründer des Bildhauersymposions Krastal. Arbeiten von ihm sind im und rund ums Haus wie zufällig verteilt. Darunter auch solche, die in Zusammenarbeit mit seiner Frau, der Schriftstellerin aus St. Veit Margarethe Herzele, entstanden. Den Schwerpunkt bildet aber, wie all die vielen letzten Jahre, eine kleine Ausstellung in der „Stubn“. Diesmal hat die Hausherrin einer heiteren Facette ihres eigenen Schaffens Raum gegeben.

Hundeporträts, die im Verlaufe von vielen Jahren entstanden, wurden zu einer doppelbödigen Schau zusammengestellt und in einem höchst amüsanten Buch, mit überwiegend witzigen wie höchst kenntnisreichen Texten der Künstlerin, dokumentiert. Dabei lässt sie richtige Rudel von Hunden los, die ganz und gar menschlich daherkommen. Angeführt wird die Horde von einem schwarzen Rüden, der mit Hut am Kopf im höchst distinguierten Habitus als „Herr Titanilla“ auftritt. Wie er von oben herabblickt und dennoch gar nicht schauen kann; ja eigentlich den Verhältnissen unter sich gar kein Augenmerk schenken kann, denn seine Augen sind leer. Und dennoch macht sich das Gefühl breit, von Herrn Titanilla fixiert zu werden. Und je länger man den Hund ansieht, desto mehr schaut man selber zurück. Denn die „100 Dogs“ (Buch- und Ausstellungstitel) sind weniger Tierbilder, denn Ausdruck menschlicher Befindlichkeit in ihren emotionalen, kulturellen und sozialen Bezügen. Die „hintergündigen Hunde“, die hier „in Mattschwarz auf die Leinwand“ gebracht wurden, widerspiegeln „alles an menschlicher Verdruss- und Gefühlswelt“. Von ihrer Kontur im weißen Bildraum mit grafischer Eindeutigkeit bis hin zu den malerischen Schatten mit ihren affektiven Anmutungen. Und die Künstlerin stellt zur Diskussion, dass letztlich jedes Porträt (auch das von einem Hund) in einem Selbstporträt endet. Womit auch die Rezption jedes Porträts, die Entdeckung seiner selbst beinhaltet. Wohl mit der Zumutung, dabei das Fremde im eigenen Selbst zu entdecken. So darf letztlich im Bild vom Herrn Titanilla auch das alter ego seiner Autorin vermutet werden.

Dass den meisten Hundebildern Eisenharts wohlklingende Namen zugeordnet sind, verstärkt den Eindruck, dass es sich hier tatsächlich um komplexe, gereifte Persönlichkeiten handelt und nicht um anonyme Mitglieder einer Haustierart. Die Hochachtung, mit der sie ihre Betrachter erfüllen, ist sowohl bei Johnny Cash wie Nietzsche gegeben.

Mit Blick nicht nur, aber auch auf Hundehalter merkt die Künstlerin an: Man schätzt Eigenschaften, die man selbst nicht hat … Schönheit, Treue, Geduld … Wachsamkeit, edle und adelige Herkunft, Elegance und Mut, der Hund ist ein Opium für die Seele. So tritt das älteste Haustier, der Mitschöpfer von Kultur und Würde, in ein besonderes Verhältnis zu seinen Domestizierern. Der Hund als „ein Medium zur Selbstvergewisserung“. Der Mensch im Hund trifft auf den Hund im Menschen. Oder: Ich im Hund und der Hund in mir. Titanella Eisenharts Hundebilder mutieren so zu Spiegeln und bieten sich als Projektionsflächen für Bedürfnisse, Sehnsüchte und Hoffnungen. Eine Schau und ein Buch über ein bedeutendes Kapitel der Kulturgeschichte. Nicht nur für Hundeliebhaber. Für alle!

Willi Rainer


Ausstellung:
100 Dogs. Titanilla Eisenhart
Bis 31. August 2013
Altes Mesnerhaus. Außerteuchen 7. Nach Vereinbarung (Tel.: + 0676-7022709).
Buch: Titanilla Eisenhart: 100 Dogs. Ritter Verlag. Klagenfurt 2013.
Dazu gibt es eine Sonderedition von 20 signierten Originalzeichnungen.
www.titanillaeisenhart.com
Buchpräsentation von „100 DOGS“
in der Buchhandlung Heyn Klagenfurt
am 24. September 2013, 19 Uhr

Kunstinterview mit Performance Titanilla Eisenhart, Su Widl und Stefan Rothleitner im CAFÉ KORB in Wien 1, Brandstätte 9, 4. Oktober um 19 Uhr.

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