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geschrieben am 10.12.2014 15:00

Aufmerksamkeit(en)

Wenn es schon eine eigene Bruecke über „bau.kultur.leben – Beiträge zur Architektur in Kärnten“ gibt, darf naturgemäß Stararchitekt „Günther Domenig und sein Steinhaus“ nicht fehlen.

Günther Domenig und sein Steinhaus

Die Architekten und Domenig-Schüler Christian Halm und Peter Kaschnig im Gespräch über ein lebendiges Architekturdenkmal in Kärnten

Im Steinhaus am Ossiacher See erreichte die innovative Kraft in den Projekten des weltweit renommierten Architekten ihren Höhepunkt. Das Bauwerk ist damit wohl auch das bekannteste Werk der Kärntner Gegenwartsarchitektur. Die Transformation regionaler Landschaftselemente, führte zu einer Architekturskulptur mit spürbarer Raumintensität. Die inspirierende Dichte des Ortes wird, seit heuer wieder durch ein vielschichtiges Programm aus Symposien, Workshops und Veranstaltungen genutzt. Gemeinsam mit der Steinhaus Günther Domenig Privatstiftung führt das Architektur Haus Kärnten das Steinhaus in eine lebendige Zukunft. Heuer hätte Domenig (1934 – 2012) seinen 80. Geburtstag gefeiert und zu diesem Anlass wurde die Ausstellung „Günther Domenig – ein anderer Blick“ im Steinhaus gezeigt, die 2015 auch im Dokumentationsgebäude in Nürnberg zu sehen sein wird.

Lehrmeister mit Haltung. Als einer der letzten intensiven Lehrlinge würde Architekt Peter Kaschnig sich bezeichnen wollen, der Domenig von 1990 – beginnend mit seinem Architekturstudium in Graz und ab 1998 in seinem Büro bis 2008 – zur Fertigstellung ihres gemeinsamen Schulprojektes in Vaduz begleiten durfte. In unzähligen gemeinsamen Fahrten zu Wettbewerbspräsentationen, Ausstellungen (in Köln, Shanghai, Wien etc.) hatte Kaschnig die Gelegenheit, ihn als Architekten, Lehrmeister, Vortragenden, Diskussionsteilnehmer, aber auch als Mensch kennen und schätzen zu lernen und seinen Geschichten lauschen zu dürfen. Beeindruckt von seiner konsequenten Art und Weise, von der Hartnäckigkeit und Entschlossenheit bleiben dessen Hingabe zur Architektur für ihn unvergessen. Aber auch in der physischen Zähigkeit, die er als Mensch an den Tag gelegt hat, sicherlich geprägt von den jugendlichen sportlichen Aktivitäten Handball und Eishockey, liegen die Wurzeln für seine Schaffenskraft. Alleine der Entwicklungsprozess und die unbändige Haltung in der Abwicklung der Steinhausumsetzung, würden reichen, um Bücher zu füllen, gepaart mit der Tatsache der finanziellen Aufopferung zu Gunsten dieser architektonischen Verwirklichung, wird diese wohl keinen Nachahmer finden.

Darüberhinaus galt Günther Domenig auch als Universitätsprofessor als prägende Persönlichkeit, die es geschafft hat immer wieder Akzente zu setzen. Von vielen Studenten gefürchtet in seinen knallharten, jedoch griffigen Korrekturen, die mit dem gegenwärtigen Bachelor- Abfertigungssystem nicht zu vergleichen sind, fanden viele Kollegen ihre Ausbildung. Auch dort in der universitären Landschaft sind die Zeichen seines Schaffens verblasst, die Hörsaalumbauten beseitigt und der Anbau im Bereich der alten Technik zerlegt. Die mutigen Auseinandersetzungen skulpturaler Architektur sind zum Großteil geradlinigen Rahmen und Kistenwesen gewichen und die Sprache der Architektur ist ärmer geworden.

Günther Domenig war aber auch ein begnadeter Zeichner, der in vielen Kunstwerken seine Auseinandersetzungen mit der Architektur festgehalten hat. Der Stift war ihm wichtigstes Ausdrucksmittel und Begleiter neben seinen rhetorischen Vorzügen und immer wieder stellten kleine Skizzen auf diversen Papieren oder Blöcken den Beginn eines Projektes dar.

Internationale Strahlkraft. Wenn man die zahlreichen internationalen Publikationen zu Günther Domenig kennt, seine Ausstellungen besucht hat und seine Bekanntheit an den „großen“ Architekturschulen erfahren hat, dann ist es schwer zu verstehen, warum er international kaum gebaut hat. Als Christian Halm 1993 seinen Vortrag am Barthleth Institute of Architecture in London hörte, war er sehr überrascht – Domenig konnte kaum ein Wort Englisch. Daher musste sein Vortrag simultan übersetzt werden. Der deutsche Student konnte seine präzisen Projekterläuterungen und scharfe Begleitbemerkungen nur bedingt ins Englische bringen, sodass doch einiges von dem Vortrag „verloren“ ging. Jahre später – inzwischen war Halm Mitarbeiter in seinem Büro – musste er feststellen, dass Domenig viele Einladungen an die renommiertesten Architekturschulen ausschlug, schlichtweg weil er seine Vorstellungen von Architektur nicht ins Englische übersetzen konnte. Dennoch war er in der internationalen Szene gut vernetzt und unterstützte Kollegen auch bei der Umsetzung ihrer Projekte in Österreich (Peter Cook und Colin Fornier – Kunsthaus Graz und Thom Mayne – Hypo Klagenfurt). Auch verschaffte er ihnen eine wirkungsvolle Bühne beim Start in die Architektur (Flammenflügel von Coop Himmelbau/Prix anlässlich seiner Antrittsvorlesung an der TU-Graz).

Domenigs internationale Reputation blieb allerdings einem Fachkreis vorbehalten. Architekten wussten seine wegweisenden Arbeiten als Grundlage des Dekonstruktivismus zu schätzten und knüpften vielfach auch an seine Theorien und formalen Aspekten an. Das Museum angewandter Kunst/MAK in Wien ermöglichte Domenig bemerkenswerte Ausstellungen (1988 Das Steinhaus, 2005 Structures that fit my nature, 2007 das graphische Werk). So war er in Wien geschätzt, aber auch gefürchtet wegen seiner mitunter schonungslosen Kritik an Projekten und Gesellschaft. Dennoch haben es seine Kollegen verstanden (maßgeblich Hans Hollein und Wolf D. Prix) ihm das größte je von Domenig realisierte Projekt zu ermöglichen: das T-Center.

In Kärnten wird heute neben dem Steinhaus leider nur mehr wenig mit Domenig in Verbindung gebracht. Dabei gibt es neben preisgekrönter Industriearchitektur (Funder Novum St. Veit), markantem Shopdesign (Rikki Rainer Klagenfurt), vor allem die Heft in Hüttenberg, die Aufmerksamkeit verdienen würde. 1995 anlässlich der Landesausstellung errichtet und in der Folge unter die zehn besten Museumsbauten weltweit gereiht, steht es heute leider ungenutzt dem Verfall preisgegeben. Im Hinblick auf die internationale Bedeutung ist es aber gleichbedeutend mit dem vielfach ausgezeichneten Museum am ehemaligen Reichstagsgelände in Nürnberg oder eben der von Wolf. D. Prix vielfach zitierten Z-Favoriten.

Erbe Weiterführen. Mit großen Bemühungen der Günther Domenig Steinhaus Privatstiftung gelang auch die Aufnahme der gesamten Belege seines Wirkens im Architekturzentrum Wien, die dort eine würdige Bleibe gefunden haben. Somit wird sein Werk auf alle Fälle bestehen und für die Nachwelt als Zeichen dieser Architektur erhalten bleiben.

Mittlerweile werden auch durch die Neubespielung des Steinhauses wieder internationale Architekturverbindungen nach Kärnten geschaffen und spannender Diskurs geboten. Domenigs Idee einer Forschungswerkstatt für Architektur und die Verbindung mit anderen Disziplinen wie Kunst, Kultur, Musik und Literatur finden seit 2014 wieder Einzug im Steinhaus. In Zukunft sollen auch wieder experimentelle Musikveranstaltungen ermöglicht werden, um die Idee vom Steinhaus auch nach Domenigs Tod weiterleben zu lassen.

Christian Halm, Peter Kaschnig, Raffaela Lackner


www.steinhaus-domenig.at
www.architektur-kaernten.at
www.halm-kaschnig.at

Öffnungszeiten DOMENIG STEINHAUS 2015:
Mai – September. Führungen und Besichtigungen
auf Anfrage beim Architektur Haus Kärnten
T: +43(0)463/50 45 77 oder +43(0)664/516 6673
www.steinhaus-domenig.at

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