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Kultur als Brücke

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Kultur als Brücke

geschrieben am 13.12.2015 17:06

zu Flüchtlingen

Normalerweise ist in einem Dorf die reine Panik los, wenn das Innenministerium über Nacht eine Zeltstadt für 240 Flüchtlinge eröffnet. Doch nicht in Krumpendorf.

Anfang Juli verbreitete sich die Meldung durch die Medien und in Windeseile waren Künstler zur Stelle, die ein Willkommenssignal an die Kriegsvertriebenen senden wollten. Die Unvollendeten, Matakustix, Gran Tourismo, die Talltones und die Krumpendorfer Singgemeinschaft erklärten sich spontan bereit für alle aufzuspielen und zu singen. Die Raffinesse an der Formulierung war schon das Wundermittel selbst. „All are welcome!“, stand in großen Lettern über der Straße und in vielen Nachrichten der sozialen Netzwerke. Und so war es auch. Alle, die Einheimischen, die Touristen und die neu angekommenen Flüchtlinge sind an das Ufer des Wörthersees gekommen und haben gemeinsam gesungen, getanzt oder mit Hansi Waluschnig gemeinsam getrommelt. Dieses Prinzip: Alle anzusprechen bewährte sich für unser Dorf im Sommer 2015. Dadurch wurde die Projektionsleinwand der Anonymität, die Flüchtlinge umgibt und die in der Bevölkerung oft für Ängste und irrationale Gefühle herhalten muss, erst gar nicht aufgestellt, sondern systematisch abgebaut. Der Rahmen für eine freie Kommunikation war gegeben und man lernte sich kennen. Wir organisierten Konzerte, zeigten Filme. Christian Hölbling gastierte mit seinem Kabarettprogramm bei uns und „aftershow“ wurde immer eine kleine Party gefeiert. Die Flüchtlinge brachten ihre Talente ein. Es wurden Piroschki und verschiedene Gemüse in siedend heißem Öl gebacken. Da jeder Asylwerber auch über ein Smartphone verfügt – dieses ist gleichsam die externe Memoplatte und einzige Kommunikationsmöglichkeit und deshalb auch lebensnotwendig – gab es auch genügend irakische, afghanische oder syrische Musik, die man in die schon aufgestellte Tonanlage einspeisen konnte.

Das hat es am Wörthersee noch nie gegeben. Bei fremdländischen Klängen tanzten wieder einmal alle. Die Syrer zeigten bei dementsprechender Musik den von IS-Terroristen verbotenen „Lehmstampf Tanz“ und Irakis oder Afghanen hatten vielleicht zum ersten Mal die Möglichkeit beim Tanzen mit unverschleierten Frauen ungezwungen einen Moment der Befreiung zu erleben.

Die Allianz in der Zivilgesellschaft, in Verbindung mit den politisch Verantwortlichen und den Beamten des Innenministeriums hatte es möglich gemacht, dass es zu keinem Zwischenfall negativer Art kam. Der Druck, der sowohl im Zeltlager unter den Flüchtlingen, als auch unter der Bevölkerung da war, wurde kreativ abgebaut, indem gerade Kulturveranstaltungen Orte der Problemtransformation wurden. Auch die Kirche in Krumpendorf erlebte manch Überraschendes. Kenianische Marathonläufer waren geplanterweise zu Gast, als sich ein Mauretanier taufen ließ, während kongolesische Musiker die Liturgie gestalteten und 25 Muslime sich als „Feldforscher“ einen christlichen Gottesdienst anschauen wollten. Die Kirche als Ort des kulturellen Geschehens und als Raum der Völkerverbindung! Erleichtert wurde dieser Prozess durch die Ausstellung „WELTETHOS.“ Einem Projekt rund um den Theologen Hans Küng. Dabei wird nach friedensstiftenden Ansätzen in allen Weltreligionen gesucht.

Damit zeigt sich exemplarisch an Krumpendorf, was das Gebot der Stunde ist: Pro aktiv auf die Flüchtlinge zuzugehen. Die Kommunikation mit ihnen zu suchen und Rahmenbedingungen zu schaffen für Kulturbegegnungen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Allein bedarf es des Mutes und der Offenheit von uns als Gastgeber.

Hans-Peter Premur


Mag. Hans-Peter Premur, geboren 1961,aufgewachsen in Maria Saal. Studium der Theologie mit Schwerpunkt Religionsphilosophie. 1988 Priesterweihe. Von 1992-2000 Leiter des Bildungshauses St. Georgen. Ab 2000 KHGHochschulseelsorger der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und Pfarrer in Krumpendorf.

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