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Kunst am Boden

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Kunst am Boden

geschrieben am 31.03.2010 10:32

In der Antike war es nicht ungewöhnlich, dass Kunst am Boden stattfand. Aufwändige Mosaike sollten aber nicht nur die irdischen Wünsche erfüllen, sondern auch die Götter gnädig stimmen und den Glauben in der Gesellschaft aufrecht erhalten.

Nicht immer erstrahlt große Kunst in lichten Höhen und manchmal bleibt durchaus Beachtliches lange Zeit im Verborgenen. Wie etwa jener kostbare Parkettfußboden, der in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts im so genannten „Kaiserzimmer“ der Klagenfurter Burg verlegt worden war und erst fast 200 Jahre später im Zuge der Umgestaltung des Gebäudes zum Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK) wiederentdeckt wurde. Solche in der aufwändigen Marketerie-Technik ausgeführten Bodenbeläge wurden ursprünglich für die Residenzen französischer Majestäten entwickelt, fanden in der Barockzeit aber rasch europaweit bei adeligen Herrschaften Gefallen – und das offenbar sogar an Orten, an denen man es bislang nicht vermutet hätte. Da ist es nur recht und billig, dass der kunstvolle Parkettboden aus der Burg in Klagenfurt nach seiner Renovierung wieder an überaus repräsentativer, ja geradezu geheiligter Stätte erstrahlt: im Hemisphärensaal des Benediktinerstiftes St. Paul haben nun auch normalsterbliche Besucher große Kunst unter den Füßen.

Solche wusste man hierzulande allerdings schon viel früher zu schätzen. Betuchte Männer mit Sinn für das Schöne gab es nämlich beileibe nicht erst in barocken Zeiten, sondern bereits in den florierenden Zentren der römischen Provinz Norikum; und die Luxusvillen der damaligen Lokalgrößen konnten sich durchaus sehen lassen. Wie etwa jenes exklusive Domizil, das sich ein wohlhabender Bürger mit wunderbarem Blick auf die Römerstadt Aguntum bei Lienz im heutigen Osttirol hinstellen ließ. In gleich mehreren Räumen dieses bequem mit Wand- und Bodenheizung ausgestatteten Gebäudekomplexes legten Archäologen großflächige Mosaikfußböden frei, die aus tausenden, teilweise nur 5 x 5 mm kleinen Steinchen bestanden und geometrische Muster – vor allem aus Rauten gebildete Kreuze – zeigen. Ein wahrlich eindrucksvoller Beweis mediterraner Lebensart inmitten der rauen Osttiroler Bergwelt.

Doch wer meint, dass hiesige römische Honoratioren kunstvollen Bodenschmuck ausschließlich zur irdischen Freude verlegen ließen, irrt gewaltig. Der eindrucksvollste antike Mosaikfußboden Norikums findet sich nicht etwa in einem Privatgebäude, sondern in einem Haus Gottes, genauer gesagt in der so genannten „Friedhofskirche“ von Teurnia bei Spittal an der Drau. Teurnia war seit jeher eine der wichtigsten Städte der norischen Provinz und behielt diesen Status auch noch in der Spätantike. Kein Wunder also, dass der vornehme Herr Ursus und seine Frau Ursina ausgerechnet in einem dortigen Gotteshaus ein Bodenmosaik verlegen ließen, das im ganzen Alpenraum seinesgleichen sucht: in zwölf Bildfeldern sind verschiedene Tier- und Pflanzensymbole des frühen Christentums dargestellt, die die Kirchenbesucher an wesentliche Grundsätze ihres Glaubens erinnern sollten. Nicht zuletzt wohl den edlen Spender selbst, der das Kunstwerk nach Ausweis einer Inschrift aufgrund eines geleisteten Gelübdes anbringen ließ und sich damit zudem das Recht gesichert hatte, mit den Seinen direkt in der Kirche bestattet zu werden. Eine unerhörte Ehre, zumal hier ja auch die Gebeine eines Märtyrers untergebracht waren, was besondere Gnaden versprach. Aber Ursus war schließlich nicht irgendwer, sondern ein „vir spectabilis“, einer der höchsten Provinzbeamten seiner Zeit, und als solcher prominente Gesellschaft schon zu Lebzeiten gewohnt. So wie wohl auch ein künstlerisch ansprechendes Ambiente, das er sich mit dem prachtvollen Bodenmosaik an seiner Grabstätte noch über den Tod hinaus geschaffen hatte.
Mario Rausch


St. Pauler Kultursommer 2010
Eröffnung: 22. Mai 2010, 19h
www.kuso-stpaul.at – Tel. 04357/2019-21
Stiftsmuseum: www.stift-stpaul.at

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