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Lebendige Werke

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Lebendige Werke

geschrieben am 11.06.2013 15:35

Nuria Nono Schoenberg bringt nicht nur Erinnerungen an ihren Vater, Arnold Schönberg, und ihren Mann, Luigi Nono an den Wörthersee zum Classics Festival mit. Gewissenhaft betreut sie auch die Nachlässe der beiden Komponisten, um deren (inzwischen schon klassische) Musik zu ihren Wurzeln zurückzuführen.

Es hätte auch anders kommen können

Nuria Nono Schoenberg beim Wörthersee Classics Festival

Wäre es nach Nuria Nono Schoenberg gegangen, hätte sie ihr Leben als Ärztin in Los Angeles verbracht, hätte heute vielleicht ein schmuckes Haus in Beverly Hills und eine amerikanische Familie. Ja, wenn ... Wenn sie nicht die Tochter eines der größten Komponisten des 20. Jahrhunderts wäre. Und wenn sie nicht als ebendiese anlässlich eines Konzerts nach Europa gekommen wäre. Und wenn sie dort nicht einen ebenso berühmten italienischen Komponisten kennen und lieben gelernt hätte und nach Venedig übersiedelt wäre.

Juden. Aber das Leben spielt solche Stückeln. Noch in Europa kam Nuria 1932 in Barcelona als Tochter des Altösterreichischers mit jüdischer Abstammung Arnold Schönberg auf die Welt. Im Alter von einem Jahr emigrierte sie mit den Eltern in die USA, 1955 kehrte sie als Gattin von Luigi Nono nach Europa zurück. Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1990 sieht sie ihre Hauptaufgabe in der Pflege dieser beiden wichtigen musikalischen Nachlässe.

Klassiker. Die Überzeugung Schönbergs, dass seine Musik erst 50 Jahre nach seinem Tod anerkannt werden würde, hat sich bewahrheitet. Heute ist Schönberg der Klassiker der Moderne. Sie könnten sich aus Tantiemen und Verkäufen von Manuskripten ein luxuriöses Leben leisten. Aber genau das ist für sie und ihre zwei Brüder undenkbar. Der Schönberg- Nachlass (wahrscheinlich das umfangreichste Erbe eines Komponisten im 20. Jahrhundert überhaupt) wurde in eine Stiftung verbracht und befindet sich seit 1998 in Wien. Für den auch nicht gerade kleinen Nono-Nachlass hat Nuria Nono, die sich selbst für keine musikalische Laufbahn prädestiniert sah, auf der Giudecca in Venedig ein wunderbares Archiv eingerichtet.

Es ist dem Zukunftsglauben der Mutter zweier Töchter zu verdanken, dass beide Nachlässe heute der Öffentlichkeit als Studienquelle zur Verfügung stehen, also Forschungsstandorte sind. Dies, so sagt sie, wäre im Sinne meines Vaters und meines Mannes gewesen. Sie wollten, dass ihr Werk nicht nur im Konzertleben lebendig bleibt. Seit Jahrzehnten beehrt Frau Nono nicht nur Konzerte mit ihrer Anwesenheit, sondern kuratiert auch immer wieder Ausstellungen „ihrer“ beiden Komponisten. Als Präsidentin beider Nachlässe hat sie zudem auch Managementaufgaben zu bewältigen und finanzielle Entscheidungen zu treffen.

Kommunisten. Vom Vater spricht Nuria mit größter Ehrfurcht. Er ist für sie die wesentliche moralische Instanz ihres Lebens geblieben. Mein Vater sagte immer, dass jede Arbeit ihren Wert habe, wenn sie nur gewissenhaft gemacht ist – auch die eines Installateurs oder einer Raumpflegerin. Das hat mich geprägt. Viele Prinzipien fand sie bei ihrem Mann wieder. Luigi Nono, überzeugter und praktizierender Kommunist, zeigte gesellschaftlicher Ungerechtigkeit stets die Stirn. Seinen Einsatz für die weniger Privilegierten teilte sie mit persönlichem Engagement. Dazu zählte auch die aktive Sozialarbeit unter den Arbeitern Venedigs.

Das Leben von Nuria Nono steht beispielgebend für die Nachfolgegeneration der im Dritten Reich vertriebenen Künstler. Die Rückkehr des Vermächtnisses ihres Vaters in seine Geburtsstadt Wien hat ihr eine Art Aussöhnung ermöglicht und eine Idee dessen gegeben, was Heimat heißt. Denn wo diese zu finden sei – in Österreich, woher ihre Eltern stammen und Arnold Schönberg seine künstlerischen Wurzeln hat, im LA ihrer Jugend, oder in Italien, wo sie ihre eigene Familie hat – wusste sie sowieso lange nicht.

Ilse Schneider


Tipp:
Nuria Nono Schoenberg zu Gast beim Wörthersee Classics Festival 2013 am 9. Juni in der Abschluss-Matinee um 11 Uhr. Im Gespräch mit der Buchautorin Ilse Schneider wird sie über ihr Leben erzählen und Ausschnitte aus ihrer Biographie „Mein eigenes Leben“ zum Besten geben. Weiters ist eine von ihr gestaltete Multimedia-Ausstellung über ihren Vater Arnold Schönberg zu sehen. Das Christine-Lavant- Quartett spielt Schönbergs Streichquartett in D-Dur, sein erstes Quartett.

Woerthersee Classics Festival
5. – 9. Juni 2013
Eröffnungskonzert im Stadttheater Klagenfurt Udo Zimmermann (*1943) – Violinkonzert (2013/Uraufführung)
Gustav Mahler – Symphonie Nr. 1 in D-Dur
Mitglieder des Symphonieorchesters der Volksoper Wien
6.6.: Klavier und Partner – Gustav Mahler
Ensemble spielt Brahms u. Schubert
7.6.: Spiegel – Wellen – Echos:
Carinthia Saxophonquartett (25 Jahre) spielt Kompositionen von Brahms, Stephan Kühne (*1956), Manfred Plessl (*1984), Gerhard Lampersberg (1928- 2002), Erich Eder de Lastra (*1933), Günter Lenart (*1963), Guido Mancusi (*1966).
8.6.: „…XYZ“ – Es kommen härtere Tage:
CD-Präsentation und Konzert mit Kompositionen von Dieter Kaufmann. (alle Konzerthaus Klagenfurt/Mozart Saal 19.30 Uhr)
www.woertherseeclassics.com

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