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geschrieben am 24.10.2013 12:09

Ikone, Vorbild und literarische Lichtgestalt Ingeborg Bachmann ist auch nach den "Tagen der deutschsprachigen Literatur" in aller Munde. Neben einer Hommage an die bekannte Kärntner Autorin durch Bilder von Gert Pallier oder ein Wechselspiel zwischen dem Text von Simone Schönett und Fotos von Eva Asaad steht (Frauen)Literatur im Vordergrund der Herbstausgabe.

Hommage an Ingeborg Bachmann

Zum 40. Todestag. Von Simone Schönett (Text) und Eva Asaad (Bilder)

Zugegeben, meine Ehrfurcht. Zugegeben, meine Unsicherheit.
Sie über Maria Callas: „Hier war jemand, der durch sein Vorhandensein Vernunft und Gefühle schärfte.“
Dasselbe gilt für Ingeborg Bachmann selbst. Die Ikone. Das weibliche literarische Vorbild meiner Jugend in Kärnten, im Süden, an der Grenze, auch der der Sprache(n).

Als ich, um diese Hommage gebeten, vor meiner Bibliothek stand, sah ich erst wieder, wie wichtig sie mir gewesen war: Fast ihr gesamtes Werk war da.

Nichts erklärt einem die Liebe, jedoch, im Unbewussten (Unterbewussten), prägte die Bachmann mich wohl mehr als jemand sonst. Diese ewig dauernde Wucht ihrer Gedichte, die direkt die Seele treffen, unabhängig davon, welchem Geschlecht oder welcher Schicht diese Seele angehört. Die Liebe und den Schmerz ins Wort gekleidet für alle (künftigen) Geschlechter, darin ist Bachmann Rilke und Celan nicht nur ebenbürtig, sondern – zugegeben – überlegen.

Leider fällt im Zusammenhang mit ihr immer nur der eine, leidig oft zitierte, in verschiedensten Todesarten dauergeschliffene Satz, dabei vermachte sie uns in der Rede zur Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden, sich auf Musil berufend, doch einen wahreren: „Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten.“

Der Satz passt viel mehr zu schreibenden Frauen, denen man im Übrigen und im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen „Selbstinszenierung“ nur ungern zugesteht. Das so genannte divenhafte Gehabe wurde der Bachmann ja gerne vorgeworfen, dabei sind unsere Dichter und Schriftsteller davon doch um so viel mehr befallen. Aber während für diese gilt, es sei unerlässlich, um sich durchzusetzen, um aufzufallen, nicht unterzugehen, scheint, weder zu meiner und schon gar nicht zu ihrer Zeit, dasselbe für Dichterinnen, Schriftstellerinnen nicht zu gelten.

Wer gegen festgelegte Geschlechterrollen lebt, wer keinen Brotberuf hat, wessen Schreiben ein Schreibenmüssen ist – „Ich kenne nur meinen Schreibtisch, der mir verhasst ist, aber ich würde ihn doch nicht verlassen … Wer einen dazu zwingt? Niemand natürlich. Es ist ein Zwang, eine Obsession, eine Verdammnis, eine Strafe.“ (Rede zur Verleihung des Anton-Wildgans- Preises) –, lernt gut das kennen, was Ingeborg Bachmann die „hundertfache Hydra Armut“ nannte.

Sie wusste oft nicht einmal, wie sie ihre Miete zahlen sollte, trug aber scheinbar teure oder zumindest auffällige Kleidung. Das wollte und will einfach nicht zusammenpassen – und ist doch eine reale Möglichkeit: das getragene Tuch vielleicht fein, der Kühlschrank aber leer, und dennoch: An der Unsicherheit und der Scheu und dem Zweifeln ändert es wenig. Und es beseitigt auch nicht den chronischen Geldmangel einer freien Autorinnenexistenz. Aber, ach was, keiner will das sehen, Ihr glücklichen Augen, übrigens die mir viel liebere Erzählung als die ausgetretenen Drei Wege zum See. Die Figur der Miranda, die zu eitel ist, um sich die Brille aufzusetzen und deshalb nichts sieht, was „für eine besondere Form der Arroganz gehalten“ wird, damit schenkte Bachmann mir als junges Mädchen eine literarische Identifikationsfigur.

Eigenartig, ich habe zuerst alle ihre Erzählungen gelesen. Und dann natürlich Malina. Dass ihr Roman, wie sie sagte, „eine einzige Anspielung auf Gedichte“ (Celans) ist, wusste ich damals nicht, aber er eröffnete mir den Weg zu Bachmanns Gedichten, die mir als junge Frau zwar sehr gefielen, aber viel weniger sagten als jetzt, als ich sie wieder las.

Jeder, der nur irgendwie an sich zweifelt, findet in Bachmanns Gedichten alles. Mir indessen enthüllen sie, der Moderne zum Trotz (oder gerade deswegen), auch die Affinität großer Wortkunst zum Schamanismus.

Simone Schönett


Bachmann (geb. 25. Juni 1926 in Klagenfurt; gest. 17. Oktober 1973 in Rom) zu Ehren:
Aus: Anrufung des Großen Bären (siehe auch Cover der Bruecke)

Lieder auf der Flucht
XV
Die Liebe hat einen Triumph und der Tod hat einen,
die Zeit und die Zeit danach.
Wir haben keinen.

Nur Sinken um uns von Gestirnen, Abglanz und Schweigen.
Doch das Lied überm Staub danach
wird uns übersteigen.


Liegt Böhmen noch am Meer?
Hommage an Ingeborg Bachmann
anlässlich ihres 40. Todestages
Mit: Seraphine Rastl*, Christa Ratzenböck, Mitsugu Hoshino
13. Oktober, 19.30 Uhr Stadttheater Klagenfurt
www.stadttheater-klagenfurt.at

* Seraphine Rastl, gebürtige Wienerin mit Klagenfurter Wurzeln, absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz und schloss ihr Studium mit einer ausgezeichneten Arbeit über die BachmannLyrik ab. Seit heuer ist sie Mitglied des Stadttheater Ensembles.

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