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Literatur am E-Reader

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Literatur am E-Reader

geschrieben am 03.08.2012 08:00

Es gehört zu den modernen Wahrheiten, dass neue Medien wie E-Book auch beim ORF-Bachmannpreis Einzug halten. Die 13. Rede zur Literatur unter dem Titel „„Der haltbare Satz im Bimbam der Worte: Ingeborg Bachmanns Wahrheit und Dichtung“ von Ruth Klüger, einer „süchtigen E-Buch-Leserin“, ging mit einem Tablet-PC über die Bühne.

„Die Vorleserin“

Vom KZ zum eBook

Beim Bachmann-Wettbewerb geschah es. Die Eröffnungsrede wurde erstmals nicht vom Papier, sondern von einem Tablet-PC abgelesen, den die Vortragende lässig in der Hand hielt. Als ich dann den Namen Ruth Klüger in mein eBook eingab, fand ich nicht nur ihr Hauptwerk „Weiter Leben“, das die Erfahrungen der elfjährigen im KZ beschreibt und das mit einem so elementaren Satz beginnt „Der Tod, nicht Sex war das Geheimnis, worüber die Erwachsenen tuschelten“, sondern auch ihren Text „Anders lesen: Bekenntnisse einer süchtigen E-Buch-Leserin“ , ein Plädoyer für das eBook, dessen Inhalt ich eigentlich Satz für Satz selber hätte schreiben wollen, seit ich vor einem halben Jahr meinen E-Reader gekauft hatte. Ich glaubte, der Text wäre neu, aber sie hatte ihn bereits bei der Buchmesse Basel 2010 vorgetragen. Als Amerikanerin hat Ruth Klüger einen direkteren und unsentimentaleren Zugang zu digitalen Hilfsmitteln – und was Bücher betrifft sowieso, in einem Land ohne Buchpreisbindung.

Bücher definieren mich – neben den DVDs – nach wie vor als den, der ich bin. Doch die Lust, neue zu kaufen, ist erheblich gesunken, während ich impulsiv immer mehr elektronisches Lesematerial bestelle. Man liest eine Rezension in der Zeitung, man sucht den Titel, drückt auf einen Knopf und hat den Text innerhalb von einer Minute. (Gleichzeitig wird der Betrag von meinem Konto abgebucht, meist drei bis vier Euro weniger als für das Buch selbst, was im Vergleich mit den USA immer noch viel zu teuer ist).

Doch nicht zu vergessen die Klassiker, die man kostenlos herunterladen kann. Der Vorteil ist so offensichtlich, dass es keine Frage ist, ob die Revolution uns willkommen ist oder ob wir sie beklagen – sie findet einfach statt. Ich habe nie so viel gelesen wie im letzten halben Jahr, klassische wie neueste Literatur – und ich vernachlässige darüber sogar den Film. Die Zeit reicht nicht aus – und manchmal auch nicht das Geld. Und ich bin immer noch verblüfft, dass ich meine neue Bibliothek und meine eigenen Texte problemlos mit mir herumtragen kann. Als Cineast warte ich jetzt auf die adäquate Möglichkeit, meine Filmothek eines nicht mehr allzu fernen Tages ebenso zur Verfügung zu haben. Dazu ist zu sagen, dass die E-Reader und die Tablet-PCs der Zukunft für einen kranken und nicht mehr allzu mobilen Benutzer wie mich ideal sind. Auch Ruth Klüger betont, dass die elektronischen Bücher in den USA immer öfter von Älteren gekauft werden. – Leidtragende sind natürlich die unabhängigen Buchhandlungen, die in Zukunft auf Subventionen angewiesen sein werden, wie die alternativen Kinos heute, um zu überleben.

In diesen Tagen, da der arabische Frühling in einem äußerst blutigen Bürgerkrieg in Syrien zu Ende zu gehen droht, fiel mir zufällig auf meinem E-Reader ein Buch in einer neuen Übersetzung „in die Hände“ – kann man das jetzt noch so sagen –, das mich schon in meiner Jugend fasziniert hatte, „Aufstand in der Wüste“ vom legendären Lawrence von Arabien, das damals noch „Die sieben Säulen der Weisheit“ hieß.

Wir kennen dieses grandiose Wüstenepos meist nur in seiner filmischen Form als „Lawrence von Arabien“ von David Lean, das Peter O’Toole und Omar Sharif verdient zu ihrem Oscar verhalf. Aber davon will ich heute nicht sprechen, obwohl der Film eine Reihe von bemerkenswerten Szenenfolgen aufweist, die ein Wiederansehen rechtfertigen würden.

Gleich im ersten Kapitel des genialischen Buches finde ich einen Satz als Kontrapunkt zur tragischen Gegenwart: Und mir kam der Gedanke, dass die Erhebung Arabiens gewissermaßen eine Pilgerfahrt werden könnte, eine Pilgerfahrt, die dem Norden – Syrien – ein anderes Ideal bringen würde: den Glauben an die Freiheit an Stelle ihres früheren Glaubens an eine Offenbarung. Aber als Lawrence mit seinen arabischen Freunden 1918 siegreich in Damaskus einzog, kam ihm beschämend und kolonialkritisch ein anderer Gedanke, die höchsten Ideale und die Freiheitsliebe der Araber als bloße Werkzeuge im Dienste Englands ausgebeutet zu haben.

Horst Dieter Sihler

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