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Literatur für die Welt

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Literatur für die Welt

geschrieben am 16.06.2016 07:00

Vincenc Gotthardt schreibt über die junge Kärntner Literatur in beiden Sprachen, während Verena Gotthardt und Nina Zdouc zwei Kostproben zur Verfügung stellen.

Die Stille macht sich an vielen Orten zu hören – es ist schrecklich laut. Solche Texte bleiben nicht in den Wolken hängen. Wer in Kärnten ernsthaft Lyrik schreibt, wird entdeckt. Auch wenn sie oder er es in Koroška tut. Alles kommt an den Tag. Auf Slowenisch. Auf Deutsch. Oder zweisprachig: heute auf Slowenisch morgen auf Deutsch. Geschrieben wird daheim und in der Welt. Die Sprache geht immer mit auf Reisen. Notizen und Verse in slowenischer Sprache am Strand in Nizza, in einer Bar in Chicago, vor der Medizinuni in München, oder anderswo auf der Welt. So kommt dann schon einiges zusammen und die Verse erscheinen im ersten Lyrikband. Davor aber wurde ein Literaturbewerb gewonnen, wurde da und dort ein Gedicht veröffentlicht, vor Publikum gelesen. Die Muttersprache ging auch in der fernen Welt nicht unter. Sie kommt von dort konzentriert wieder als Lyrik nach Hause. Und auch dieses Gefühl: Für die Sprache braucht man keinen Platz im Koffer und dennoch hat man die Welt von zu Hause mitgenommen: Emotionen, Bilder, Weite, Worte, Familie, Geschmack.

Manchmal sind Erinnerungen an literarische Anfänge etwas älter. Diese hier ist 33 Jahre alt und dennoch aus der bunten Kärntner Literaturgeschichte der beiden Sprachen nicht wegzudenken. Wir haben uns entschlossen, die vorliegende Sammlung literarischer Versuche zu veröffentlichen, um zu zeigen, dass der oft gehörte Vorwurf, Schüler würden sich für Literatur nicht interessieren, nicht zutrifft. Wir wollen betonen, dass es sich hierbei um Versuche handelt. Wir werden uns mit jeder Kritik auseinandersetzen, denn nur so können wir uns zielgerichtet entwickeln. Dieser Text ist das Begleitwort zur wahrscheinlich ersten zweisprachigen Literaturanthologie junger Kärntner beider Sprachen (1983, Sabine Knafl, Fabjan Hafner, Peter Flaschberger, Pepe Starman, Rupert Henning, Iris Geyer, Janez Kassl, Vincenc Gotthardt, Martin Koren). Der Titel war einfach: „Besede/Wörter“. Die einleitenden Worte schrieb der damals 17-jährige Fabjan Hafner (siehe auch Seite 25, Bruecke 177-178). Doch den damals noch taufrischen literarischen Anfängern gelang es nicht, einen Verlag für diese knappen 80 verdichteten Seiten zu finden. Diese Anthologie erschien im Eigenverlag, was viel über die Literaturförderung aussagte. Junge Literatur hatte es damals in Kärnten nicht leicht, öffentlich zu werden. Auch die zweisprachige nicht. Als die Literaturzeitschrift „mladje“ verstummte, war das Buch, das viermal im Jahr junge slowenische Literatur veröffentlichte, geschlossen. Die meisten, die in mladje veröffentlicht haben, wurden in der Öffentlichkeit mit ihren Büchern bekannt.

Die Generation nach ihnen hatte nun nur sehr wenige Möglichkeiten, in die Öffentlichkeit zu treten. Die Zeitschrift „Družina in Dom“ des Verlages Mohorjeva/ Hermagoras bot jungen Autoren eine Möglichkeit der Veröffentlichung. Eine andere war die vor 25 Jahren gegründete monatliche Kulturbeilage der ältesten slowenischen Wochenzeitung Nedelja, in der junge Autoren in der Rubrik Na svetlo dano (Veröffentlicht) die Möglichkeit bekamen, unveröffentlichte Texte vorzustellen. Seit zehn Jahren erscheint die Literaturzeitschrift „Rastje“ des Vereines der slowenischen Schriftsteller in Kärnten (Društvo slovenskih pisateljev v Avstriji). Diese auf ca. 400 Seiten erscheinende Zeitschrift gibt jedes Jahr den (fast) vollkommenen Überblick über das slowenische literarische Schaffen in Kärnten. Hier veröffentlichen auch jene junge Autoren, die schon in den Mittelpunkt der slowenischen literarischen Aufmerksamkeit getreten sind.

Etwas sei besonders erwähnt: der Literaturpreis anlässlich des alljährlichen Tischlerpreises, ausgeschrieben vom Christlichen Kulturverband und Rat der Kärntner Slowenen. Sein Erfolg kann auch an Preisträgern gemessen werden, die schon in sehr jungen Jahren ein Buch veröffentlicht haben. Es sind dies: Amina Majetić: Vse ali nič; Kvina Hutterer: So misli moje metulj postale; Nina Zdouc: Ko ne pišem me ni (Wieser Verlag 2012) Verena Gotthardt: Najdeni nič (Mohorjeva/ Hermagoras 2013) und Aljaž Robič: Smeji se nah vesolje (Wieser 2016).

Die jungen Literaten schreiben eine Literatur für die Welt, ja eigentlich muss man es so formulieren: einiges davon ist Weltliteratur, geschrieben in einer Sprache, die zu den kleinsten der Welt zählt. Und was muss noch geschrieben werden, damit Literatur geschehen kann: Das Land Kärnten soll jene Kärntner Verlage besonders fördern, die Erstlingswerke junger Literaten verlegen. So wird wirklich kein Wort, ob slowenisch oder deutsch, in den Wolken hängen bleiben.

Vincenc Gotthardt


Vincenc Gotthardt ist Redakteur der slowenischen Kirchenzeitung Nedelja in Klagenfurt. In seiner Freizeit widmet er sich seit Jahren dem Mal und Zeichenstift sowie der Poesie und Fotografie, die mehrere Publikationen begleiten. Seine im jüngsten Buch Sacra Carinthia abgebildeten Kirchen zieren auch die Homepage der Gurker Diözese (siehe auch Buchtipp Bruecke 159/160).


Verena Gotthardt


Verena Gotthardt, geb. 1996, studiert seit dem Winter semester 2015 an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Nach der Matura am Slowenischen Gymnasium in Klagenfurt, lebte sie ein Jahr in Nizza. Veröffentlichungen in verschiedenen Publikationen. 2013 erschien beim Verlag Mohorjeva/ Hermagoras in Klagenfurt ihr slowenischer Lyrikband »Najdeni nič« (Gefundenes Nichts).

Aussagen v senci
Das Sprechen
über
das Darüber.


Nicht
mehr
als ein
volles
Glas
und eine
halbe
Amsel
aussagen.

Die
Röte
sieht aus
wie
drei Berge
mit Wiesen.

Nicht rot.

Wenn das
der Himmel sehen
könnte.

Den Blick stur
nach unten gerichtet,

damit er
es
nicht tut.


Aussagen

Das Sprechen
über
das Darüber.

Nicht
mehr
als ein
volles
Glas
und eine
halbe
Amsel
aussagen.

Die
Röte
sieht aus
wie
drei Berge
mit Wiesen.

Nicht rot.

Wenn das
der Himmel sehen
könnte.

Den Blick stur
nach unten gerichtet,

damit er
es
nicht tut.
smeh
sme
živeti

po temnem
se porine
po steni
prihodnosti
in potipa
sonce

čuti
da spi

nežno
porine
in razume
noči
brez sanj

vsakič

smeh
sme
biti

vsakič
ko se
v
noč
izgubi

potopi
se v
senci

sanja
o
tistih
temnih
morjih



Nina Zdouc


Nina Zdouc,
geb. 1994, maturierte am Slowenischen Gymnasium. 2011 erhält sie den Preis der Klagenfurter Gruppe. 2012 erschien beim Wieser Verlag ihr Lyrikband »Ko ne pišem, me ni«. Derzeit studiert sie in München Medizin.

Pomlad Lügner
Zvoki nežnih
dotikov tipk
in strun
glas
jaz pa si želim
da bi lahko
ušla vsakdanu
se odpeljala
kar tako
brez upoštevanja
terminov
in oddajnih rokov
v vlaku
ki bi me popeljal
po ovinkastih cestah
mimo gozdov
rek in mest
z mano v kupeju
kakšen posebnež
ki bi mi pravil o
radostih življenja
že vidim zvezde
ko stegnem glavo iz okna
vagona
veter mi piha v obraz in
takrat
zavoham
pomlad
ki se vrača v naše kraje
takrat se šele zavemo
kaj se je spremenilo
kdo je še z nami
na naši poti
koga med mrzlimi
zimskimi meseci
sploh ni bilo videti
iz svojega brloga
vsi malo bolj bledi
lasje daljši
pogledi presenečeni
ko zagledajo
prvo sonce
kot da bi videli
prijatelja
ki se ni
javil že tri leta
toplota
nekaj tako nepredstavljivega
se me dotika ko stojim
pred gredo
kjer so vsadili prve tulipane
vedno se spomnim ljudske
šole
vsako leto
učenje spomladanskih
cvetlic
vedno in vedno spet
a nekaj mi ne daje miru
ta barva
ZELENA
tako drugačna
kot vsi odtenki sive
v katere sem buljila
zadnje mesece
zraven mene se
deklica joče
ker njen sladoled
veselo in zadovoljno
leži sredi ceste in se ji
posmiha
kakšna nesreča v sreči
se zamislim
in se spet potopim v knjigo
kemije
ki me na svoj preveč pameten
in vzvišen način
sploh ne vabi k branju
veliko raje bi...
jutri je izpit
uči se
zdaj!
Kann die Antwort auf eine
Lüge
jemals die Wahrheit sein?
Wenn ich dir sage,
dass ich dich vermisse
obwohl dem nicht so ist
und du mir sagst
dass auch du mich vermisst
haben deine Worte gar nicht
die Möglichkeit bekommen
ehrlich zu sein
da sie sich an meine Lüge
klammern
vor vierunddreißig Minuten
warst du noch
ein anständiger Mensch
doch jetzt bist du
ohne es zu merken
ein Lügner geworden
dem ich nicht vertrauen
kann.

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