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Mahler Symphonien

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Mahler Symphonien

geschrieben am 01.06.2010 22:00

Ein Streifzug zum musikalischen Schaffen Gustav Mahlers. Der klanglichen Vielfalt auf der Spur reist die Bruecke zum Musikforum Viktring, zur Jeunesse-Geburtstagsgala, zu den Wörthersee-Classics, nach Toblach oder zu Mahlers Anfängen nach Laibach - hier der Auftakt.

Mahlers symphonisches Schaffen geht weit über seine 10 Symphonien hinaus. Lässt sich doch eine Abgrenzung von seinen Orchesterliedern, allen voran „Das Lied von der Erde“, äußerst schwer vornehmen, zu eng sind Instrumentales und Vokales miteinander verwoben, zu sehr gehen scheinbar gegensätzliche formale Grundsätze ineinander über.

Daher mutet es nahezu paradox an, dass ausgerechnet seine zur Gänze am Wörthersee komponierten Symphonien 5 bis 7 ohne jeglichen Stimmgebrauch konzipiert wurden, in einer Region, die sich – zumindest in der Gegenwart – mit mehr oder weniger tiefschürfendem Gesang nachhaltig identifiziert! Mahler fand sehr wohl Kontakt zu lokaler Volkskultur – so beschreibt er mit einigem Interesse ein Volksfest am Kreuzbergl, das ihm auch musikalische Eindrücke vermittelte, direkte Zitate in seinem Schaffen wie etwa bei Alban Berg lassen sich allerdings nicht nachweisen.

Die Entscheidung, sich auf reinen Orches terklang zu beschränken, fußt in der Absicht, nach der „Außensicht“, der Fremdbestimmung durch eine übergeordnete Instanz, wie in den ersten vier, den „Wunderhorn“-Symphonien dargestellt, die „Neugestaltung der Welt aus dem eigenen Ich“ zu dokumentieren. Dass ihn dabei die liebliche Landschaft rund um sein Sommerdomizil am Wörthersee nachhaltig beeinflusst haben soll, muss stark angezweifelt werden, inspirierend war sie allemal. Zu sehr suchte Mahler in seinen Arbeitsphasen die Abgeschiedenheit, ja Isolation. Anschaulich nachvollziehbar beim Besuch eines seiner Komponierhäuschen, dem im dichten Wald verborgenen Ruhepol oberhalb von Maiernigg.

Mahlers 5. Symphonie beginnt mit mächtigen Trompetenfanfaren, die den „Trauermarsch“ einleiten, scheinbar Banales steigert sich zu differenziertester Komplexität. Im krassen Gegensatz dazu steht der bekannteste Satz aus diesem Werk, welches in den Sommern 1901 und 1902 ebendort komponiert wurde, der nur von Streichern und Harfe ausgeführte vierte, das Adagietto, das durch die beinahe inflationäre Verwendung in Luchino Viscontis berühmter, 1971 entstandener Verfilmung von Thomas Manns Tod in Venedig ungeahnte Breitenwirkung erfuhr.

Eine ganze Reihe unterschiedlicher Interpretationen füllt seither die CDRegale, wobei unter anderem die teilweise völlig konträren Tempi verwundern (zwischen sieben und 14 Minuten!). An dieser Stelle sei eindringlich auf Leonard Bernsteins Version mit den New York Philharmonic aus dem Jahre 1964 verwiesen: Leidenschaftlicher und konzentrierter hat man diese Partitur später kaum mehr zum Klingen gebracht! Wer es gerne etwas schräger hat, dem seien Uri Caines Mahler- Bearbeitungen aus dem Jahre 1997 ans Ohr gelegt …

In seiner 6. Symphonie, die 1903 und 1904 in Kärnten entstanden ist, spielen sehr persönliche Bereiche eine tragende Rolle. Seine Frau Alma berichtet in ihren „Erinnerungen“: „Nachdem er den ersten Satz entworfen hatte, war Mahler aus dem Walde herunter gekommen und hatte gesagt: ,Ich habe versucht, Dich in einem Thema festzuhalten – ob es mir gelungen ist, weiß ich nicht. Du musst Dir’s schon gefallen lassen.‘“

Schilderungen seiner spielenden Kinder, mit finaler tödlicher Dramatik im 3. Satz, werden 1907 mit dem Ableben einer seiner kleinen Töchter traurige Realität. Skizzenhaft im Jahre 1904 begonnen, kam es nach mehreren Korrekturen erst vier Jahre später zur Uraufführung der 7. Symphonie. Ihre Instrumentation sprengt den bis dahin üblichen Rahmen: Mandoline, Gitarre, ja sogar Herdenglocken sind nicht die einzigen Besonderheiten; Klangverfremdungen durch die Vermischung extremer Register und ungewöhnlicher Instrumentenkombinationen weisen bereits zu Schönbergs Farbenreichtum. Programmatische Zusammenhänge zwischen den einzelnen Sätzen und – wie bei Mahler üblich – starke literarische Affinitäten (besonders in den beiden „Nachtmusiken“) kulminieren in einem euphorischen, ekstatischen Finale.

Mahler war zu sehr Kosmopolit, um der Atmosphäre eines Ortes bedingungslos zu erliegen, der schöpferische Einfluss der Landschaft rund um den Wörthersee wohl begrenzt. Die Nachhaltigkeit seines Schaffens für die kulturelle Wertigkeit unseres Landes ist jedoch nach wie vor in viel zu geringem Ausmaß im Bewusstsein einer breiten Bevölkerungsschicht verankert!

Bernhard Bayer

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