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Moor-Kunst in der Mühle

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Moor-Kunst in der Mühle

geschrieben am 03.07.2009 15:45

Statt Wasser hat nun in Himmelberg das Moor einen Bezug zur Mühle. Eveline Koren gelang es der Kunstmühle neues Leben einzuhauchen. Naturbezogene Farben und Formen werden von Gert Pallier ins Spiel gebracht. Die erste Ausstellung in der Mühle mit seinen Werken ergibt die perfekte Symbiose von Moor-Mühle-Kunst.

Moor-Mühle-Kunst; Moor-Kunst-Mühle. Kunst-Mühle-Moor. Moor in der Kunstmühle. – Was als Wortspiel anmutet, hat durchaus Realitätsbezug: in Himmelberg gingen Moor, Mühle und Kunst eine Symbiose ein: in einer geschichtsträchtigen Kunstmühle werden geheimnisvolle Moor- Landschaften, Zeichnungen und andere großformatige Bilder gezeigt, die ihrerseits die direkt an der Tiebel gelegene Mühle in einen bezaubernden Kunst-Ort verwandeln. Die von der gelernten Kunstmüllerin Eveline Koren mit großem persönlichen Engagement und hohem finanziellen Aufwand renovierte Kunstmühle, die bereits 1792 urkundlich erwähnt wurde, öffnete dem interessierten Publikum vor kurzem ihre Tür und zeigt derzeit als Eröffnungsausstellung Werke des Malers Gert Pallier.

Wer ist Pallier? Ein Kärntner Künstler? Oder ein Franzose? – Tatsächlich entstammt Pallier einem französischen Adelsgeschlecht, dessen Wurzeln sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Doch seinen Namen spricht der Kärntner Maler nicht französisch aus, zu lange leben seine Vorfahren schon in Kärnten und er in Feldkirchen, wo er im Alten Bürgerspital schon seit vielen Jahren ein Atelier bezogen hat. Sich selbst bezeichnet er als einsamen Wolf, denn er verbringt täglich viele Stunden in der Natur und lässt Gerüche, Farben und Formen auf sich wirken. In den letzten Wochen und Monaten zog es ihn oft ins Sablatnig-Moor in der Nähe des Klopeiner Sees, er entdeckte es für sich und versuchte seine Sprache zu begreifen, um diesen besonderen Lebensraum, der viele seltene Pflanzen und Tiere beherbergt, wie ein „Übersetzer“ malerisch auf Papier zu bannen. Entstanden sind bemerkenswerte Studien in Erdfarben, die Pallier mit kräftigen Farbstrichen akzentuiert. Mystische Wesen, die aus einer unberührten Landschaft emporzusteigen scheinen, nehmen mit dem Betrachter Kontakt auf und strecken sich wuchtig und kräftig aus dem hellen Malgrund. Baumstümpfe, Sümpfe, aparte Gewächse in strahlendem Gelb, die sich aus dem hellbraunen Boden emporrecken – der Maler aus Feldkirchen setzt sich keine Grenzen und weckt die Ahnung von unberührter und wilder, gewachsener Natur.

Die Natur dient Pallier als unerschöpflicher Ideenfundus und er arbeitet tatsächlich Materialien aus der Natur in seine Bilder ein. Mit Erde, Blättern, Algen und zermalmten Blütenblättern entstehen Bildkompositionen, die von einer unnachahmbaren Farbenvielfalt geprägt sind und durch die unterschiedlichsten Oberflächenstrukturen faszinierende Arbeiten entstehen lassen. Seine Bilder fertigt der in Feldkirchen lebende Maler, der heuer seinen 60. Geburtstag feiert, vorzugsweise im Format 100 x 150 cm. Das Papier oder die Leinwand legt er vor sich auf den Boden, kniet malend davor und arbeitet am liebsten mit Pastellkreide und Temperafarbe. Diese Malweise hat er perfektioniert, um die Farbgerinnung auf der Fläche besser kontrollieren zu können und spezielle Effekte zu erzielen.

Studien bei Prof. Peter Kubovsky (Kunsthochschule Linz) und Prof. Johannes Wanke im Südburgenland verhalfen Pallier dazu, sich künstlerisch weiterzuentwickeln und neue Wege zu beschreiten. Dass er ein großer Zeichner ist, regelmäßig Akte zeichnet und erst über das Zeichnen in die Malerei eintauchte, entdeckt der Kunstinteressierte, wenn er seinen über 100 Seiten zählenden Katalog mit Zeichnungen durchblättert und sich Impressionen aus Venedig, Wien und Berlin näher ansieht. – Jene für Venedig so typischen Fußgängerbrücken, die sich über die Kanäle spannen, Wäsche, die zwischen venezianischen Häusern an Wäscheleinen gekluppt, im Wind trocknet – Pallier vermag mit wenigen Tuschestrichen den Charakter der Serenissima auf Ingres- Papier zu verewigen. In Wien sind es renommierte Kaffeehäuser, wie das Café Schwarzenberg, das Café Sperl oder das Café Imperial, die den Kärntner Künstler zum Zeichnen anregen. Und er erobert Wien mit Kugelschreiber, Papier und Farbstiften und zeichnet mit feinen Strichen, die sich auf das Wesentliche reduzieren, das Volkstheater, den Burggarten oder die Votivkirche. Impressionen aus Berlin bringt er mit Pastellkreide zu Papier. Kreuzberg, Schloss Charlottenburg und viele andere bekannte Berliner Motive setzt er in seinem ganz persönlichen Stil um, den Kubovsky als sensibel und dennoch streng diszipliniert umreißt.

Pallier schreibt regelmäßig innere Notizen und hat auch eine Ader für feine Poesie, das beweist seine langjährige Beschäftigung mit Literatur, wobei ihm der chilenische Autor und Literaturpreisträger Pablo Neruda besonders am Herzen liegt. Dieser begleitet den Kärntner Künstler schon seit vielen Jahren mit seinen einfühlsamen lyrischen Texten, sodass Pallier schließlich seine bildreiche Sprache künstlerisch aufzuarbeiten begann. Entstanden sind verschiedenste Neruda- Zyklen mit wunderbaren großformatigen Arbeiten, die Titel wie „Zärtliches Licht“ oder „Wiege des Regens“ tragen. In stimmungsvollen Farben werden Natur und Poesie in Beziehung gesetzt und mit fabelhaften Licht- und Schattenspielen ausgestattet. Ich will keine schönen Arbeiten machen, sondern wahre. Bilder, die aus meiner Persönlichkeit kommen, stellt Gert Pallier energisch fest und erläutert weiter: Ich möchte mit meinen Bildern das Dahinter, das hinter dem Wahrnehmbaren ergründen. Ich kämpfe mit Farbe und Form. Dass ihm das offensichtlich gelingt, drückt ein damaliger Kommentar von Ulli Sturm im Kunstverein Kärnten aus: Gert Pallier weckt Emotionen und Assoziationen bei den Betrachtern seiner Bilder und schafft es mühelos, sie in seine Gedankenwelt zu entführen. Sei es nun die lyrische Stimmung der Gedichte Pablo Nerudas, das skizzenhaft Fragmentarische seiner Architekturzeichnungen oder das Phänomen von Farbe und Form der Natur und Vegetation.

Moor-Mühle-Kunst. Die Symbiose in der Kunstmühle ist anlässlich der Eröffnungsausstellung von Gert Pallier gut gelungen. Wer sich selbst von diesem in Kärnten einzigartigen Ausstellungsort, wo Kunst, Handwerk und Geschichte in faszinierender Weise vernetzt werden, ein Bild machen möchte, hat im Sommer z. B. gute Gelegenheit dazu. Helga Steiner

 

Ausstellung in der Kunstmühle Himmelberg, Steinbruggerweg 6,
Besuch nach Voranmeldung unter Tel: 0676/300 24 91 (Eveline Koren)
Dauer der Ausstellung: 6.6. – 31.8.2009

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