Herzlich
Willkommen auf der
Kulturhomepage der Kärntner Landesregierung


Ihr Kulturreferent Landesrat DI Christian Benger
Veranstaltungstipps, Nachlese und Kulturnews aus ganz Kärnten.

Mysteriöse Wesen

« zurück

Beitrag teilen

Mysteriöse Wesen

geschrieben am 07.10.2011 14:55

Menschen und Tiere tauchen in der Kunst von Guido Katol (Galerie Šikoronja) aus dem Licht. Intime Beziehungen entstehen in einer bunten Welt, der es an Mythen und religiösen Zeichen nicht mangelt. (Exotische) Tiere zwischen imaginären und realen Welten kann man auch in den Bildern von Elisabeth Wedenig (bäckerstraße4; Wien) entdecken – ebenfalls in der aktuellen Bruecke.

Von Menschen und Tieren

Guido Katol bringt uns in der Galerie Šikoronja „ans Licht“

Die Feuerschluckerin streicht mit einer Flamme ihrem gestreckten Arm entlang. Aus der Drehung heraus richtet sie ein Lächeln an mögliche Zuseher, ihr Blick zieht an uns vorbei ins Unbekannte. Rechts blitzt das grinsende Gesicht eines Affen auf. Die zwei Gesichter machen die Bühne frei für die feuerführende Hand. Sie taucht, geformt wie zum Schattenspiel, nah beim Affengesicht aus dem Dunkel auf und kann plötzlich als eine von der Artistin entkoppelte Drittgestalt wahrgenommen werden. Wie von einem Puppenspieler bewegt, führt sie uns hinters Licht. Dorthin, wo Lächeln und Grinsen zu Waagschalen werden, ein heller und ein dunkler Fleck unsere Pläne durchkreuzen, die Flamme zum Zünglein an der Waage wird.

Artisten in der Zirkuskuppel. Es ist eine Welt der Anspielungen, der Irritation, des Assoziativen, in die uns Guido Katol mit seinen Bildern von Menschen und – mitunter exotischen – Tieren führt. In der Wahl seiner Motive beweist er ein untrügliches Gespür für die Momente unverhüllten Ausdrucks, jene Momente des Ineinandergehens von Psyche und Physis, die Wesenhaftes erkennbar machen. Vom Bildrand beschnittene Körper und Gesichter konzentrieren unsere Wahrnehmung auf das, was sich im Bild in befremdender Intimität ineinander entgrenzt, wo Differenzen vertraulich ausgetauscht werden.

Die Blicke der Menschen und Tiergestalten nehmen uns ganz unterschiedlich ein, sind divergent in ihren Richtungen. Wo wir ihr Ziel wähnen, verspannen sie sich mit unserer Imagination. Arme und Hände rhythmisieren, oft halten oder tun sie etwas. Verwandeln. Ihre Innigkeit hält Katols Malerei frei von leeren Gesten. Die Idee beharrlich im Auge, zielt seine präzise, der Intuition folgenden Pinselsprache auf die Freisetzung des Bildes.

Befremdende Intimität. Der Pelikan pfeift aus dem letzten Loch. Noch eiförmig, weiß, bläulich, rosa, einem soeben Geborenen nicht unähnlich. Dem Pelikan hockt – die angewinkelten Beine keulenförmig zum Betrachter gerichtet – mit hochgeschobenem Kleid der Torso einer Frau auf. Thronförmig, ohne Höschen, mit Getränkedose. Das lichte Blau des Hintergrundes geht unten in Grüntöne über, in denen nur ein orangebrauner Strich das dunkle Inkarnat der Frau reflektiert. Guido Katol nennt dieses Bild mit Ironie „Bodenbrüter“.

Christliche und andere Mythen. Um den Pelikan ranken sich Auferstehungsmythen. Selbstaufopferung und (erstickende) elterliche Liebe werden ihm zugeschrieben, seine Kinder füttert er einem Glauben nach mit dem Blut aus seiner eigenen Brust, ja seit Dantes Zeiten wird er gar mit Christus assoziiert und steht für Frömmigkeit und Eucharistie.

Der „Bodenbrüter“ gibt uns kalt-warm. Der Duktus scheint grob, formt die Körper dieses traumartigen Gespanns zu einer malerischen Behauptung ohne Rücksicht auf ihre Möglichkeit im naturalistischen Sinn, formt Mehrdeutigkeiten. Unsere Wahrnehmung klinkt sich in die bildimmanenten Verflechtungen ein.

Guido Katols Malerei bringt/dringt (es) ans Licht. Seine neuen Bilder sind ab 1. Oktober 2011 in der Galerie Šikoronja zu sehen.

Ingeborg Kofler


Guido Katol, geb. 1962 in Villach;
1982 Beginn der künstlerischen Tätigkeit; Atelierbesuche bei Cornelius Kolig; 1984 Studium bei Prof. Maria Lassnig;
1989 Hochschule für angewandte Kunst; lebt in Wien. (Ausstellungen zuletzt)
2011: Munich Contempo (Aurora Art Gallery), München; Menschenbilder aus der Sammlung MMKK.
2010: Festival der Bezirke, Wien; GEMMAKUN?TSCHAUN. Villach.
2009: Katol/Rhoosn, Globasnitz, Kärnten.
2008: „k08“ – Emanzipation und Konfrontation, Museum des Nötscher Kreises; „Mit eigenen Augen“ – KünstlerInnen aus der ehemaligen Meisterklasse Maria Lassnig www.guidokatol.com

Galerie Šikoronja – Guido Katol
Galerieweg 5, Rosegg
Eröffnung/odprtje: 1.10.2011, 19–24 Uhr
(Lange Nacht der Museen)
Zur Ausstellung spricht/Krazstavi spregovori:
Dr. Elisabeth Vitouch
Geöffnet bis/odprto do 6.11.2011
Öffnungszeiten: FR-SO / PET-NED, 15 – 18 Uhr/
ura oder nach telefonischer Vereinbarung / ali po
telefonskem dogovoru. Tel.: +43/4274 - 4422
www.galerie-sikoronja.at

Interessiert? Bleiben Sie mit dem Kulturchannel in Verbindung!

Wir auf Facebook

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie aktuelle News und Veranstaltungen per E-Mail.