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Narrentreiben in Athen

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Narrentreiben in Athen

geschrieben am 30.01.2009 11:21

Ein Wettstreit im antiken Athen ließ die renommierten Dichter zu Meistern des Witzes werden. Sie frönten dem Narrentum. Dabei sparten sie nicht mit scharfer Kritik an der Gesellschaft und an den politischen Verhältnissen ihrer Zeit

Im Februar erreicht das närrische Treiben hierzulande traditionell seinen Höhepunkt, was wäre dieser Monat schließlich ohne die Sitzungen der zahlreichen Faschingsgilden, die sich meist schon Wochen und Monate darauf vorbereitet haben, ihre komisch-unterhaltsamen Einlagen zum Besten zu geben. Meist ist das Vorbereiten und Einstudieren ihrer Auftritte für die Aktiven ein reines Privatvergnügen und das Lachen des Publikums der einzige Lohn, auf den die ehrenamtlichen Narren hoffen können.
Da durften sich die Meister des Witzes im alten Athen schon um einiges mehr erwarten. Dort war nämlich ebenfalls der Februar die Zeit für komische Darbietungen, allerdings fanden diese im Rahmen mehrtägiger offizieller Feiern zu Ehren des Gottes Dionysos, Schutzpatron des Weines und der Verwandlung, statt. Ganz besonders standen Komödienaufführungen bei den so genannten „Lenäen“ im Februar im Mittelpunkt des Interesses. Gerade diese Festlichkeiten gaben professionellen Dichtern und Schauspielern des komischen Fachs regelmäßig Gelegenheit, ihre Kunst vor einem großen Publikum unter Beweis zu stellen und lukrative Preise zu gewinnen. Denn ganz entsprechend der griechischen Lust am Wettkampf wurde dabei die beste Komödie gekürt und der Dichter mit seinem Ensemble offiziell geehrt und mit kostbaren Sachpreisen beschenkt.
Kein Wunder also, dass sich die Dichter im Vorfeld dieser Veranstaltungen besonders ins Zeug legten, zumal sie ja mehr als genug zu tun hatten: galt es doch zunächst einmal einen passenden Stoff zu finden, mit dem das verwöhnte Athener Publikum zufrieden gestellt werden konnte. Aktuelle politische Ereignisse standen dabei ganz oben auf der Liste beliebter Themen, wobei eine Mischung aus scharfer Kritik, hintergründigen Anspielungen und einfachderben Einlagen zusammengestellt werden musste, genau so wie es die Athener liebten. Mit dem bloßen Ersinnen derartiger Lustspiele war es aber noch lange nicht getan. Die Dichter im alten Athen waren nämlich Autor, Regisseur und Choreograph in einer Person und mussten daher selbst die richtigen Schauspieler auswählen und die Proben leiten.
Besonders gekonnt ging dabei ein gewisser Aristophanes zu Werke, ja seine Bühnenstücke waren so bekannt, dass sie in beachtlicher Zahl bis heute erhalten geblieben sind. Es zeugt vom Genie dieses Mannes, dass man trotz der zeitlichen Distanz viele seiner Scherze noch heute verstehen und nachvollziehen kann, wenn auch viele seiner spitzzüngigen Anspielungen auf aktuelles Zeitgeschehen in der altgriechischen Politik und Gesellschaft selbst für Historiker oder Altphilologen nicht mehr verständlich sind. Und dennoch – wenn der gute Aristophanes seine Helden in deftig- heftige Wortgefechte schickt und derbe Scherze über menschliche und allzumenschliche Schwächen macht, bleibt noch nach tausenden von Jahren kein Auge trocken. Gleichgültig ob es um das Verhältnis von Männern und Frauen geht, der Geiz und die Habgier mancher Geschäftsleute auf die Schaufel genommen wird oder die Ehrsucht der Politiker bloßgestellt wird, man kann auch heute noch herzlich mit Aristophanes lachen und verstehen, weshalb er mehr als einmal für seine Stücke mit dem Siegespreis belohnt wurde.
Mario Rausch

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