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Ossiach, Viktring und die ganze Welt

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Ossiach, Viktring und die ganze Welt

geschrieben am 02.07.2010 14:55

Auf den Spuren des Pianisten und Komponisten von Weltrang, Friedrich Gulda, und seines „nie sehr einfachen“ Musik- und Lebensweges. Hier ein Auszug von Ö1-Redakteurin Irene Suchy. Mehr davon in der aktuellen Bruecke oder ihrem Buch.

Über das Enfant terrible der Klassikszene, Friedrich Gulda (1930-2000), der posthum einen Grammy gewonnen hat

In den 60er Jahren entziehen sich Friedrich Guldas Ereignisse mehr und mehr dem traditionellen Musikbetrieb. Seine Dramaturgie braucht neue Räume, Guldas Musik geht nicht mehr über die Bühne, sondern über Sakristeien, Liegewiesen, Bootsstege und Stiftssäle. Eine paradoxe Entwicklung: Gulda sagt: Das Werdende kann man nicht fixieren. Und: Sinn und Witz sind verloren, wenn man diese Veranstaltung zementiert, bürokratisiert und kommerzialisiert. Und begründet gleichzeitig ein Musikfestival in Ossiach bzw. Viktring, das in seiner Unfixierbarkeit bald an die Grenzen einer organisierbaren Struktur stößt. Er plädiert für die Augenblicksschöpfer, die Improvisatoren und lässt nach den ersten beiden Musikforen von Franz Endler eine Geschichte verfassen. Endler legt 15 Titel vor, darunter: Ossiach – ein Spiegel der Musik; Ossiach – ein winziges Rädchen in der richtigen Musikmaschine; Musik aus der Welt von morgen im Ossiach von heute; Ossiach musste erfunden werden; Ossiach – Anarchie oder Fortschritt in der Musik; Die Improvisationsmusiker üben den Aufstand.

Gulda wählt aus: Ossiach musste erfunden werden. Unter den wenigen Schriften, die Gulda hinterlässt, sind die Texte im Bericht über das erste und zweite Internationale Musikforum Ossiachersee von Franz Endler besonders wertvoll. Gulda erweist sich als präziser Formulierer mit einer eindeutigen Sprache, die seine Sicht auf die Lage der Musik uneitel und unpolemisch darstellt; Gulda macht nicht Stimmung, sondern beschreibt sie. Er vermeidet sich wertend oder klassifizierend auf eine Seite zu stellen, er zieht sein Publikum in Bann, frei von Parteinahme und Abgrenzung. In Guldas unhierarchischer Sicht auf die Musikgenres liegt ein liebevolles, demokratisches Weltbild. Seine Sicht auf die Musiklage ist ein Spiegelbild der Weltlage. Seine Demokratie ist ernst gemeint, sie soll die Empfänglichkeit des Publikums für Musik und Humanität schüren.

Alle Bürger sind zur feierlichen Eröffnung der Musikforen 1968 und 1969 eingeladen in Anwesenheit zahlreicher Vertreter des öffentlichen und kulturellen Lebens mit Rundfunk und Fernsehen. Der breite Geschmack wird mit einem „Kärntner Nachmittag“ mit den „Lustigen Oberkärntnern“ und einem „Jazzband-Ball“ im Stiftsgarten, an dem kein Geringerer als Fatty George mitwirkt, bedient. In der Modernität und wegweisenden Innovationskraft, die Guldas Musikfestivals in Ossiach und Viktring entfalten, liegen Programmideen für die folgenden Jahrzehnte. Gulda greift mit freier Programmierung dem Lockenhauser Kammermusikfest vor, mit der Bezahlung durch Essen und Trinken vielen österreichischen Kammermusikfestivals, er gibt dem Musikleben ökonomische Ideen wie die Selbstbestimmtheit des Publikums, was Kartenpreis, Platzwahl und Bekleidung betrifft. Guldas damaliger Manager Siegmar Bergelt sagt in der Eröffnungsrede des 2. Internationalen Musikforums Ossiachersee am 27. Juni 1969: Denn n u r der Künstler vermag es, noch eine ungestaltete Welt im Voraus gestaltet zu sehen. Der Erzeuger des Kunstwerkes der Zukunft ahnt, und in ihm enthalten zu sein sich sehnt. Wer diese Sehnsucht aus seinem eigensten Vermögen in sich nährt, der lebt schon jetzt in einem besseren Leben – nur einer aber kann dies – d e r Künstler.

Irene Suchy


Friedrich Gulda: Ich-Theater
Irene Suchy
Styria Verlag, Hardcover
312 Seiten, Euro 24,95
ISBN:978-3-222-13290-2

Das Buch ist ein akribisches und spannendes Porträt des großen Exzentrikers und Provokateurs. Es zeigt uns Gulda, den Pianisten von Weltrang und Komponisten, der stets ein Doppelleben zwischen Jazz und Klassik führte, dessen Geburtstag sich am 16. Mai zum 80. Mal und dessen Todestag sich am 27. Januar – an Mozarts Geburtstag – zum 10. Mal jährte.


Musikforum Viktring
vom 9. bis 31. Juli
Eröffnung: 9. Juli mit dem Vienna Art Orchestra
14. Juli: Paul Gulda Ensemble: Mahler Galgenlieder
www.musikforum.at

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