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Pandoras Büchse

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Pandoras Büchse

geschrieben am 01.06.2010 20:00

Die Abgründe der weiblichen Seele gelangten durch Alban Berg auch an den Wörthersee. So öffnete er die Büchse der Pandora, um dem Leid und den Plagen musikalisch begegnen zu können. Und gerade die Kärntner Landschaft verlieh dieser unheilvollen Welt etwas Hoffnung.

Alban Berg Jubiläumsjahr

Sie ward geschaffen, Unheil anzustiften, zu locken, zu verführen, zu vergiften – zu morden, ohne dass es einer spürt. Ein wahrlich teuflisch schönes Übel, diese Lulu, die der Dichter Frank Wedekind da vor über 100 Jahren zur Protagonistin einer Aufsehen erregenden Tragödie um verletzte Liebe, Hass und die Abgründe der menschlichen Seele machte. Der Komponist Alban Berg, dessen 125. Geburtstag und 75. Todestag heuer begangen wird, war von einer geschlossenen Aufführung des zunächst heftig umstrittenen Stücks jedenfalls so beeindruckt, dass er sich in seinen letzten Lebensjahren leidenschaftlich der Vertonung dieses düsteren Stoffs widmete; und so zog er sich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts immer wieder in sein Feriendomizil im lieblichen Auen bei Velden zurück, um an seiner letztlich unvollendet gebliebenen Oper „Lulu“ zu arbeiten. Mit ihrer Faszination für eine durch ihre Schönheit Unheil in die Welt bringenden Frauengestalt standen der innovative Tonkünstler und sein skandalumwitterter Librettist allerdings in einer uralten Tradition – nicht von ungefähr nannte Wedekind ja den zweiten Teil seiner Lulu-Tragödie „Die Büchse der Pandora“.

Den Menschen will ich ein Übel geben, an denen jedes Herz sich erfreut, und doch damit nur sein Unglück umarmt. (Hesiod, Werke und Tage) Mit solch grimmigen Worten schickte angeblich schon vor Urzeiten der Göttervater Zeus eine Frau auf die Erde, um die Menschen für den frevelhaften Raub des göttlichen Feuers durch den Titanensohn Prometheus zu bestrafen. Aber nicht irgendeine Frau, sondern ein weibliches Wesen, das die olympischen Götter mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gleichermaßen verführerisch wie verhängnisvoll geschaffen hatten: so gab ihr der göttliche Künstler Hephaistos die liebliche Gestalt eines lockenden Mädchens, Athene lehrte sie allerlei Handarbeiten, Aphrodite steuerte göttlichen Liebreiz und quälende Sehnsucht bei und der listige Hermes sorgte zuletzt noch für eine gehörige Portion Verschlagenheit. Der Götterbote gab dem derart einzigartig gestalteten Geschöpf auch seinen Namen: Pandora, „die alles Bringende, von allen (Göttern) beschenkt“.

Für die Menschen auf Erden hielt Pandora allerdings höchst verhängnisvolle Gaben bereit, schließlich hatte ihr Zeus auch ein Hochzeitsgeschenk der ganz besonderen Art für ihren irdischen Gatten mit auf den Weg gegeben: ein Fass, in dem alle Übel dieser Welt vereint waren. Als daher Pandoras argloser Gemahl Epimetheus – ausgerechnet der Bruder des verhassten Frevlers Prometheus – die unheilvolle Morgengabe öffnete, entwichen alle Leiden, Plagen und Krankheiten, von denen die Menschheit bis dahin verschont geblieben war. Das Einzige, was am Ende noch im Fass verblieb, war die Hoffnung; selbst diese letzte Zuflucht in höchster Verzweiflung soll der zürnende Göttervater den Menschen damals genommen haben.

Ein wahrlich gewaltiger, gewaltsamer Stoff, an dem sich nachfolgende Künst lergenerationen seither immer wieder aufs Neue versuchten, um der Gestalt der schönen Unglücksbringerin Pandora auf ihre ganz eigene Art ein Denkmal zu setzen. So wie Frank Wedekind und Alban Berg, bei denen die rastlose Protagonistin selbst zur tragischen Figur wird, die am Ende an ihrer erfolglosen Suche nach menschlicher Nähe, Liebe und Geborgenheit zugrunde geht.

Mario Rausch


Weiters zum 125. Geburtstag und 75. Todestag des Komponisten:
Wer Alban Bergs „Lulu“ derzeit live auf der Bühne erleben will, hat dazu in Graz und Wien Gelegenheit.
Grazer Opernhaus (www.theater-graz.com) noch bis 23. Juni.
Musikalische Leitung Günther Albers; mit Margareta Klobuöar, Iris Vermillion, Taylan Memioglu u. a.

Auch die Wiener Festwochen haben einen Alban-Berg-Schwerpunkt:
Nach „Wozzeck“ im Mai (Oper und Libretto Alban Berg nach Georg Büchner; mit dem Mahler Chamber Orchestra und dem Arnold Schönberg Chor in der musikalischen Leitung von Daniel Harding, Inszenierung und Bühne: Stéphane Braunschweig) folgt im Juni:
„Lulu“ (Oper in der Bearbeitung Friedrich Cerha) als Koproduktion mit Opera de Lyon und Teatro alla Scala, Mailand.
Die erste Oper der Musikgeschichte in Zwölftontechnik. „Schönes, wildes Tier“ Lulu ist die Geschichte einer Femme fatale, die jeden, der ihr verfällt, sowie schließlich sich selbst ins Unglück treibt. Nach der Premiere in Lyon wurde Peter Steins Inszenierung wegen der genauen Personenzeichnung und detailreichen Darstellung des historischen Hintergrundes als kongeniale Umsetzung des Werkes gefeiert; Laura Aikin als „die ideale Lulu unserer Tage“. Bei den Wiener Festwochen dirigiert Daniele Gatti das Mahler Chamber Orchestra.
Theater an der Wien 11., 14. und 18. Juni, 19 Uhr

Begleitend zu den Aufführungen der beiden Opernwerke Lulu und Wozzeck, widmet sich unter dem Titel Ein Fest für Alban Berg (1885-1935) eine Konzertreihe im Wiener Konzerthaus seinen Instrumental- und Vokalwerken: Solisten des Mahler Chamber Orchestra (Mai)
Szymanowski Quartet, Oleg Maisenberg (1. Juni)
Ensemble intercontemporain, Boulez, Uchida, Tetzlaff sowie Herwig Knaus im Gespräch mit Peter Reichelt (16. Juni)
www.festwochen.at

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