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Peter Jellitsch

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Peter Jellitsch

geschrieben am 05.11.2014 04:00

Über das Verhältnis von Wissenschaft und Kunst, von Virtualität und Realität

An der Akademie der bildenden Künste in Wien ausgebildet, stellte der gebürtige Villacher Peter Jellitsch bereits in namhaften Galerien sowie auch im Museum of Modern Art in San Francisco aus (Ausstellung Field Conditions), wo seine Werke gemeinsam mit jenen von Sol LeWitt und Daniel Libeskind gezeigt wurden. Im heurigen Herbst sind seine Arbeiten im STRABAG Kunstforum in Wien zu sehen – da er für den STRABAG Art Award International 2014 nominiert wurde. Das Museum Moderner Kunst Kärnten erwarb vor einem Jahr die Arbeit STB/S16, eine großflächige, zwölfteilige Studie zum Schwarmverhalten von Vögeln, gezeichnet in Lack, Buntstift und Bleistift auf Papier, und präsentierte sie 2013 in der Ausstellung fokus sammlung 04. Tiere.

Das Unsichtbare sichtbar zu machen, die Grenze zwischen Virtualität und Realität aufzuheben, ist Jellitsch ein Anliegen. In einem Interview in der Kleinen Zeitung vom 4. September 2012 betonte der Künstler: „Wir werden ja immerzu von Signalen umhüllt. Und die Frage, die ich mir stelle, ist, wie man so etwas visualisieren kann”. Jellitsch setzt zeichnerisch das um, was Wissenschaftler mittels Computerprogrammen erfassen (z. B. Mobilfunkstrahlen und Windströmungen). Die STB-Serie erforschte, wie die Medien und die Wissenschaft das Schaffen von „Realität” durch neue technologische Methoden der Simulation erzwingen. Jellitsch gab dies auf einer Metaebene wieder: während Wissenschaft versucht, „Realität” nachzuahmen, ahmt Jellitsch mit seinen Handzeichnungen die Nachahmung der „Realität” nach. Seine Inspiration findet der Künstler im Lesen von wissenschaftlichen Studien, in mathematischen Diagrammen, Informations-Grafiken usw.

Die Bleecker Street Documents beispielsweise sind in einem Appartement in Manhattan entstanden, wo Jellitsch tagebuchartig die Radiowellen maß und die Daten auf einen zweidimensionalen Bildträger übertrug. Je nach Stärke des Signals entstand eine Struktur mit fallenden und aufsteigenden Punkten, die Skulptur wurde mittels einer CNCMaschine gefräst und sah einem Berg aus Polygonen ähnlich. Somit setzte Jellitsch die Signale und die unsichtbare Begrenzung und Definierung des Raums durch Radiowellen in die dreidimensionale Realität einer Skulptur um.

Die aktuellsten Arbeiten von Jellitsch, die sogenannten Data Drawings, sind Zeichnungen, die von WIFI-Messungen inspiriert wurden. Entstanden ist das Projekt während eines halbjährigen Aufenthalts im Atelier, das die Stadt Klagenfurt und das Land Kärnten in der Cité des Arts in Paris besitzen. Die gesamte Bandbreite an WLAN-Messungen durch eine iPhone-App zu erfassen und zeichnerisch wiederzugeben, kam dem künstlerischen Impetus des Experimentierens entgegen. In diesem Zyklus vereint Jellitsch den physischen Akt des Zeichnens mit Tusche und Acryl mit der objektiven Datensammlung, das Abstrakte der künstlerischen Tätigkeit mit dem realen, numerischen Material. Durch das Überschneiden der virtuellen Welt mit der realen Ebene kommt auch eine neue Raumerfahrung mit verschwommenen Zusammenhängen zustande. Jenseits von all den experimentellen Überlegungen sind die in Schwarz-Weiß gehaltenen Data Drawings gewissermaßen auch imaginäre Landschaften. Trotz des sehr überlegten Arbeitsprozesses sind die Werke voller Leichtigkeit und Poesie. Auch darin liegt die Qualität der Arbeit von Peter Jellitsch. Seine Kunst ist nicht Teil eines wissenschaftlichen Diskurses, denn Peter Jellitsch ist jede Kunst, die „Wahrheit” vermitteln will, von vornherein suspekt. Der Künstler stellt Kunst als Quelle von objektivem Wissen in Frage, in seinen Arbeiten werden vordergründig keine Botschaften vermittelt, für den Betrachter soll sich ein Netz von Zusammenhängen entwickeln.

Alexander Gerdanovits

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