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Preis.Würdig

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Preis.Würdig

geschrieben am 04.02.2014 17:00

Kulturschaffende werfen Fragen auf. Anerkannte Persönlichkeiten, Wissenschaftler, Künstler oder Literaten wie Meina Schellander, Peter Turrini, Silke Hassler und Daniela Lindhuber vom Kulturhofkeller konfrontieren den Leser - diesmal mit Fragen nach der Sinnhaftigkeit und Wertschöpfung von Kunst- und Kulturpreisen. „Auf.Geworfen“ werden Pro und Contra sowie Fluch und Segen in Zusammenhang mit dem ambivalenten Verständnis zu den Preisen.

Das Pro und Contra von Literaturpreisen

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Literaturpreise, ich könnte das dazugehörige Preisgeld derzeit wirklich dringend brauchen. Deswegen fällt mir einfach kein einziges Argument gegen Literaturpreise ein.

Gut, ein paar kleine Contras vielleicht, zum Beispiel, dass Literaturpreise notorisch unterdotiert sind. Oder, dass sie der Hauptgrund für den Verfolgungswahn unter Künstlern sind. Warum hat schon wieder er oder sie den Preis bekommen? Und nicht ich? Nur zum Beispiel. Bekommt man tatsächlich einen Literaturpreis, was leider recht selten der Fall ist, weil ihn ja wirklich immer die anderen bekommen, wird man bei der Verleihung von einem Provinzpolitiker, den man noch nie vorher in seinem Leben getroffen hat, öffentlich umarmt und abgeschnudelt. Oder man bekommt (einem Hochwasseropfer gleich) auf offener Bühne einen überdimensionalen Scheck überreicht. Dann wartet man ein halbes Jahr auf die Überweisung des Preisgeldes, das man bereits ausgegeben hat, noch bevor man es bekommt.

Aber wie gesagt, ich habe überhaupt nichts gegen Literaturpreise.

Die Silke Hassler

Preise und Auszeichnungen als Fluch oder Segen

„Ich freue mich über literarische Preise, die sich auf mein Werk beziehen. Auszeichnungen für meine Person wie Orden oder Ehrennadeln etc. lehne ich kategorisch ab. Und zwar aus zweierlei Gründen: Erstens vermehrt sich solcher Offizialklimbim mit zunehmendem Alter und ist damit ein Hinweis auf die kommende Grablegung. Die möchte ich noch etwas hinauszögern. Und zweitens sind sie wie ein Lasso: Sie umfangen einen Dichter und ziehen ihn in Staats- und Landesnähe. Ein Dichter muss sich von solchen Gebilden fernhalten, er ist keinem Land und keinem Staat verpflichtet, nur der Literatur.

Wie gesagt, es ist mir sehr angenehm, wenn ein Literaturpreis eintrudelt, möglichst mit guter Dotierung. Was mir nicht angenehm ist, sind die oft sehr aufwändigen Feiern anlässlich einer literarischen Preisverleihung. Manchmal habe ich das Gefühl, es geht nur darum, dass sich die Preisverleiher selbst zur Darstellung bringen und zwischen zwei Gummibäumen Werbung für sich und ihre „fortschrittliche“ Kulturpolitik machen. Außerdem kosten solche Feierlichkeiten einen Haufen Geld, und ich schlage daher vor, diese Veranstaltungen wegzulassen und das eingesparte Geld dem verliehenen Literaturpreis zuzuschlagen.“

Als „Preis“ für diese kurze Ausführung erbitte ich mir eine Flasche Kärntner Most. (Anm.: steht übrigens auf Slowenisch für Brücke.)

Der Peter Turrini

Preisverdächtig? bzw. Ausgepreist?

Beim Sinnieren über „Preise“ rollt sich vor meinem inneren Auge mein bisheriges Leben in Kärnten auf und bei heute angelangt, ergeben sich daraus zwei Beobachtungen: Erstens scheint man als Arbeiter in der Kärntner Kulturlandschaft wesentlich schneller zu altern. Zweitens fällt mir auf, dass ich beinahe jede Kärntner Kulturpreisverleihung der letzten Jahre besucht habe.

Beginnen wir also mit den spärlichen Erinnerungen an damals, als ich jung (noch jünger) und ohne wirkliche Ahnung in erste Projekte involviert wurde oder besser gesagt, mich in erste Projekte involvierte (denn die Achterbahn „Kulturschaffen“ bleibt für niemanden stehen, der nicht fähig ist, von selbst aufzuspringen – aber weniger davon). Aus meinen schemenhaften Erinnerungen lassen sich opulenter Blumenschmuck, festliche Roben, zahlreiches Händeschütteln (ohne das Gegenüber wirklich wahrzunehmen) und mehr Essen, als die Meute vernichten hätte können, herausfiltern. Je länger ich über die Preisträger nachdenke, desto mehr Blumen tauchen in meiner Erinnerung auf – mir völlig unverständlich, warum diese florale, jegliche Grenzen der Sinnhaftigkeit sprengende Opulenz überhaupt nötig ist – aber weniger davon.

Mein Leben ging weiter, von einem Projekt zum nächsten – natürlich alles irgendwie gleichzeitig. Wer würde auch nur eine Erfahrung in diesem kulturellen Reigen missen wollen, denn immerhin könnte genau diese dir beim nächsten Projekt fehlen – aber auch davon weniger. Die Projekte wurden größer und ich landete in Villach und dann war da plötzlich nur mehr ein Projekt – der Verein kult:villach und das schier unmöglich erscheinende Ziel, ein Kulturzentrum für alle Arten von Kultur ins Leben zu rufen.

Aus ‚schier unmöglich‘ wurde ,machbar’ und plötzlich stand ich mit einem Blumenstrauß debil grinsend auf einer Bühne und lauschte meiner Ikone, der damaligen Vereinsobfrau, wie sie dem Moderator über Mikrofon Nachhilfe in Sachen Feminismus und Gleichbehandlung erteilte, während ihr Outfit, ein Dirndl, denjenigen, die es noch immer nicht für möglich gehalten hatten „Ceci n‘est pas une Dirndl“ entgegenschrie oder frei übersetzt: Eure Zeit ist abgelaufen! Nun war man geehrt mit Blumenstrauß, Urkunde und einem finanziellen Zuschuss. Blumenschmuck, Roben und Essen hatten noch nicht viel von ihrer Opulenz verloren, doch immerhin machte das Schütteln von Händen mehr Sinn, weil man das Gegenüber mittlerweile auch kannte. Und ich könnte schwören, im einen oder anderen Gesicht einen Anflug von Angst vor der nächsten Wahl erkannt zu haben.

Werde ich danach gefragt was der „Förderungspreis für darstellende Kunst“ dem Kulturzentrum gebracht hat, antworte ich zumeist: Genau so viel wie jedes große, im Jahreskreislauf einmalig stattfindende Event der Bevölkerung bringt. Finanzspritze, Aufmerksamkeit, Alltag und der tägliche Kampf, das vermeintlich endlose Ringen, geht weiter – aber auch weniger hierzu.

Und heute ist alles anders, meine Ikone hat den Hut genommen, es gibt eine neue Regierung, die IG KIKK formiert sich, die letzte Kulturpreisverleihung war angenehm unaufgeregt und das Händeschütteln galt Preisträgern und Gästen, mit welchen man auch im wirklichen Leben zu tun hat oder hatte. Alles in allem ist aus dem Hauch des Auf- und Umbruchs seit der Wahl ein etwas stärkeres Lüftlein geworden – nun ist die Zeit, dem geistigen Wandel eindeutige Taten folgen zu lassen!

Doch wo anfangen, wie umsetzen oder kurz gesagt „was machen“? Tropfen auf den heißen Stein sind bereits genug, langfristig ergebnislos, gefallen und statt ratlos vor der Vielzahl an Baustellen zu stehen, hier ein Vorschlag, auf dass die Nachhaltigkeit in den Fokus rücken möge:

Durch die Erweiterung der Preissparten des Landeskulturpreises um die Kategorie ‚Ganzjährige Kulturinitiativen‘ könnten gemeinnützige Vereine der freien Szene, die das ganze Jahr einen wesentlichen Beitrag zur kulturellen Vielfalt des Landes und der einzelnen Städte beitragen, in den Fokus gerückt werden. Ein einmaliger monetärer Preis widerspricht allerdings dem Gedanken der Nachhaltigkeit. Folglich schlage ich vor, dass dieser Preis mit einer einjährigen Zusammenarbeit zwischen Preisträger und Landeskulturabteilung einhergeht. Zweck dieser Zusammenarbeit sollte eine Effizienzsteigerung von Arbeitsprozessen, eine erhöhte Transparenz in Sachen Förderleistungen von Seiten des Landes und Arbeitsleistungen von Seiten der Kulturschaffenden sowie das gegenseitige Aufzeigen von Defiziten und Möglichkeiten sein – das Ergebnis ein gemeinsam erarbeiteter Maßnahmen- und Erkenntniskatalog.

Alles in allem wird es in Zukunft darum gehen, voneinander zu lernen, sodass aus den Tropfen ein stetes Rinnsal und vielleicht irgendwann ein starker und ruhiger Fluss entsteht.

Daniela Lindhuber

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