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Protest Haltung

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Protest Haltung

geschrieben am 29.07.2014 10:24

Der Gezi Park in Istanbul ist ein Ort des Widerstandes gegen die Obrigkeit und deren Mittel, Bürger zu unterdrücken. Die beiden Fotografen Arnold Pöschl und Hans Hochstöger geben mit ihren Porträts jenen ein Gesicht, die wegen ihrer Haltung und ihren Aktionen im Anonymen des Krisengebietes Schutz suchten.

Gezi Park Protesters

Portraitfotografien von Hans Hochstöger und Arnold Pöschl vom Krisenherd in Istanbul

Die Proteste im Gezi-Park Ende Mai letzten Jahres gegen die Pläne zur Errichtung eines Einkaufszentrums und der damit verbundenen Zerstörung der letzten öffentlich zugänglichen Grünflächen mit Bäumen im Zentrum Istanbuls und der darauf folgenden gewaltsamen Räumung des okkupierten Parks zwei Wochen später durch die Polizei entfachte landesweite Demonstrationen, die sich in weiterer Folge gegen die islamischkonservative Regierung Recep Tayyip Erdoğans und seiner Partei der Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP) richteten. Politische Aktionen im Gezi-Park und auf dem angrenzenden Taksim-Platz sind seitdem verboten, nichtsdestotrotz geht der Widerstand gegen die herrschenden politischen Zustände und Restriktionen weiter. Die Proteste in der Türkei werden von einer bunt gemischten Gemeinde getragen, Leute unterschiedlichen Alters, Religionszugehörigkeit oder Standes kämpfen miteinander für ihre Grundrechte, gegen Korruption und Misswirtschaft. Nach wie vor werden aufgrund von Polizeigewalt unter dem massiven Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen in vielen Städten der Türkei Demonstrationen niedergeschlagen, bis zu zehn Menschen sind dabei bereits getötet worden.

Krisenherd Türkei. Vor diesem Hintergrund und der Nachrichtenberichterstattung zu den Protesten in der Türkei, die zumeist die Individuen in der Masse verschwinden lassen, formulierten Hans Hochstöger und Arnold Pöschl den Gedanken, die Menschen, die sich an den Gezi-Park- Protesten beteiligten, individuell abzubilden. Hans Hochstöger hat einige Zeit in Istanbul gelebt, hat familiäre Bezüge zur Stadt, denn die Familie seiner Freundin ist dort zu Hause. Kennengelernt haben sich die zwei Fotografen bei ihrem Studium an der Höheren Graphischen Bundes-, Lehr- und Versuchsanstalt Wien, nun arbeiten sie das erste Mal bei diesem Projekt zusammen. Zweimal trafen sich die beiden letztes Jahr in Istanbul, um gemeinsam mit Menschen aus der Protestbewegung zu sprechen. Bewusst hielten sie Abstand von direkten Konfrontationen der Demonstranten mit der Polizei und der daraus resultierenden medialen Berichterstattung. Sie vertieften sich im Sinne eines „slow journalism“ mit den Einzelnen und ihren jeweiligen Beweggründen, die sie an der Protestbewegung teilnehmen ließen. Die meisten Fotografien sind um kurze Statements der Abgebildeten oder um Textzitate, die einige für sich aussuchten, ergänzt.

Schutz.Masken. Die Protester konnten sich aussuchen, ob sie bei sich zu Hause oder im Gezi-Park fotografiert werden wollten, ebenfalls variieren die Tageszeiten. Darüber hinaus forderten Hans Hochstöger und Arnold Pöschl die Porträtierten auf, Dinge fürs Foto mitzubringen, die sie bei den verschiedenen Aktionen, Demonstrationen oder Protesten dabei gehabt bzw. getragen hatten. Meistens sind Augen- und Mundschutz zu sehen – Gasmasken, Schwimmbrillen, Tücher – aber auch Helme, also alles Gegenstände, um sich selbst vor den Polizeiübergriffen zu schützen. Auffällig ist auch, dass politische Symbole weitgehend fehlten, da die Proteste von einer breiten Bevölkerung getragen werden. Waren bei den ersten Treffen im Juni 2013 die oftmals jungen Menschen noch euphorisch, merkten die Fotografen bei ihren Gesprächen im Oktober des
gleichen Jahres schon eine Ernüchterung und beginnende Nervosität. Teilweise bedeckten sich die Abgebildeten aus Angst vor Konsequenzen mit den eigenen Masken, um auf den Fotos nicht wiedererkannt zu werden, nicht alle machten ihre Namen öffentlich. Die Porträtfotografien sind einfühlsam und individuell und lassen die Entschlossenheit der Einzelnen erahnen.

Gesichter der Protestbewegungen. Geplant ist das Konzept noch auf andere Länder auszuweiten wie die Ukraine, Tunesien, Ägypten oder die USA, um den Protestbewegungen in eben jenen Ländern ähnlich nachzuspüren und den einzelnen Protestern Gesichter zu geben.

Nora Leitgeb

Zu sehen war die Fotoserie „Gezi Park Protesters“ bereits Ende vorigen Jahres in der ART LANE-Urban Art Gallery in Klagenfurt und heuer im Tirana Ekspres in Tirana, in der Galerie FotoSecession in Wien und nun im Juli im PopUp Store der „Anlegestelle beim Hafen 11“ in Klagenfurt. Von 28. Oktober bis 30. November 2014 wird die Serie im Rahmen des „eyes on – Monat der Fotografie“ in Wien ausgestellt. Weitere Ausstellungen in Istanbul und Berlin sind in Vorbereitung.

Arnold Pöschl, geb. 1981 in Klagenfurt. Fotografiert für Verlage, Magazine und Agenturen. Schwerpunkt liegt auf Porträtfotografie. Lebt in Krumpendorf und in Wien.

Hans Hochstöger, geb. 1982 in Melk, fotografiert mit Vorliebe Menschen. Seit 2010 tätig als Fotograf für Magazine und Unternehmen im Inund Ausland; hat seine Basis in Wien, arbeitet aber regelmäßig in Istanbul, weil die Familie seiner Freundin dort lebt.

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