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Rückblicke und Ausblicke

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Rückblicke und Ausblicke

geschrieben am 27.12.2010 13:00

Am Jahresende soll noch einmal über jene Kunst- und Kulturschaffenden nachgedacht werden, deren Echo als Sprachrohr in der nächsten Zeit weiterhin zu hören sein wird. Einblicke über Arnold Clementschitsch lassen hören, sehen und staunen!

„Zum Tod – ein Tun … habe mich öfters drüben gesehen“

Was bedeutet ein zum 40. Male wiederkehrender Todestag?
Die Gelegenheit, ein paar Gedanken zum Künstler und Menschen Professor Arnold Clementschitsch niederzuschreiben: Er spielt für die nachfolgenden Künstlergenerationen in Österreich eine besonders große Rolle. Dies ist nicht verwunderlich, da kaum ein anderer so sensibel den Zeitgeist und die internationalen künstlerischen Strömungen der Kulturstädte Wien und MÜnchen angenommen hat. Mit 21 Jahren entschied sich Arnold Clementschitsch, nach einer Kaufmannischen Laufbahn in Wien (zu dieser Zeit betrachtete er sich selbst als Sonntagsmaler), für die Malerei. Das erste Jahr seiner Ausbildung im Jahre 1908 verbrachte er an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien bei Professor Landa, wo er die Lehrveranstaltungen „Photographie“ und „Reproduktionstechnik“ besuchte.1) Über seinen Professor schreibt Clementschitsch Mein Lehrer war Hubert Landa. Er war ein idealistischer Mann und mir gerade gerecht.2) Landa erkannte seine Begabung und schickte ihn in die Kunstgewerbeschule. Durch eine „Fehlleistung“ (wie es der Künstler nennt) – er möchte Zeichenlehrer werden – verwies man ihn an die Akademie der bildenden Künste in Wien. Dort studierte er zwei Semester bei Professor Alois Delug. Es wurde hier die traditionelle, konventionelle Kunst gelehrt. Über seinen Lehrer sagt er: Delug war ein Sonderling und fast menschenscheu.3) Zu dieser Zeit waren die Portrats Clementschitsch im dunklen akademischen Kolorit gehalten.

Bahnbrechend fur Clementschitschs künstlerische Entwicklung waren, neben der Ausbildung an der Kunstgewerbeschule, die Ausstellungen von Künstlern des Symbolismus wie Ferdinand Hodler und Cuno Amiet in der Wiener Sezession im Jahr 1904 und auch skandinavische Künstler wie die schwedischen Maler Gustav Fjaestad und besonders Anders Zorn, die in der Sezession und im Hagenbund präsentiert worden sind. Clementschitsch interessierte sich nicht nur für die schwedische Malerei, sondern auch die Literatur von August Strindberg, der wie er Schriftsteller und Maler war. Aber auch Galerien wie Pisko und Arnot waren bestrebt aus der künstlerischen Isolation, die an der Akademie vorherrschte, auszubrechen. Bei der Galerie Miethke (jetzt das Jüdische Museum) wirkte Carl Moll als Organisator; er sollte auch später als Clementschitschs Forderer agieren. (Durch ihn konnte er im Jahre 1932 drei Gemälde auf der Biennale in Venedig ausstellen, wo er einen Preis für den Poloreiter bekam.)
Enorme Bedeutung für Clementschitsch hatte die Synasthesie (das Verknüpfen
verschiedenartiger Sinneseindrucke), in einigen seiner Gemälde erkennt man gleichzeitig ein von ihm geschriebenes Gedicht. Folgendes Zitat von Hugo von Hofmannsthal widerspiegelt die geistige Grundeinstellung der fortschrittlichen Künstler in Wien zu dieser Zeit: Die Menschen müssen sich wieder erinnern, dass die Malerei eine Zauberschrift ist, die mit farbigen Klecksen statt der Worte eine innere Vision der Welt, der rätselhaften, wesenlosen, wundervollen Welt um uns übermittelt, dass Malen etwas mit Denken, Träumen und Dichten zu tun hat.4)

Die entscheidende Wende trat im Oktober 1910 ein, als er mit einem Kompositionsentwurf zu Professor Berthold Loffler an die damalige Kunstgewerbeschule am Stubenring ging. (Jetzt Universitat fur Angewandte Kunst.) Die Kunstgewerbeschule galt damals als eine Lehranstalt von europäischer Bedeutung. Schon langere Zeit interessierte man sich hier für den französischen Impressionismus. Löffler nahm ihn sofort in seine Abteilung auf und stellte ihm seinen eigenen Arbeitsraum zur Verfügung. Von nun an war auch eine Veränderung in der Malweise Clementschitschs zu sehen, so wurde das Portrait „Huberta“ im frischen Kolorit im Stile Hodlers gemalt. Der Künstler uber seinen Lehrer: Professor Löffler war wie ein alterer Freund. Gegen das Ende des zweiten Semesters nahm er mich zu einer Aussprache vor. Sie sollten nach Paris, vielleicht zu Puvis de Chavanne oder nach Genf zu Kuno Amiet.5) Clementschitschs Vater war strikt gegen Paris als Ausbildungsstätte, so einigte man sich auf München, was nur ein halbes Ausland war.

Die meisten Künstler sahen es als Trittbrett für Paris, so auch die Schweizer Cuno Amiet und Giovanni Giacometti, die zuerst in München waren, ehe sie beschlossen, sich bei der Nabisgruppe weiter auszubilden zu lassen. Auch viele Künstler der Österreichischen Provinz wie Jean Egger, Wilhelm Nicolaus Prachensky, Werner Berg, Wilhelm Thony oder Anton Lutz genossen hier ihre Ausbildung. Was war zu dieser Zeit das Besondere an München als Ausbildungsstätte? München und Paris waren zur Jahrhundertwende die beiden größten Lehrstätten der Malerei. Hier wurde Clementschitsch im Jahre 1911 Schüler von Professor Angelo Jank an der Königlichen Bayrischen Kunstakademie.

Als besonders wichtig für den jungen Künstler erwies sich der Abendkurs bei einem Erkenntnistheoretiker namens Gustav Britsch. Der Privatkurs von Britsch war eine von mehreren „Privatschulen“, die für den Künstler einen besonders hohen Stellenwert haben sollten. In München hatte der Gang durch die Schulen ein Ende gefunden.

Der Postimpressionismus dieser Stadt, wie zum Beispiel der eines Charles Vetter, sollte auf Clementschitsch einen großen Eindruck hinterlassen und wird in seinen spateren Strasen- und Landschaftsbildern spurbar. Interessanterweise entwickelte sich diese Stilrichtung bei ihm erst nach den Kriegswirren des Ersten Weltkrieges. Beeinflusst wurde er auserdem vom „Blauen Reiter“ und hier besonders von August Macke. Die Schriften dieser Kunstlergruppe „Geistige Guter“ von Franz Marc und „Uber das Geistige in der Kunst“ von Wassily Kandinsky waren ihm sicher nicht unbekannt.

In München lernte er auch die Schriften von Sigmund Freud uber die Psychoanalyse kennen. Dazu Michael Guttenbrunner: … er war Analytiker, er hatte als einer der ersten Kärntner den damals dort noch verponten Freud gelesen und akzeptiert.6) Nach dem Ersten Weltkrieg zeigt er internationale Größe, diese erweist sich bei der Herbstausstellung in der Sezession im Jahre 1920. Im Jahr 1921 stellt er wieder in der Sezession aus. Diese Ausstellung wird von Franz Ottmann so kommentiert: Clementschitsch bahnt sich einen anderen Weg im Gegensatz zu Kolig. Ein unruhiges Stadtbild als bewegtes Ganzes zu geben ist sein Ziel.7)

Ab dem Jahr 1924 teilen sich Herbert Boeckl und Clementschitsch ein Atelier in der Argentinierstraße. Zeitweise ist auch der Maler Felix Esterl dort anzutreffen. In diesen Jahren wird er von der expressiven Malweise Boeckls beeinflusst, bei seinen Motiven finden sich jetzt vermehrt Akte und Landschaften. Die Zeit der Straßenszenen ist vorerst vorbei. Boeckl und Clementschitsch zahlen jetzt neben den Malern des Notscher Kreises zu den wichtigsten Vertretern der Österreichischen Malerei. Dies bezeugen die Beteiligungen im Kunstlerhaus, Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Clementschitsch als Künstler regionalen Ranges anzusehen. Im Jahr 1946 grundete er das Kärntner Landesinstitut fur bildende Kunst in Klagenfurt. Dazu Clementschitschs Worte, die er zur Ausstellung des oben genannten Institutes am 7. Juli 1947 fur einen Katalog der Galerie Kleinmayr niederschrieb: Außerdem hatte ich die Verpflichtung, jeden einzelnen dieser Mitarbeiter oder Schüler - wie man sie nun nennen will – aus seiner persönlichen Besonderheit hin zu erfassen und seinem Entwicklungsgang dadurch behilflich zu sein. Als Basis dieser Art von Unterricht, in der dieser nur eine Form des Helfens, des Behilflichseins darstellt, dient die‚ Theorie der bildenden Kunst‘ von Gustav Britsch …

Unter den zahlreichen Schülern 8) ist Hans Staudacher besonders zu erwahnen. In ein paar Satzen schildert Staudacher wie er Clementschitsch als Lehrer gesehen hat: Die Britschtheorie, mit dem Malen aus der Vorstellung, aus dem Inneren, war fur mich sehr wichtig. Wie auch das Kolorit von Clementschitsch, ich denke aber, dass ich als geborener Kärntner die Farben nur gleich empfunden habe… Im Künstlerarchiv Belvedere befindet sich ein Schreiben zu den Künstlern Herbert Boeckl und Clementschitsch. Dieses Schreiben soll von Professor Fritz Novotny, ehemaliger Direktor Belvedere, verfasst worden sein. Er schreibt: Franz Wiegele und Arnold Clementschitsch haben ein spezifisches Kolorit eingeführt, das von führenden Vertretern der folgenden zwei Generationen häufig in Anspruch genommen oder zitiert wird … Dieses Kärntner Kolorit, besonders das von Arnold Clementschitsch ist bei einigen Malern wiederzuerkennen wie bei Maria Lassnig und Hans Staudacher.

Leonore Lukeschitsch

LEONORE LUKESCHITSCH: Dissertation „Das Malerische Werk Arnold Clementschitschs 1887 – 1970“, Universitat Wien, 2002 Derzeit Erarbeitung eines aktualisierten Werkverzeichnisses und einer Kunstlerbiographie zu Arnold Clementschitsch in Kooperation mit dem Museum der Stadt Villach.
Weiters findet mit dem Museum des Nötscher Kreises fur 2012 eine Zusammenarbeit zum Thema Arnold Clementschitsch und seine Kontakte zum Nötscher Kreis statt.

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